Dieter Schlesak GEDICHTE IN MEINEM SIEBENBĂRGISCHEN DIALEKT
Was durch uns ging
war in uns nicht
enthalten
und was wir
werden sollten
kam nicht darauf
an
Die Messen die du
vorschlugst waren etwas
das ich nicht kannte
und meine Messen
kamen nur am Marktplatz an
Der Clown war da
und schlug die
PurzelbÀume
Watt durch aas
geng
Wor Àn aas nett
enthalden
Und watt mir
werden suhlen
Kam nett deraf un
De Meessen dÀ tea
vurschlachst woren Àst
Daat ech net
kaennt
Und menj Meessen
kam nor um Morktplatz un
Der Clown wor hÀ
Und schlech senj
Purzelbuum
Die Ohrfeig die
bekam dann niemand mehr
und ahnte nur
dass sich am Oh
vorbei die
SchlÀge kannten
De Ihrfech dÀ
bekam dron nemest mie
Doch in den
HĂ€nden gab es keine Zeichen mehr...
Und ahnt nor datt sich um Iihr
VerbÀ de SchlÀÀch kaonnten
Wenn Dinge sich
an Ordnung halten
die hier voran
geht
und mich sauber
hÀlt
(die Verse
gewaschen wie der Tag
mit Sinn)
dann ist mir eng
ein Teil
der sich zur
Schranke zÀhlt
die zugeht wenn
die Zahl vergeht
Wonn Danj sich
droon un Ihrdnung haolden
DÀ hÀ verun gieht
Und mech suuwer
hÀlt
( de Wersch
geweeschen wÀ der Daoch
MĂ€t SĂ€nn)
Dron Às mer oanj
en Diel
Die sech zer
Schraonk zielt
DĂ€ zagieht wonn
de Zohl vergiet
Das Schwergewicht
das manchmal ĂŒberschĂ€umt
ist anmutig beim
Tanz mit blÀulichen Menhiren
die voll bis an
den Rand der schieren KopfstÀnde
das Einmaleins
erhalten kann
mit eingeschleppt
banalen Alltags-Viren.
Det Schwergewicht
dat munchmohl iwerschÀmmt
Ăs dintzerösch beim Danz mĂ€t blohlichen Menihren
DÀ vooll bÀs un
den Rand der scheren Hieftstaand
Det Ihmohlient
erhalden kaonn
MÀt Àgeschlaapt
banalen Aolldachsviren.
Det
Schweergewicht daot munchmohl iwerschwÀmmt
III
Es hÀlt sich auf
Es hellt sich auf
bei Nacht ist alles
kĂŒrbisklar
und blĂŒht und
blĂŒht so hell
bis wir die
NiemandslÀnder
ĂŒberall erkennen
können
Et hellt sich
af
Et hÀllt sich af
BÀ Noocht Às
alles kerbeskloor
Und blÀht
esi hÀll
BĂ€s mer de
NemestlÀnder
Iwerall erkennen
kennen.
Die Steigerung
vom Vater Land zum Mutter Land
ins Niemandsland.
De Stiejerung vum
Vother Land zem Mother Land
Ănd Nemestland
*
Es wird ein Wesen
sein
es wird ein Stein
sein
und alles wieder gut
Et wird en Wiesen
senj
Et wird en Stien
senj
Uch alles wedder
gaat.
Es wird ein Wesen
sein
es wird ein Stein
sein
bis dass der Herr
bis dass des Himmels Wasser groĂe
Landschaft dann bei Nirgends
ĂŒber mir sich
auftut.
Et wird en Wiesen
senj
Et wird en Stien
senj
BĂ€s daot der HĂ€rr
BĂ€s daot des Hemmels Waosser
griesz
Landscheft drohn bÀ NÀckestwo
Iwer mir
sech afdieet.
