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WĂŒrzburger Synode

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Die deutsche Sonderbriefmarke von 1972 zeigt das Stadtsiegel WĂŒrzburgs von 1237 bis 1560 mit dem WĂŒrzburger Dom

Die Gemeinsame Synode der BistĂŒmer in der Bundesrepublik Deutschland, so der offizielle Titel der WĂŒrzburger Synode, fand von 1971 bis 1975 in WĂŒrzburg statt. Diese Synode wurde auch das Deutsche Konzil genannt, das ein wichtiges StĂŒck Kirchengeschichte geworden ist.[1]

Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil gab es in der katholischen Kirche einerseits eine Aufbruchstimmung, andererseits bei vielen Laien und Priestern Unsicherheit und Verwirrung. Zur Beratung ĂŒber die Verwirklichung der KonzilsbeschlĂŒsse wurden weltweit zahlreiche Diözesansynoden durchgefĂŒhrt, so auch in den (Erz-)BistĂŒmern Wien, Salzburg und Hildesheim. Diese Synoden waren Pioniervorhaben.[2] Der 1966 veröffentlichte „HollĂ€ndische Katechismus“ war ein frĂŒher Versuch einer nachkonziliaren Theologie fĂŒr breitere Kreise; er wurde in Rom wegen HĂ€resie angezeigt. Auf dem Katholikentag in Essen (September 1968) forderte die Gruppe Kritischer Katholizismus eine Pastoralsynode. Der Weihbischof Heinrich Tenhumberg schlug im Juni 1968 der Hauptkommission der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) vor, ĂŒber Formen der Demokratisierung in der Kirche nachzudenken. Denn die hierarchische Struktur der Kirche setze den Demokratisierungstendenzen eine Grenze. Man solle ĂŒberspitzten und dogmatisch verfehlten AnsprĂŒchen der Amtskirche entgegenwirken und zugleich dem berechtigten Verlangen vieler glĂ€ubiger Christen nach maßvoller Mitverantwortung und Mitbestimmung entgegenkommen. Daher schlug Tenhumberg gemeinsame Beratungen der DBK und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) vor, die man «gegebenenfalls [
] als Vorstufe und VorĂŒbung fĂŒr eine spĂ€tere Form einer National-Synode betrachten» könnte. Damit hatte er den Anstoß zur WĂŒrzburger Synode gegeben.[3] Im Januar 1969 erfolgte die erste Zusammenkunft der Gemeinsamen Studiengruppe von Deutscher Bischofskonferenz (DBK) und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZDK). Sie schlug eine Gemeinsame Synode der BistĂŒmer in der Bundesrepublik Deutschland vor. Dank Bischof Hengsbach konnten zĂ€he WiderstĂ€nde gegen den Plan einer Pastoralsynode ĂŒberwunden werden; die DurchfĂŒhrung der Gemeinsamen Synode wurde von der DBK bereits Ende Februar beschlossen.[4]

Auch in der DDR gab es Ă€hnliche Bestrebungen. Bereits 1969 eröffnete Bischof Otto SpĂŒlbeck die Meißner Diözesansynode in der Hofkirche zu Dresden.

Aufgabe der Synode war, die Verwirklichung der BeschlĂŒsse des Zweiten Vatikanischen Konzils zu fördern. Die Synode wurde von der Deutschen Bischofskonferenz im Februar 1969 einberufen. Sie war ein institutionalisierter Dialog von stimmberechtigten Bischöfen, Priestern, Ordensleuten und Laien aus allen deutschen BistĂŒmern. PrĂ€sident der Synode war Julius Kardinal Döpfner. Er war einer der maßgeblichen Protagonisten der Synode. Kritiker wie der Regensburger Bischof Rudolf Graber standen der Synode dezidiert ablehnend gegenĂŒber. Der um Mitarbeit gebetene Joseph Ratzinger, damals Professor fĂŒr Dogmatik und Dogmengeschichte, zog sich frĂŒhzeitig aus der Synode zurĂŒck.

Karl Rahner wirkte mit. Anteil am Zustandekommen der Synode hatte Karl Forster, SekretĂ€r der DBK (1967–1971) und SekretĂ€r der Synode. Einflussreiche Laiensynodale waren unter anderem Walter Bayerlein, Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht in MĂŒnchen und Mitglied im Vorstand des Diözesanrates der Katholiken der Erzdiözese MĂŒnchen und Freising, Hans Maier, Professor fĂŒr politische Wissenschaften an der UniversitĂ€t MĂŒnchen und bayerischer Kultusminister, Wilhelm Sandfuchs, Leiter der Abteilung Kirchenfunk beim Bayerischen Rundfunk (BR), und Josef Stingl (1919–2004), von 1968 bis 1984 PrĂ€sident der Bundesanstalt fĂŒr Arbeit in NĂŒrnberg.

Zwischen Januar 1971 und November 1975 fanden acht Sitzungsperioden statt. Die erste Arbeitsvollversammlung fand vom 10. bis 14. Mai 1972 im WĂŒrzburger Dom statt. Dessen Hauptschiff dient bereits im Januar 1971 als Aula.[5] Manche der Vorlagen, wie zum Beispiel die zu „Kirche und Arbeiterschaft“ lösten in Vollversammlungen hitzige Diskussionen aus. Verabschiedet wurden wichtige BeschlĂŒsse wie „Der Religionsunterricht in der Schule“. Die Vorlage „Christlich gelebte Ehe und Familie“ fĂŒhrte zu einer Elf-Stunden-Diskussion und zu einem Abstimmungsergebnis mit nur einer Stimme ĂŒber der erforderlichen Zwei-Drittel-Mehrheit. Dabei war umstritten, ob die Sachkommission der Synode der DBK, welche Änderungen der Aussagen zur EmpfĂ€ngnisverhĂŒtung, zu vorehelicher SexualitĂ€t sowie zur Hilfe fĂŒr geschiedene, wiederverheiratete Katholiken verlangte, zu weit entgegengekommen sei. Mit einem feierlichen Gottesdienst endete die Gemeinsame Synode am 23. November 1975.[6] Man ging in WĂŒrzburg auseinander mit dem Satz „Die Synode endet – die Synode beginnt“.[7]

Ergebnisse und Folgen

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Die Ergebnisse der Synode wurden in 18 BeschlĂŒssen und 6 Arbeitspapieren festgehalten.[8] Wirkung ausgewĂ€hlter Beschlusstexte:

  • „Unsere Hoffnung. Ein Bekenntnis zum Glauben in dieser Zeit“: Der Text des Fundamentaltheologen Johann Baptist Metz (1928–2019) ist bis heute (2021) nur ein zitierter theologischer Entwurf.
  • „Der Religionsunterricht in der Schule“: Der religionspĂ€dagogische Text begrĂŒndete den Religionsunterricht theologisch und schulpĂ€dagogisch. Er machte die Erfahrungen der SchĂŒler zum Ausgangspunkt des Unterrichts.
  • „Die Beteiligung der Laien an der VerkĂŒndigung“: Dieser Beschluss wurde in der Auseinandersetzung mit Rom massiv beschnitten. Ein dabei entstandener Spielraum wurde mit dem Kirchenrecht von 1983 wieder geschlossen.
  • „Ziele und Aufgaben kirchlicher Jugendarbeit“: Dieser Beschluss systematisierte bereits bestehende AnsĂ€tze wie z. B. die diakonische Dimension der Jugendarbeit oder das Konzept des „personalen Angebots“.
  • „Christlich gelebte Ehe und Familie“: Die Bedeutungslosigkeit der kirchlichen Lehre in Fragen von SexualitĂ€t und Beziehung konnte dieser umstrittene Beschluss nicht ĂŒberwinden. Er hob jedoch die Bedeutung des Gewissens hervor und stĂ€rkte eine pastoral-solidarische Haltung gegenĂŒber einer moralisch-verurteilenden.
  • „Die pastoralen Dienste in der Gemeinde“: Er markierte Leitlinien fĂŒr den Berufe des Pastoralreferenten und thematisierte auch heikle Themen wie das Diakonat der Frau.
  • „Verantwortung des ganzen Gottesvolkes fĂŒr die Sendung der Kirche“: Er ordnete die Strukturen der Mitverantwortung (RĂ€te) auf verschiedenen Ebenen. Die Gemeinsame Konferenz von DBK und ZDK wurde eingerichtet.

Einzelne Sachkommissionen verabschiedeten sechs Arbeitspapiere:

  • Das katechetische Wirken der Kirche
  • Die Not der Gegenwart und der Dienst der Kirche
  • Sinn und Gestaltung menschlicher SexualitĂ€t
  • Aufgaben der Kirche in Staat und Gesellschaft
  • Kirche und gesellschaftliche Kommunikation
  • Deutsches Pastoralinstitut

Die Synode war mehr als eine Episode in der deutschen Kirchengeschichte, es wurden entscheidende Weichen fĂŒr die Zukunft gestellt. Sie hat einen neuen Stil des kirchlichen Regierens gebracht.[9] Nach Ansicht von Zeitzeugen lag der Ertrag der Gemeinsamen Synode nicht nur in den BeschlĂŒssen, sondern vor allem auch in der EinĂŒbung offener Kommunikation und den damit verbundenen Austausch- und Erfahrungsprozessen. Kritiker warfen der Synode vor, ĂŒber die Köpfe der GlĂ€ubigen hinweg- und an den Interessen der Gemeinden vorbeizugehen. Diese Kritik spiegelte sich im relativ frĂŒh nachlassenden Interesse der Öffentlichkeit an der Synode.[10]

Einzelnachweise

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  1. ↑ siehe Literatur: Manfred Plate
  2. ↑ 50 Jahre Wiener Diözesansynode
  3. ↑ Text von Stefan Voges. Die Initiative von Tenhumberg hat er in einem seiner anderen Texte beschrieben.
  4. ↑ siehe Plate, S. 12 ff
  5. ↑ Klaus Wittstadt: Kirche und Staat im 20. Jahrhundert. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt WĂŒrzburg. 4 BĂ€nde, Band I–III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 453–478 und 1304 f., hier: S. 470–475 (Erneuerung im Geiste des II. Vatikanischen Konzils – Bischof Josef Stangl). S. 473 f.
  6. ↑ Verlauf und Abstimmungen der Synode
  7. ↑ siehe Plate, S. 6
  8. ↑ Verlauf und Ergebnisse
  9. ↑ siehe Plate, S. 45
  10. ↑ Ergebnisse