... ist ein Roman von Kazuo Ishiguro, den ich heute in weniger als zehn Tagen ausgelesen habe und der mich sehr beeindruckt hat. Eigentlich ist die Handlung des Buches nicht sonderlich spektakulĂ€r: der Butler eines vornehmen Hauses unternimmt eine mehrtĂ€gige Autoreise durch den SĂŒden
von England um eine ehemalige Hausangestellte zu besuchen.
Aber die Art und Weise, wie Ishiguro wĂ€hrend dieser Autofahrt mit verschiedene Zeitebenen spielt und sich die Erinnerungen des Butlers, zu einem Gesamtbild fĂŒgen - das ist groĂe Kunst. Dazu passt hervorragend die Sprache, mit der er seine Hauptfigur, den
Butler Stevens auftreten lÀsst - englishness pur !
Es hat mich zunĂ€chst schon angesprochen, mit welch hohem Berufsethos Stevens sich in seiner Rolle als Butler sieht, aber je weiter man liest, um so fraglicher wird diese 110 prozentige Hingabe an das Dienen - Stevens nennt es "die WĂŒrde" im Beruf. Er hat dadurch nicht nur nicht sein Leben gelebt, vielmehr hat die Sehnsucht nach dieser WĂŒrde seine einzigste Chance, die Liebe zu finden, vernichtet.
Ganz am Ende der 290 Seiten merkt er es auch, dass er einer SelbsttÀuschung erlegen ist. Es passt hervorragend zum Stil des Buches, dass dieser eigentlich dramatische Höhepunkt, sich so still und leise vollzieht, indem er einem zufÀllig neben ihm sitzenden Passanten auf einer Parkbank, den (symbolisch zu verstehen) Sonneruntergang betrachtend, erzÀhlt:
"All die Jahre, die ich diente, habe ich darauf vertraut, dass ich etwas tue, was der MĂŒhe wert ist. Ich kann nicht einmal sagen, dass ich meine eigenen Fehler gemacht hĂ€tte. Wirklich - man muss sich fragen -, welche WĂŒrde liegt ĂŒberhaupt darin ?"
Und dazu weint er. Eine GefĂŒhlsregung, die nur an dieser Stelle vorkommt und die man als Leser auch nur indirekt dadurch erfĂ€hrt, indem dieser Passant sagt:
" Du liebe GĂŒte, Mann, brauchen Sie ein Taschentuch? Ich habe irgendwo eines. Ah ja, da Kommen Sie schon, Mann".
Leise und sehr berĂŒhrend. Meiner Meinung nach ganz groĂes Kino, wie Ishiguro dieses Portrait und Scheitern des Butlers beschrieben hat.
Zurecht wurde er dafĂŒr noch im Jahr der Erstveröffentlichung fĂŒr 'Was vom Tage ĂŒbrig blieb " mit dem renomierten Booker Prize ausgezeichnet und fĂŒr sein gesamtes erzĂ€hlerisches Werk hat er 2017 den Nobelpreis fĂŒr Literatur erhalten. Ich freue mich schon auf weitere BĂŒcher von ihm.
Frank