Die Stimme
zerbrochen
die kleine Angst
sitzt
gleich links an
der Brustwarze
es klingt hohl
wenn ich
meine
Wirklichkeit abklopfe
Das Herz geht
weiter
weit von mir
entfernt
Es ist nicht was
ich sein könnte
De StÀmm
zerbroochen
De klien Aongst
sÀtzt
Glech lÀnks un
der Brastwoorz
Et klanjt hohl
wonn ech
Menj Wirklichket
oowkloopen
Det HĂ€rz gieht
wetter
Wegt vun mir
entfernt
Et Às net watt
ech senj keent
Die Stimme
zerbrochen
wer ist schuld
daran
De StÀmm
zerbroochen
Wie Às schuld
derun.
Der Fuhrmann
bringt keine
Pflastersteine
mehr in den Hof
der Fuhrmann ist
durch mich gestorben
Wie soll ich nun
gehen
wie soll ich
sprechen?
Der Fahrmaan broanjt
nichen
Pflasterstien mie
Ă€n den Hoof
Der Fahrmaan Às
durch mech gestorwen
WĂ€ saohl ech na
gohn
WĂ€ saohl ech nah spreechen?
Du bist es wieder die mich rief
was soll ich hier
mit dir
wo alles tief am
Grunde
schon / und nicht
mehr ist
weil ich nicht
bin
Mein Wort
geschickt im Okzident
geht langsam vor
die Hunde.
Tea bÀst et
wedder dÀ mech reff
Watt saol ech hÀ
mÀt dir
Woo aolles deff
Ă€m Grangt
Schien Às/ uch
nemmi Às
Well ech net bÀn
Menj Wurt
geschÀckt Àm Okzident
Gieht laonzem vur
de Hangt,
*
Wie ĂŒberqueren
wir uns
Hier lÀsst sich
nichts finden
Nichts auffinden
nur die lichte Quere
wo wir ohne
Hundeworte
wie Kapital und
sozial
medial und mental
rektal und ideal
nicht
auskommen
könnten.
WĂ€ iwerquieren
mir aas
HĂ€ lesst sich
nÀst faongden
NĂ€st affanjden
nor de lÀcht Quere
Wo mer ohne
Heangdwierter
WĂ€ kapital uch
sozial
Medial uch mental
Rektal uch ideal
net
Auskun kennen.
AUSGEWĂHLTE GEDICHTE
1968-2013
Mit Ăbersetzung
ins SiebenbĂŒrgisch-SĂ€chsische
I LYRIKARCHĂOLOGIE.
Gedichte
aus den siebziger Jahren
Gedichter aus den siwenzijer Johren
Gedichter aus den siwenzijer Johren
Ich entdeckte sie
wieder in meinen alten TagebĂŒchern. Und diese Exilgedichte nach dem ersten
Schock und meiner Flucht aus Deutschland nach Italien, schienen mir eine
RaritÀt in meinem Werk zu sein. Schon damals schrieb ich es so auf:
“Sie haben eine
tragische MoralitĂ€t in sich (Ethos) – also eine uneinlösbare und
unmögliche Sehnsucht nach jenem Ort,
wohin wir hin gehören. Und sie leben so, als
gÀbe es tatsÀchlich noch etwas,
woran es sich, auch in dieser unertrÀglichen Leere des Aus-Gewiesenen, noch
glauben lieĂe, weil sie ihm ihre unverlorene Erinnerung vorspielen.
Ech entdaakt se
wedder Àn menjen alden DaochbÀchern. Und des Exilgedichter noh dem irschten
Schock und der Fleacht aus Detschland noh Italien, aolles kam mer fuhr alz wer
et en RaritĂ€t Ă€n menjem Werk. Schien damolz schriw ech et esi af: „Se hun en tragesch MoraliĂ€t Ă€n sech (Ethos)
– alsi en netĂ€nliesbor uch amöglich
Siehnsucht noh genem Uurt, wor mer
gehieren. Und se liewen esi alz ow et totsÀchlich noch Àst giewen werd , worun
et sich, uch Àn deser anerdrÀchlichen LÀdichket des Ausgewisensenjs em noch
gliewen keent, well se mer averlierbor ErÀnnerung vurspillen.
Lass mich ein,
hier kommst du nicht mehr raus, du trÀgst den Absatz mitten auf der Stirn.
Die Frage lÀsst
sich sehr genau abzÀhlen, wie jenen
Reim, den ich auf dein GedĂ€chtnis mach.”
