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Valentin Moritz

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie

Valentin Moritz (* 26. Januar 1987 in Bad SĂ€ckingen)[1] ist ein deutscher Schriftsteller.[2]

Valentin Moritz wuchs in SĂŒdbaden auf und studierte nach dem Abitur Hispanistik, Germanistik und Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Freien UniversitĂ€t Berlin. Im Anschluss an eine BerufstĂ€tigkeit als Literaturagent arbeitet er seit 2019 als freiberuflicher Autor.[3]

FĂŒr sein im Jahre 2020 veröffentlichtes Buch Kein Held: Erinnerungen, in welchem er die Lebensgeschichte seines Großvaters aufarbeitet und sich mit den landwirtschaftlichen Wurzeln seiner Familie befasst,[4] wurde er mit dem Preis der HochschwarzwĂ€lder Buchmesse ausgezeichnet.[5] 2022 veröffentlichte er das Werk Vermessungen einer Liebe, in welchem er die fiktive Geschichte des ehemaligen Lehrers Arne Holm erzĂ€hlt, welcher auf die schiefe Bahn gelangte und gegen die Widrigkeiten des Alltags ankĂ€mpft, wĂ€hrend er auf der Suche nach Liebe und Zuneigung ist.[6] Das 2023 von Moritz gemeinsam mit Donat Blum herausgegebene Sammelwerk Oh Boy: MĂ€nnlichkeit*en heute wurde anfĂ€nglich außerordentlich positiv rezipiert. Bis der literarische Beitrag von Moritz insbesondere auf Instagram mit unbelegten VorwĂŒrfen ĂŒberzogen wurde und der Kanon Verlag den Vertrieb des Buches stoppte. Aufgrund einer ausufernden Welle von Cybermobbing zog sich Moritz aus dem Literaturbetrieb zurĂŒck.[7]

Sein literarisches Schaffen wurde umfangreich durch Stipendien und staatliche sowie private Zuwendungen gefördert. So erhielt er 2016 ein Arbeitsstipendium der Kunststiftung Baden-WĂŒrttemberg[8], 2017 ein Aufenthaltsstipendium des KĂŒnstlerhauses Lauenburg[9], 2019 das Kulturaustauschstipendium des Berliner Senats in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut BogotĂĄ[10], 2020 ein Arbeitsstipendium der Kunststiftung Sachsen-Anhalt unter Bezuschussung der Kloster Bergesche Stiftung sowie am Ende des Jahres den Posten als Rottweiler Stadtschreiber,[11] 2021 ein Literaturstipendium des Landes Baden-WĂŒrttemberg[12] sowie ein Recherchestipendium des Berliner Senats und 2023 Aufenthaltsstipendien sowohl im KĂŒnstlerhaus Edenkoben der Stiftung Rheinland-Pfalz fĂŒr Kultur[13] als auch im mare-KĂŒnstlerhaus der Roger-Willemsen-Stiftung[14].

Anthologie Oh Boy: MĂ€nnlichkeit*en heute (2023)

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Nach Veröffentlichung der Anthologie Oh Boy: MĂ€nnlichkeit*en heute., die Moritz gemeinsam mit Donat Blum als Co-Herausgeber verantwortete und in der insgesamt 18 Autorinnen und Autoren ihre Perspektive auf MĂ€nnlichkeit dokumentierten, geriet, nach zunĂ€chst weitgehend positiver Resonanz fĂŒr das Gesamtwerk, insbesondere ein Beitrag von Moritz, in dem er seine Perspektive auf einen von ihm mutmaßlich verĂŒbten sexuellen Übergriff gegenĂŒber einer Frau schilderte, in umfangreiche öffentliche Kritik.

