Lorenz, Wilhelm

Lebensdaten
1842 – 1926
Geburtsort
Gesecke (Westfalen)
Sterbeort
Karlsruhe
Beruf/Funktion
Munitions- und Maschinenfabrikant ; Konstrukteur ; Unternehmer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 132591189 | GND-Explorer | OGND | VIAF
Namensvarianten

  • Lorenz, Wilhelm

Vernetzte Angebote

VerknĂŒpfungen

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker BegrÀbnisort BegrÀbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stĂ€rker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Lorenz, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd132591189.html#indexcontent [06.11.2026].

CC0

  • Lorenz, Wilhelm

    Munitions- und Maschinenfabrikant, Konstrukteur, * 15.10.1842 Gesecke (Westfalen), † 29.8.1926 Karlsruhe. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Joh. August (ca. 1807–55), Feldwebel, dann Gerichtsschreiber in G., seit 1854 in Arnsberg, S d. BlechschlĂ€gers Johannes in Lippstadt;
    M Maria Eva van Gerfson (1806–60) aus Duisburg;
    ⚭ Hannover 1873 Friederike Emilie (ca. 1854–81), T d. Papierwarenkaufm. Friedrich Christian Ludwig Lehne in Braunschweig;
    2 S, 1 T.

  • Biographie

    Wegen des frĂŒhen Todes der Eltern mußte L. den Besuch des Gymnasiums abbrechen. Nach einer Schmiedelehre arbeitete er zunĂ€chst in Hagen in der Schraubenfabrik und Gesenkschmiede von Funcke & Hueck, dann in Berlin, in einer Bielefelder Spinnerei und schließlich seit 1870 in der ZĂŒndkapselfabrik von Georg Egestorff in Hannover, wo er Maschinen und Werkzeuge einer Munitionsfabrik kennenlernte. 1875 trat er bei der Patronenfabrik Henry Ehrmann & Co. in Karlsruhe die Stelle eines Ingenieurs an, wurde bald GeschĂ€ftsfĂŒhrer und Prokurist und ĂŒbernahm, mit UnterstĂŒtzung des Karlsruher Bankiers Robert Koelle, das Unternehmen 1878 selbst. Unter dem Namen „Deutsche Metallpatronenfabrik Lorenz“ baute er es betriebsorganisatorisch und fabrikationstechnisch zu einem BranchenfĂŒhrer aus. Von der Fabrikation von PatronenhĂŒlsen ging er zur Herstellung von Munition fĂŒr Schnellfeuergewehre und schwere GeschĂŒtze ĂŒber. Seit 1885 produzierte er auch die fĂŒr die Munitionsherstellung erforderlichen Maschinen und Werkzeuge nach eigenen Patenten (HĂ€rteverfahren, Kupplungen etc.) fĂŒr Spezialunternehmen und MilitĂ€rbehörden des In- und Auslandes. Dabei arbeitete er eng mit der Gewehrfabrik Gebr. Mauser, Oberndorf, seit 1878 mit der Firma Krupp in Essen sowie mit Unternehmen in Österreich, Italien, England, Portugal, der TĂŒrkei, China und Japan zusammen. Wegen ihrer wachsenden Bedeutung wurde die Maschinenbauabteilung 1883 als „Maschinenfabrik Lorenz Karlsruhe“ verselbstĂ€ndigt. Im Ausland errichtete L. komplette Munitionsfabriken neu und gewann durch Lizenzproduktion (Österreich, Italien, England) oder MonopolvertrĂ€ge (u. a. in Frankreich) Einfluß auf die Munitionsherstellung in diesen Staaten. An einem Höhepunkt der AufwĂ€rtsentwicklung seiner Firmen, die zu dieser Zeit 4-500 BeschĂ€ftigte hatten, entschloß sich L. 1889 zum Verkauf der Munitions- und Maschinenbaubetriebe einschließlich aller Patente und Rechte an ein Konsortium, das von dem Berliner Industriellen Isidor Loewe (Ludwig Loewe & Co.) gefĂŒhrt wurde und hinter dem u. a. der Rottweiler Pulverfabrikant Max Duttenhofer stand. Der Kaufpreis betrug 6 Mill. Mark. Das Unternehmen wurde in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, deren Aufsichtsrat L. ohne eigene Kapitalbeteiligung noch kurze Zeit angehörte, bis er sich nach Differenzen 1889 ganz zurĂŒckzog.