1974
Loss mech Ànnen
kun, hÀ kist tea nemmi eraus, tea driehst den Awsatz mÀtten af der Stern. De
Frooch less sich gena afzielen, wÀ den
Reim, den ech af denj GedÀchtnes mauchen.
ES GEHT ZU ENDE WAS BISHER WAR,
und die Stimmen sind fern wie morgens um
fĂŒnf,
wir werden uns nie mehr wiedersehen,
wir werden vergessen.
Man siehts an der Luft, an den Augen der
Leute,
ĂŒberall rollen sie die Erinnerungen ein,
heut sah ich Fotos der siebziger Jahre, da
waren
wir jung und alles schien offen,
du stiegst in den fahrenden Zug,
der kam nie an,
und fuhr ab nur zum Schein.
ET GIEHT ZE ANJD WAT BĂSHIER WOR,
und de StÀmmen klanjen fern wÀ um Morjen
Ă€m fauw,
mer werden es nÀkest mie weddersÀhn,
mer werden vergeessen.
Em seht et
un der Lafft, un den Uuchen der Legt
Iwerall rolle se de ErÀnnerungen Àn,
hegt saoh ech Fotos der siwenzijer Johr, do woren
mer jang und aolles schien oofen.
Tea stichst Àn den fohrenden Zach Àn,
die kam nÀckes mie un,
und
dampft ow nor zem Schenj.
Alt sind unsere GefĂŒhle geworden.
Und oft ist es kalt und du spĂŒrst nur
Gewohnheit,
als wĂ€re ĂŒber den Augen ein Schleier,
und wir gehen mit Abwesendem um.
In allem spĂŒr ich schon das Vergessen,
und die Leute sehn mich gar nicht mehr an;
so denk ich: vielleicht bin ich plötzlich
gestorben
und hab`s nicht bemerkt, bin unsichtbar
geworden.
Aolt senj aas GefÀhler gewaorden
Und oft Às et kaolt und tea spirst nor
Gewunhiet,
alz wer iwer aasen Uuchgen en Schleier
und mer gon nor mÀt Oofwiesendem Àm.
Ăn allem spieren ech schien det Vergeessen,
und de Legt sÀn mech gor nemi un;
ech dinken, viellecht bÀn ech plötzlich
gestorwen
und hun et net bemerkt, bÀn nor asichtbor
geworden.
Es ist nicht nur die Liebe die jetzt
vergeht,
es ist nicht nur Eiszeit der Sinne, es
liegt
ein Stillstand um uns in der Luft, der uns
Angst macht
und uns den Atem verschlÀgt.
Et Às net nor de LÀw dÀ na vergieht,
et Às net nor Eiszegt der SÀnn, et laot
en StÀllstand Àm aas Àn der Lafft, die aas
Aongst macht
und aas den Odem verschlieht.
Denn es geht zu Ende was bisher war,
und die Stimmen sind fern wie morgens um
fĂŒnf,
wir werden uns nicht mehr wiedersehen,
wir werden vergessen am Leben zu
sein.
Denn et gieht zu
Aenjt watt bÀshier wor,
und de StÀmmen
senj fern wie um Morjen Àm fauw,
mer werden as
nemmi weddersÀhn
mer werden
vergeessen um Liewen ze senj.
Ostwest Flug.
Ein Ende
Ostewestfleach,
En Aonjt
In der Boing mit
den Vögeln
aus gesetzt
ausersehen
als ob es sich
erkennen lieĂe
was im Flug
zurĂŒck bleibt
im Vergehen
Ăn der Boing mĂ€t den Vijeln
Ausgesaatzt
ausersÀhn
Alz of et sech
erkennen lossen wird
Wat Àm Fleach
zerÀck bleiwt
Ăm Vergohn-
Und lassen die
RĂŒckkehr
irreversibel /
als zweiten Satz
der Thermodynamik ein Nie spielen
dass niemand mehr
an der Luke
etwas verspricht
beim gewohnten hinaus Sehen
bei Zeitung und
Kaffee.