An dem Buchprojekt waren außerdem Michael Fehr, Dinçer GĂŒĂ§yeter, Kim de l’Horizon, Friedemann Karig, Thomas Köck, Kristof Magnusson, Hermes Phettberg, JayrĂŽme C. Robinet, Daniel Schreiber, Deniz Utlu, Peter Wawerzinek, Philipp Winkler sowie Mithu Sanyal beteiligt. Der verantwortliche Kanon Verlag entschied sich nach der Kritik dafĂŒr, die Auslieferung des Buches zu stoppen und das Buch letztendlich gĂ€nzlich aus dem Verkehr zu ziehen.[15]

Im Beitrag mit dem Titel „Ein glĂŒcklicher Mensch“ schildert Moritz, wie er selbst eine „Grenze ĂŒberschritten“ habe, indem er den Körper einer Frau in einer Situation berĂŒhrte, in der er „ahnen hĂ€tte können, dass sie das nicht wollte“.[16] Im Beitrag, der, wie er betont, rein literarischen Charakter haben soll, merkte er an, dass er sich in der Folge „feige und wortlos“ davonmachte, als das Tatopfer sich seinem Willen entzog.[17] Moritz schreibt: „Ich will kein TĂ€ter sein, aber ich bin mindestens einmal einer geworden: Ich habe einen sexualisierten Übergriff begangen“ und reflektiert ĂŒber die Tatschuld seines literarischen Ichs.[18]

Trotz der BemĂŒhungen seitens des Autors, die beschriebene Situation weitestgehend zu anonymisieren, publizierte das Instagram-Profil „keineshowfuertaeter_berlin“ ein Statement, in dem ein „Ich“ behauptet, sich in den ErzĂ€hlungen wiederzuerkennen, und zum Boykott des Buchs aufruft.[19][20] Die vermeintliche Person hinter dem Statement ließ weiter verlautbaren, dass sie seit Veröffentlichung des Buches eine „nicht enden wollende emotionale Achterbahnfahrt“ erlebe.[21] Nachdem sie gerade erst begonnen habe, den Eingriff in ihre sexuelle Selbstbestimmung zu verarbeiten, werde sie nun durch die Veröffentlichung erneut mit ihrem Trauma konfrontiert.[22] Besonders störe sie, dass der Autor den Übergriff nutzt, um sich medial zu profilieren. Der Verarbeitung ihres Traumas in Form eines Buchbeitrags habe sie im Rahmen einer entschuldigenden Aussprache mit Moritz in Folge der Tat explizit nicht zugestimmt, bei der er sich allerdings nicht entschuldigte, sondern ankĂŒndigte, die Tat aus TĂ€terperspektive literarisch verarbeiten zu wollen.[23] Eine Veranstaltung des Internationalen Literaturfestivals Berlin zur Anthologie, zu der die Herausgeber nicht eingeladen waren, wurde von Deniz YĂŒcel in der Welt kritisiert.[24]

Ein erstes umfassendes Bild der „Causa Oh Boy“[25] zeichnete erstmals die Recherche von Nadine BrĂŒgger, die fast ein Jahr spĂ€ter am 3. Juli 2024 in der NZZ erschien[26]. Darin gibt Valentin Moritz an, dass er gegenĂŒber der Frau hinter den VorwĂŒrfen weder „Zwang noch Gewalt“ ausgeĂŒbt habe. Er wird zitiert mit: „Dieser Artikel hat mich fertiggemacht. Weil das, was sie mir darin vorwirft, mehr ist, als tatsĂ€chlich passiert ist“. Sowie: „Ich habe ihr nonverbales Nein sofort akzeptiert und meine Hand zurĂŒckgezogen. Es gab weder Zwang noch Gewalt.“ Der Artikel legt dar, wie die VorwĂŒrfe gegen das Buch, Valentin Moritz und Donat Blum in den sozialen Medien stetig ausgeweitet wurden, wie am Buch Beteiligte unter Druck gesetzt wurden und wie sich auch etablierte MedienhĂ€user in ihren Analysen und Beurteilungen ausschließlich auf zwei ungeprĂŒfte Quellen abstĂŒtzten: Ein Artikel mit Zitaten einer Frau mit dem Pseudonym „Rabea“ auf RBB24.de, der nachtrĂ€glich ohne Kenntlichmachung abgeĂ€ndert wurde, sowie das ebenfalls anonym und vage gehaltene „Statement der Betroffenen“, der an dieser Stelle das Pseudonym „Josi“ gegeben wurde[27].

Einzelnachweise

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  1. ↑ Literatur Port Valentin Moritz. Abgerufen am 13. September 2023.
  2. ↑ Valentin Moritz - 1 Buch - Perlentaucher. Abgerufen am 19. September 2023.
  3. ↑ Literatur Port Valentin Moritz. Abgerufen am 13. September 2023.
  4. ↑ Kunststiftung Sachsen-Anhalt Valentin Moritz: „Kein Held“ erscheint. Abgerufen am 13. September 2023.
  5. ↑ SWR Aktuell Erste Schwarzwald-Buchmesse "BlĂ€tterrausch" in Hinterzarten. Abgerufen am 13. September 2023.
  6. ↑ Geest-Verlag Moritz, Valentin: Vermessungen einer Liebe. Mit Zeichnungen von Jan Franke. Abgerufen am 13. September 2023.
  7. ↑ Nadine A. BrĂŒgger: «Oh Boy» – ein Buch, ein Shitstorm und die Frage: Wer gewinnt? In: Neue ZĂŒrcher Zeitung. 3. Juli 2024, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 3. Juli 2024]).
  8. ↑ Kunststiftung Baden-WĂŒrttemberg Stipendiaten 2016, S. 9. Abgerufen am 13. September 2023.
  9. ↑ KĂŒnstlerhaus Lauenburg. Stadtgalerie Valentin Moritz „Kein Held“.
  10. ↑ Senat von Berlin Berliner Stipendiatinnen und Stipendiaten Kulturaustauschstipendien des Landes Berlin GLOBAL alle Sparten. Abgerufen am 13. September 2023.
  11. ↑ Rottweiler Stadtschreiber 2020 heißt Valentin Moritz. Kulturamt, Volksbank und Konvikt vergeben Aufenthaltsstipendium. In: rottweil.de, abgerufen am 18. September 2024.
  12. ↑ Ministerium fĂŒr Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-WĂŒrttemberg Land vergibt Literaturstipendien an herausragende Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Abgerufen am 13. September 2023.
  13. ↑ KĂŒnstlerhaus Edenkoben Unsere Sipendiat*innen in 2023. Abgerufen am 13. September 2023.
  14. ↑ Roger Willemsen Stiftung Stipendien. Abgerufen am 13. September 2023.
  15. ↑ Deutschlandfunk Kultur Verlag zieht umstrittenes Buch ĂŒber MĂ€nnlichkeit zurĂŒck. Abgerufen am 13. September 2023.
  16. ↑ RBB 24 Wenn ein TĂ€ter seine Tat eingesteht - und damit erneut das Opfer verletzt. Abgerufen am 13. September 2023.
  17. ↑ RBB 24 Wenn ein TĂ€ter seine Tat eingesteht - und damit erneut das Opfer verletzt. Abgerufen am 13. September 2023.
  18. ↑ Der Standard Opfer von sexuellem Übergriff beklagt dessen Publikation in Buch "Oh Boy". Abgerufen am 13. September 2023.
  19. ↑ Instagram @keineshowfuertaeter_berlin Statement der Betroffenen. Abgerufen am 13. September 2023.
  20. ↑ RBB 24 Wenn ein TĂ€ter seine Tat eingesteht - und damit erneut das Opfer verletzt. Abgerufen am 13. September 2023.
  21. ↑ Reinhard, Claudia Der doppelte Übergriff: Die Causa „Oh Boy“ stellt die Grenzen der Kunstfreiheit infrage. Tagesspiegel vom 19. August 2023.
  22. ↑ Der Standard Opfer von sexuellem Übergriff beklagt dessen Publikation in Buch "Oh Boy". Abgerufen am 13. September 2023. Abgerufen am 13. September 2023.
  23. ↑ RBB 24 Wenn ein TĂ€ter seine Tat eingesteht - und damit erneut das Opfer verletzt. Abgerufen am 13. September 2023.
  24. ↑ „Oh Boy“: Unter dem gefĂŒhligen Ton lauert ein autoritĂ€rer Geist - WELT. 21. September 2023, abgerufen am 21. September 2023.
  25. ↑ Der doppelte Übergriff: Die Causa „Oh Boy“ stellt die Grenzen der Kunstfreiheit infrage. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 3. Februar 2025]).
  26. ↑ Nadine A. BrĂŒgger: «Oh Boy» – ein Buch, ein Shitstorm und die Frage: Wer gewinnt? In: Neue ZĂŒrcher Zeitung. 3. Juli 2024, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 3. Februar 2025]).
  27. ↑ Instagram. Abgerufen am 3. Februar 2025.