JJ

Thomas Wunderlich/Hitradio Ö3

JJ – Von der Staatsoper in den ESC-Zirkus

Ein 23jähriger Opernsänger aus Wien gibt im Mai ein ganz besonderes Gastspiel in der Schweiz: JJ vertritt Österreich beim Eurovision Song Contest in Basel. Ein Countertenor, dessen Gesang in höchsten Tönen gelobt wird.

„Wenn ich noch höher singe, dann hören mich nur noch Hunde“, hat Queen-Drummer Roger Taylor einst gemeint, als er den Galileo-Part für „Bohemian Rhapsody“ eingesungen hat. Der Countertenor Johannes Pietsch, wie JJ im bürgerlichen Namen heißt, ist stimmlich in einer ähnlich riskanten Range unterwegs. Da er aber aufgrund seiner Opernausbildung verlässlich jeden Ton trifft, wird so schnell niemand aufjaulen.

Mit welchem Song JJ im zweiten Semifinale am 15. Mai in der St. Jakobshalle in Basel antreten wird, ist noch geheim. Anfang März will er im Ö3-Wecker die Katze aus dem Sack und auf die Hunde los lassen. Geschrieben hat den Song Teya, vom Duo Teya & Salena, das Österreich 2023 beim ESC in Liverpool vertreten hat, und mit „Who the Hell is Edgar?“ den respektablen 15. Platz erreicht hat.

JJ mit Philipp Hansa und Gabi Hiller

Thomas Wunderlich/Hitradio Ö3

Das ganze Ö3-Interview mit JJ gibt es auf ORF Sound zum Nachhören.

„Der Song wird cooler sein als ich“, lacht JJ beim Vorstellungsgespräch bei Gabi Hiller und Philip Hansa im Ö3-Wecker. Er kombiniert beide Welten, in denen er aufgewachsen ist: Pop und Klassik. Operatic Pop also, auch Popera genannt, mit Streichern und Chor, wie ihn etwa Josh Groban oder Il Divo machen. Das könnte genau den exaltierten Geschmack der ESC-Fans treffen. Keine ungeschickte Wahl. Nur vielleicht ein Jahr zu spät. Weil Nemo hat ja schließlich schon voriges Jahr gewonnen.

Diese Woche hat Johannes Pietsch bei der umjubelten Premiere von „Die Zauberflöte“ in der Wiener Staatsoper mitgewirkt. Er ist der erste der Drei Knaben und als solcher ziemlich geflasht, dass er an so einem renommierten Opernhaus mit den besten Sängern der Welt auftreten darf. „Ich mache jeden Tag mindestens drei Stunden Gesangstraining“, sagt er über seinen klassischen Bildungsweg. Und er studiert an der Musik- und Kunst-Privatuniversität der Stadt Wien.

JJ

Thomas Wunderlich/Hitradio Ö3

JJ, der einen österreichisch-philippinischen Background und lange in Dubai gelebt hat, kann aber auch Pop. 2021 hat er bei der fünften Starmania-Staffel mitgemacht und es bis in die erste Finalshow geschafft. Seinen Spitznamen JJ, den er jetzt auch als Künstlername verwendet, haben ihm seine Schulfreunde verpasst, weil Hansi ihnen nicht ganz so cool erschienen ist. Wobei man als Hansi in diesem Land durchaus auch große Popkarrieren etablieren kann. Siehe Hansi Hölzel, Hansi Lang oder Hansi Dujmic.

Seit Conchita 2014 gewonnen hat, schaut JJ jedes Jahr mit seiner Familie fasziniert den Song Contest. Das wird richtig zelebriert, mit großem Essen und Viewing-Party. Das Essen fällt heuer aus, die Party aber nicht, weil Mama, Papa, Opa und die beiden Geschwister in Basel live dabei sein werden. „Ich will dort einfach eine Fetzengaudi haben“, sagt JJ im Ö3-Wecker, „wenn ich gewinne, wäre das natürlich ein Traum, wenn nicht, dann bleibt mir die Freude darüber, dass ich die Ehre hatte, Österreich vertreten zu dürfen.“ Sehr sympathisch. Statt große Töne zu spucken, singt er lieber souverän die hohen Töne.

Hier kannst du hören, wie JJ klingt - wir haben da eine kleine Song-Challenge mit ihm gemacht ;)

Song Contest
Clemens Stadlbauer

Milenko Badzic

Ö3-Reporter Clemens Stadlbauer

Aus der Ö3-Musikredaktion...

Ö3-Reporter Clemens Stadlbauer berichtet hier regelmäßig über aktuelle Trends und News aus der Musikwelt. Neben seiner Arbeit bei Ö3 hat er fünf Bücher veröffentlicht, darunter den Bestseller „Quotenkiller“. Stadlbauer ist verheiratet und Vater einer Tochter.

Dieser Beitrag begleitet die Sendung „Ö3-Wecker“, 30. Jänner 2025