Und lossen de
RĂ€kkiehr
Irreversibel/ alz
zweeten Satz
Der Thermodynamik
en NĂ€ckest spillen
Datt nemest
mie un der Luk
Ăs versprĂ€cht bĂ€m
gewunten EnaussÀhn
BĂ€ Zedung uch
Kaffee.
Wo hast du dich
hinausgestreut
ohne Kampf ohne
Freud
ĂŒber alle deine
Sinne hinaus
in die Luft
und ziemlich an
deiner Schwere vorbei
ohne dich blass
als Toten zu sehn.
Die können ja
alle in den Himmeln
gut fliegen.
Wo hoost tea dech
noh aussen gestraout
Ohne Kampf ohne
Froad
Iwer all denj
SĂ€nn ewech
Ăn de Lafft
Und zemlich un
denjer Schwer verbÀ
Ohne dech blass
alz Dieden ze sÀhn
DĂ€ kennen jo
alle gaat Àn den Hemml Flejen.
Wo lÀsst du
dich liegen
mit Kind und
Kegel
zu FuĂ ĂŒber alle
Berge gegangen
und doch immer
wieder zurĂŒck
nie von der
Stelle bewegt
wie das RĂ€tsel
das mir die Binde hÀlt
vor Augen der
Berg
und du bist ja
HinĂŒber...
Wo lesst tea dech
lauen
MĂ€t KĂ€njd uch
Kiejel
Ze Foss iwer alle
BĂ€rch gegangen
Und doch Ànjden
wedder zerÀck
NÀckest vun der stÀll
bewiecht
WĂ€ det RĂ€tsel
daat mer de Banjd hÀlt
Vur Uuchen der
BĂ€rch
Und tea bÀst joh
henniwer
Bei lÀngst
Vergangenem so auch:
krank wie ich
meine?
Die Frage hÀlt
sich fest an dein Wort
Kind ohne Laube
jetzt wurde
dein
Herkommen fertig gemacht
und sag wann hast
du den Boden
sicher und
fuĂfrei noch vor
Im Klingen des
Nie.
BÀ lÀngst
Vergangenem si uch
Krank wÀ ech
mienen?
De Froch hÀlt
sich fest un denj Wuurd
KĂ€njd ohne Lauw
Na woord
Denj Hierkunft fertich
gemaocht
Und soh wonni
host tea den Badden
SĂ€cher uch
fessfroah nooch vuur
Ăm Klanjen des
NĂ€ckestmiewedder.
Der Anfang wie
er sich immer verfing
Aus Ahnentafeln
gebaut
und Hakenkreuzen
kam die Welt auf
mich zu
und lieĂ mich
teilhaben
am Ticken der
leisen der deutsch
vergoldeten
Bomben
Der Ufang wÀ e
sich Ànjden verfeng
Aus Ahnentoofeln
gebaat
Und aus
Hackenkretzen
Si kam de WĂ€lt af
mech za
Und less mech
dielhun
Um Ticken der
liesen der detsch
Verguldeten
Bomben
Die Schuljahre
waren voller Bilder
und durchzogen
von schwarzen Böden
und deutsche
Eichen in mir und so
zu sich gekommen
in gotischer
Schrift
MĂŒcken kamen auf
die Oberlippe
und alle Wege
sammelten sich als Scheitel
so gerade war
diese Welt
dass sich andere
Gedanken wie
StreichholzgroĂmĂŒtter
verkrĂŒmmen
De Schieljohr
woren vuller Belder
Und durchzuchgen
vun schwarzen Bedden
und deutsche
Eichen in mir und so
zu sich gekommen
in gotischer
Schrift
Uch detsch Iichen
Ă€n mir
Und esi za sech
gekun
Ăn gotescher
SchrÀft
MĂ€cken kamen af
de IwerlÀpp
Und alle Wiech summelten
sech alz Scheitel
Datt sech ander
Gedanken wÀ
Fackelchengrissmetter
krÀmmem
Im Kopf begann
die ernste Leere
groĂ
zu wachsen.
Ăm Hievt feng
un de ernst Ledichket
Griesz
ze woossen.