    L.s Hauptinteresse galt dem Konstruktionswesen. 1888 hatte er Gottlieb Daimler kennengelernt und noch im selben Jahr im Garten seines Karlsruher Hauses eine MotorenwerkstĂ€tte eingerichtet, in der er selbst konstruierte. 1889 wurde die GrĂŒndung der „Daimler Motorenwerke Ettlingen“ geplant, in welche Daimlers Canstatter Werkstatt verlegt werden sollte; L. war als Betriebsleiter vorgesehen. Das Projekt scheiterte aber an der unterschiedlichen Interessenlage der Beteiligten. L. und Duttenhofer strebten eine gewinnbringende Produktion an, Daimler suchte vor allem finanzielle UnterstĂŒtzung fĂŒr die Fortsetzung seiner Entwicklungsarbeiten. In der 1890 gegrĂŒndeten „Daimler Motoren Gesellschaft“ (DMG) war L. nach Daimler grĂ¶ĂŸter AktionĂ€r. 1890 erwarb er in Ettlingen eine Blechwarenfabrik, die er 1891 zur „Metallwarenfabrik Lorenz“ (seit 1893 „Maschinenfabrik Lorenz“, als die sie – seit 1921 AG – bis heute firmiert) ausbaute. Das heute noch bestehende FabrikgebĂ€ude, architektonisch als „Kirche der Arbeit“ konzipiert, wurde 1897 errichtet. Hergestellt und erfolgreich vertrieben wurden verschiedene Arten von Werkzeugmaschinen sowie GerĂ€te zur SchĂ€dlingsbekĂ€mpfung, wĂ€hrend die in einer Abteilung des Unternehmens konstruierten Daimler-Motoren als zu kompliziert galten. Die AktionĂ€re der DMG, Daimler einerseits|und L. mit Duttenhofer andererseits, hatten untereinander hĂ€ufig ein gespanntes VerhĂ€ltnis. Die Investitionsentscheidungen der letzteren wurden erst unter dem Eindruck der Erfolge von Daimlers Motoren in Frankreich – in einer Zeit (1893–95), als Daimler vorĂŒbergehend aus der DMG ausgeschieden war – in eine technologisch zukunftsweisende Richtung gelenkt. Doch hat L., abgesehen von seiner Bedeutung als wichtigster MitaktionĂ€r, auch BeitrĂ€ge zur technischen Verbesserung des Automobils (Lenkung, Getriebe) geleistet, an dessen Zukunft er immer glaubte, wĂ€hrend er Zeppelins Luftschiffen skeptisch gegenĂŒberstand. 1890-1926 war er Mitglied des Aufsichtsrats der DMG, 1899-1903 stellvertretender Vorsitzender und danach bis 1909 Vorsitzender. In den folgenden Jahren zog er sich allmĂ€hlich von der unternehmerischen TĂ€tigkeit zurĂŒck. Seit 1971 gehört die Maschinenfabrik Lorenz zur schweizer. Maag-ZahnrĂ€der AG|

  • Auszeichnungen

    Dr.-Ing. E. h. (TH Karlsruhe 1910);
    Dr. med. h. c. (Heidelberg);
    EhrenbĂŒrger v. Ettlingen;
    GKR.

  • Literatur

    VDI-Zs. 71, 1927, S. 932;
    P. Siebertz, Gottlieb Daimler, 1939, ⁎1950;
    F. Haßler u. A. Biehl, 50 J. Dt. Waffen- u. Munitionsfabriken AG, 1939 (P);
    60 J.Lorenz-Maschinen, 1890–1950, 1950 (P);
    W. Raupp, Marksteine d. Fabrikgesch., W. L. u. s. Werk, in: der Lorenz-Kreis 1/2, 1953/54;
    F. Sass, Gesch. d. Verbrennungsmotorenbaus in Dtld., 1962;
    P. H. Stemmermann, W. L., s. Ettlinger Werk u. d. Daimler-Motoren-Gesellschaft, in: Oberrhein. Studien II, 1973;
    R. Hanf, Im Spannungsfeld zwischen Technik u. Markt, Zielkonflikte b. d. Daimler-Motoren-Gesellschaft im ersten Dezennium ihes Bestehens, 1980 (P).

  • Autor/in

    Hermann SchÀfer
  • Zitierweise

    SchÀfer, Hermann, "Lorenz, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 179 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd132591189.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA