WM-System

Das sogenannte WM-System ist ein taktisches Spielsystem im FuĂball. Es entstand als Reaktion auf die 1925 eingefĂŒhrte Modifizierung der Abseitsregel durch das ZurĂŒckziehen des MittellĂ€ufers der zuvor genutzten Schottischen Furche.
Name
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Name leitet sich von der Formation ab, die die Spieler in ihrer Grundposition auf dem Spielfeld bilden, und die dem Schriftbild der GroĂbuchstaben W und M Ă€hnelt:
Das W bildet sich dabei aus:
- dem vorgeschobenen MittelstĂŒrmer
- den zurĂŒckhĂ€ngenden linken und rechten HalbstĂŒrmern
- den vorgezogenen linken und rechten AuĂenstĂŒrmern
Das M bildet sich dabei aus:
- dem zurĂŒckhĂ€ngenden MittellĂ€ufer (Ă€hnlich dem Libero, dem letzten Mann vor dem Torwart)
- den meist defensiv agierenden linken und rechten Verteidigern
- den offensiver agierenden linken und rechten AuĂenlĂ€ufern
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das WM-System ist durch eine starre Vergabe der Positionen auf dem Spielfeld geprĂ€gt. So beteiligten sich die Verteidiger selten am Angriffsspiel und die StĂŒrmer begaben sich selten in die Verteidigung. Der Spielaufbau wurde wesentlich durch die HalbstĂŒrmer und AuĂenlĂ€ufer bestimmt, die man heute dem Mittelfeld zuordnen wĂŒrde. Hennes Weisweiler betonte aber ausdrĂŒcklich: âIm Spiel selbst war alles im FluĂ.â[1] âIm Angriff schlieĂen die HalbstĂŒrmer auf, wechseln die vorgeschobenen Spitzen ihre Positionen, keiner ist an seinen Posten gebunden. Trotzdem darf es kein sinnloses Durcheinander sein. Oberster Grundsatz: alles wechselt und wirbelt, aber jede Angriffsposition ist besetzt. In der Abwehr schlieĂen wir uns ebenfalls zusammen, das verlangt eine kluge Abwehr, die nicht nur stets den Mann deckt, sondern laufend zwischen Mann- und Raumdeckung wechselt. Beim Angriff des Gegners deckt ein Verteidiger, je nachdem auf welcher Seite der Ball lĂ€uft, den AuĂen auf TuchfĂŒhlung, der andere Verteidiger aber steht im gefĂ€hrlichen Raum vor seinem Torâ[2].
Das System wurde von Herbert Chapman, ehemals Trainer des FC Arsenal, entwickelt. Er zog den offensiven MittellĂ€ufer zurĂŒck, um den freien Lauf und Torschuss des MittelstĂŒrmers zu stoppen. Der Stopper war geboren.[3]
1954 wurde Deutschland mit diesem Spielsystem FuĂball-Weltmeister. Eine Besonderheit war aber im Endspiel gegen Ungarn dabei die taktische Aufgabe der beiden Spieler Horst Eckel und Werner Liebrich im grundsĂ€tzlich praktizierten WM-System. NĂĄndor Hidegkuti war offiziell MittelstĂŒrmer und Ferenc PuskĂĄs linker HalbstĂŒrmer. Waren diese Spieler auf den angestammten Positionen, so waren sie von Eckel (rechter AuĂenlĂ€ufer gegen PuskĂĄs) und Liebrich (MittellĂ€ufer gegen Hidegkuti) zu bekĂ€mpfen. LieĂ sich der âverdeckte Spielmacherâ Hidegkuti aber in das Mittelfeld zurĂŒckfallen und PuskĂĄs hielt sich im torgefĂ€hrlichen Raum auf, so hatten die Aufgaben zwischen Eckel und Liebrich zu wechseln: Eckel hĂ€ngte sich im Mittelfeld an Spielmacher Hidegkuti und Liebrich ĂŒbernahm den TorjĂ€ger PuskĂĄs.
In der heutigen Zeit spielt man wesentlich flexibler, so sind das 4-4-2âSystem (mit Mittelfeldraute) und das 4-2-3-1âSystem weit verbreitet. Das 3-4-3âSystem ist dem WM-System Ă€hnlich.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Hennes Weisweiler: Der FuĂball. Taktik, Training, Mannschaft. Verlag Karl Hofmann. Schorndorf bei Stuttgart. 8. Auflage 1980. ISBN 3-7780-3028-0. S. 76â82.
- Bernd Rohr, GĂŒnter Simon: FuĂball Lexikon. Die groĂe FuĂball-EnzyklopĂ€die. Copress Verlag. MĂŒnchen 2004. ISBN 3-7679-0829-8. S. 377â382.