Elegie bei
Magdalenas Ausreise
Elegie bÀ der Ausries
vun Magdalena
Der Postbote
bringt dich nie wieder
es werden andere
Marken auf den Briefen kleben
kein Zeuge mehr
erkennt dort unsere Zeiten
die nur nach
innen offen
dort geblieben
sind
Doch uns gibt es
nicht mehr
Der BrÀfdrÀjer branjd
dech nÀckest mie wedder
Et werden aonder
BrÀfmarken af den BrÀfen kliewen
Und nichen Zech
mie erkennt do aas Zegden
DÀ nor no Ànnen
oofen
Derhiem gebliwen
senj
Doch aas git et
nemmie
Es ist als ob es
auch ArgeĆ nicht mehr gĂ€be
und wie ein
ĂbermaĂ an RĂŒckzug
deine letzte
Reise wÀre
Die nicht mehr
anhÀlt
Et Às alz ow et
uch ArgeĆ nemmi gĂ€w
Und wÀ en
Iwwermoosz un RĂ€ckzach
Denj leetzt Ries
wer
DÀ nemmi unhÀlt
Wir sind weit weg
von uns gezogen
einen Steinwurf
weit
der uns getötet
hat.
Mir senj fÀr eweech
Vun aas ewech
geziejen
Ennen Stien geschmessen fÀr
Die aas
Ă€mgebroocht hoot
Ich möchte
unsere Sprache wieder
haben sie lebt
sehr nah und
sie ist gut
Ech möcht aas
Sprooch wedder
Hun se liewt
siehr noh und
Se Às gaat
Denn diese hier
sie trennt uns nur
wie könnt ich dir
in diesen fremden Zeichen
in ungesprochenen
Lauten
etwas sagen
was hier in
dieser Sprache eines fremden Landes
nicht sein darf
wie zu Haus.
Denn des hÀ se
trennt aas nor
WĂ€ kehnt ech dir
Ă€n desen fremden Ziechen
Ăn agesprochenen
Lokten
Noch Àst sohn
Wat hÀ Àn deser
Sproch ennes fremden Laondes
Net senj terf wÀ
Derhiem.
Vielleicht ist es
zu einfach
wenn ich dir
“Feste” sage sĂŁrbĂŁtori
und dragĂŁdragĂŁ
liegt so tief am
Grund.
Es liegt am Boden
was ich fĂŒhlen
kann.
Viellecht Às et ze
iifaoch
Wonn ech dir
„Feste“ sohn uch sĂŁrbĂŁtori
Uch dragĂŁdragĂŁ
Se Laoun si deff Àm Greangt
Und laoun um
Badden
Wat ech fÀhlen
kaon.
1968. Aus
Reise
1968. Aus Ries
Was habt ihr mit
meinen Augen gemacht.
Sie gehen nicht
ĂŒber, sie finden mich kaum,
sie liegen im Eis
im verdunkelten Raum,
lacht, lacht, -
was
habt ihr mit
meinen Augen gemacht..
Watt hutt ir mÀt
menjen Uchgen gemaocht
Se gohn net iwer,
se fangden mech komm,
se laun Àm Eis Àm
verdankelten Romm,
laocht, laocht, -
watt
hutt er mÀt
menjen Uchgen gemaocht
*
Du sagest mir,
ein Haus sei
keine Rose,
und auf dem
Dachfirst ginge Jeder
ĂŒber dich hinweg.
Du sahest keine
Ringe, nichts
vor lauter
blinden Augen
und Abaelard
sei wieder einmal tot.
Tea hast mir
gesoht,
det Hauos wer
nichen Ries,
und af dem
Daochfirst wird e jeder
iwer dech
ewechgohn.
Tea werst nichen
Ranj sÀhn, nÀst
Vur lokter blainden
Uchgen
Und Abaelard
Wer wedder iimol
diet.
Das weiĂe
Brautkleid schien -
auf deinem Bett
zu liegen.
Da wars ein alter
Schirm
und dann ein
Totenhemd.
Det weiss
Broktklied schien –
Af denjem BÀÀd ze
lauoen,
dro wor et en alt
Reenescherm
und dron en
Diedenhemd
*
Wir sind uns
selbst entlaufen
an der Hand
nicht mehr.
Abwesend geht ein
Mund am anderen auf
wenn nachts ein
halber Atem
rĂŒckkehrt –
zeitlos
Mir senj aas
sÀlwst entluufen
Un der Haond
Nemmie.
Ofwiesend gieht en Mell um anderen
af
Wonn Nochts en halw Oodem
ZerÀckkitt - zegtlies
II
Im Schatten vom Mittelmeer, Schwester
Ăm Schaden vum MĂ€ttelmier, SĂ€ster
Schwester, du
ich weiĂ nicht, was die Fernen sind
in uns,
wir gehen den
Anfang ganz hinauf
bis sich der Mund
am Ende zeigt
Hinabgesang
der weiĂ wie
Nichts den Kopf umsÀumt
SĂ€ster, tea
Ech wiess net
watt de Fernen senj
Ăn aas,
Mir gohn den
Ufang ganz aoffen
BĂ€s sich det Mell
um Anjd doch ziecht
Owengesang
Die wieà wÀ NÀst
det Hiewt Àmsemt
Hale hi Ja
ist Trauer dir
nah
und lach nicht
ĂŒber dein Verweilen
hier
auĂerhalb vom
Mittelmeer
am Strand.
Hale hi chah
Ăs Trauer dir noh
Und lach net iwer
denj Verwellen
HĂ€
AuĂerhalw vum
MĂ€ttelmier
Um Strand-
Wie Wind mir heut
den Mund verbrennt.
Halleluja
die Trauer ist
hier
nah.
WĂ€ WĂ€njt mir hekt
Det Mell verbrÀht
Halleluja
De Troauer Às hÀ
Noh.
HIER, wo wir zu
sein haben,
vorgeben zu sein,
dass wir da sind,
du ohne mich,
ich ohne dich
die Hand
aufgetischt und gehst dann
mit leeren HĂ€nden
das Leben
hinunter
mit mir.
HĂ€, wo mer ze senj hun,
ugin datt mer hÀ senj
tea ohne mech
ech ohnen dech
de Haand afgedÀscht und giest dron
mÀt lÀdijen Haonjden
det Liewen erof
mÀt mir.
FREMDWORT, unvergesslich I
(Plagiat, Du
hattest beinah schon gelebt)
Das ist
hier zu behalten:
Fremdwurt,
avergesslich
(Plagiat, tea
hast faost schien geliewt)
Daat Às
HĂ€ ze behaolden:
Ein Wort darf
nicht vergessen werden.
Ai nimÄnui -
und dir die
Waffen halten,
wenn du vergisst,
wo sich
GedÀchtnis
ĂŒber seinem Sehn
behÀlt,
Und so sein Wort
hÀlt.
En Wurt terf net
vergeessen werden:
Ai nimÄnui -
Und dir de
Waoffen halden,
wonn tea
vergÀsst,
wo sech Gedaachtnes
iwer senjem SĂ€hn
behÀlt
und esi senj
Wurt hÀlt.
FREMDWORT,
unvergesslich II
Tu ce zici was sagst du Jetzt?
Zu sagen wÀr es
hast dir die
Worte einsam
vorgesagt zu Haus
im Fremdwort.
Fremdwurt, avergeesslich
II
Tu ce zici, watt
sost tea nah?
Ze sohn wer et
Host der de
Wierter iinsem
Vurgesoht Derhiem
Ăm Fermdwurt.
Sind fremd wie
aus der Mongolei
und doch zu Hause
vor lauter Fremde
/ freute sich die Silbe
nur an die Wand
gesprochen
hallt es
gibt dich fĂŒr
eine Weile
wieder frei.
Senj fremd wie
aus der Mongolau
Und doch dehiem
Vur lokter Fremd/
fraut sech de Silw
Nur un de Waond
gesproochen
Haollt et
GĂ€w dech vur en
Wellchen
Wedder froa.
*
Nur wenn die SchwÀche uns die Haut abzieht,
und wenn wir mĂŒde
sind
vor lauter Heute
(das sich an diese Stunden
Uhr verkauft).
Sind wir mitunter
auf der hellen Treppe
Mit uns aufwÀrts
Bis unsere FĂŒĂe
wieder auf die Steine fallen.
Nor wonn de
SchwÀch aas de Hokt owzecht,
und wonn mer mÀÀt
senj
vuur lokter Hekt
(dat sech un des Steangden
Uhr verkieft).
Senj mer
mÀtangder af der hÀllen TrÀÀp
MÀt aas afwÀrts
BĂ€s daut aas Fess
wedder af de Stien faollen.
*
An dich hÀlt
und an mich wenn
wir vergehn im Tageslaut
der Dinge
wie sie schelten.
Un dech hÀlt
Und un mech wonn
mir vergohn Àm Dachesluuf
Der Daonj
WĂ€ se mech
auspietzen.
Es ist ein Lied
und das heiĂt
nimÄnui
es lÀsst sich
niemals halten
oder hierher
bringen.
Es springt hinauf
bis an den letzten Schlag
wo es zur Zeit
Hulube trÀgt
die Noahs Arche immer noch
erwartet.
Et Às en Lied
Und daot hiesst
nimÄnui
et lest sech
nÀckest haolden
oder hÀr branjen
aoffen bÀs un den leetzten Schlaoch
wo et zer Zekt
Hulube drieht
dÀ Noahs Arche
Ă€ngden noch
erwort.
Und wir mit ihr
ein RĂŒckwĂ€rts kaum
GerbsÀure deiner
Eichwald Rinde
vergangene Tage /
langsam nun
am Horizont
verschwinden
und wie -
wir hatten einmal
beinah schon
gelebt.
Und mir mÀt Àr en
RÀckwÀrts komm
Gerwseier denjer
IichbÀsch Roainjd
Vergaongen Daach/
laonzem na
Um Horizont
verschwoanjden
Uch wĂ€ –
Mir hadden bÀnoh
schien geliewd.
*
Notiz
Es darf nicht
genau gesagt sein,
was war
sobald sie zur Hand genommen
verwelken die
Bilder der Dinge
Notiz
Et terf net genah
gesoht senj,
wat woor
sibaold se zer Haond
genuun
verwielken de Belder
der Daonj
Ausnahmen gibt
es:
dein kleines
Schamhaar
bittet.
Ich nehme Notiz
vom Bild
das sich noch immer in dir bewegt
und mich bittet.
Ausnohmen git et:
Denj klien
Schomhoor
Bit.
Ech nien Notiz
vum Beld
Daat sech noch
Ànjden Àn dir bewiecht
Und mech bit.
FĂŒr M.C.
Fier M.C.
Von niemandem war
die Rede
von dir
und die Rede sie
ging bergauf
bis zur Talsohle
ging sie
schnitt sich ins
eigene Fleisch
Dissonanzen wĂe
Messer – und du
Vun nemesten wor
de Ried
Vun dir
Und de Ried se
geng berjaf
BĂ€s zer
Tolsiel geng se
Schnegt sech Ànt
iijen Fliesch
Dissonaonzen wÀ
Meesser – und tea.
Wo finde ich dich
/ so sprachlos gemacht
wieder im Grund
ohne Ihn
gottlos gemacht
ein Versagen der Zeit
Ich laufe ihr
nach ohne GrĂŒnde
Wo fanjden ech
dech/ esi sprochliess gemaocht
Wedder Àm Greangt
ohnnen Àn
Gottliess gemaocht
en Versochjer der Zegt
Ech luffen er noh
ohne Greangt
Da drĂŒben stehst
du
ein Antigedicht
in der Helle
die Worte sie
spielen sich auf ohne Grund
und stoppen
verzweifelt und heilig verpufft
Gottvater im
Raketenboot / nur zu Gast
hier auf die
menschliche Schnelle.
Doo dertif
stiehst tea
En Antigedicht Àm
HĂ€llen
De Wierter se
spillen sech af ohne Grjeangt
Und stoppen verzweifelt
und hellich verpufft
Gottvoother Àm
Raketenboot/ nor ze Gaost
HĂ€
af de menschlich Schneell
Messer,
rostfrei
Es lÀsst sich
nicht ausmachen
was in uns
eingeht
denn die
SilbenstrÀnge beginnen zu rosten
Meesser,
roostfroa
Et leesst sich
net ausmaochen
Watt Àn aas Àgieht
Denn de
Silwentranj fehn un ze roosten
Du hast dich
abgesetzt und
ich trage zu dir
trage nur auf
trage den Kopf
nicht mehr hoch
weil sich die
Zeit verflĂŒchtigt
Tea host dech
owgesaatzt und
Ech drohn ze dir
Drohn nor af
Drohn det Hiewt
nemmie hie
Well de Zegt sech
verflichtijt
In mir in dir in
uns
ging sie nicht
mehr in Farben
die KlÀnge sind
mutlos geworden
am Pop entlang
jauchzt nur die
leere Trompete
Ăn mir Ă€n dir Ă€n
aas
Geng se nemmie Àn
Faorwen
De Klaonj senj
maatliess gewoarden
Um Pop entlang
Jochzt nor de lÀdich
Trompeet
zur Eile und
Heile mit Weile
am Storchen
und Wehwut wie
Fall hobst fand
und nur
nach auĂen die
Messer
und Grossen WĂ€gen
glÀnzen so rost
frei.
Zer Ell uch
Hiel mÀt Well zem
Storchen
Uch Weehwut
wÀ
Faoll
Ieepest faond uch nor
No AuĂen de
Meesser
Uch Griess Woogchen
GlÀnzen esi
roost-
Froa.
Köln auf die
Spitze getrieben
Sag wo treffen
wir uns
ohne Punkt ohne
Fest
weit
hergeholt
Köln af de SpÀtz
gedriwen
Soh wo trefÀon
mer aas
Ohne Punkt ohne Fiest
FĂ€r
Hiergehuult
Manche Wörter
sind unbrauchbar
geworden (heiĂt
es!)
alles was uns
aussagen könnte
sagt Nichts
(so heiĂt es)
Munch Wierter
senj abrochbor
Gewarden (hieĂt
et!)
Aolles watt aas
aussohn kehnt
Sooht nor NĂ€st
(si hiesst et).
Wohin mit dm
Blinken
dem dunkeln jener
Gewohnheit der Tiere
und SphÀren
wenn die
Flugzeuge tot sind
Woor gohn mÀt dem
BlÀnken
Der deanklen
Gewunnhiet der
GedÀrer uch der Spheren
Wonn de Flachzech
diet senj
Wohin ohne Worte
fĂŒr uns
nur fĂŒr sie
die gewissen
Worte
die Fremdworte /
reich
an Metalle
geklebt
metallisch und
mĂŒllreich
verschnĂŒrt
in Paperbacks reich an
Umweg ohne
Einstieg
mĂŒhsam im
Gleichgewicht
auf der Spitze
des Kölner Doms
der einig freie
Blick
Woor nor ohne Wierter
fier aas
Nor fier sÀh
De gewÀss Wiert
De Fremdwiert/
rech
Und Metaoll
gekliewt
Metaollesch uch
mÀstrech
VerschnÀrt Àn
PaperbÀcks rech un
Ămwiech ohne Ăschtich
MÀhsem Àm
Glechgewicht
ddddDer iinich froa
BlÀck
Balance ohne
SeiltÀnzer
und ohne die
weiĂen Tauben im Hirn
ohne Metaphern /
im Sinn
nur die
furchtbare Weite
der
Revolution und
die UnfÀhigkeit
der RevolutionÀre.
Ballanz ohne
Sieldintzer
Uch ohne weiss
Duwen Àm Hern
Ohne Metaphern/
nÀm SÀnn
Nor de furchtbor
Wegt
Der Revolution
uch
De ĂĂ€fĂ€heget der
RevoluzionÀr.
Wer stĂŒrzt sich
jetzt noch
von der Spitze sie
abzubrechen zum
Leben.
Wie stirzt sech
nah noch
Vun der SpÀtz se
Owzebreechen zem
Liewen.
