Chalosse
Die Chalosse- (gaskognisch: ShalĂČssa oder XalĂČssa) ist eine Landschaft und ein Terroir in der Gascogne im SĂŒden des DĂ©partements Landes in Frankreich.

Chalosse bzw. ShalĂČssa ist ein aquitanischer Name, der vom baskischen Begriff zelaiotza abstammt, der spĂ€ter zu shalĂČssa wurde und âAnsammlung kultivierter Ebenen und Hochebenenâ bedeutet.[1]
Geografie
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Das Gebiet der Chalosse konzentriert sich auf die FlusstĂ€ler von Louts und Luy und erstreckt sich zwischen dem Adour im Norden, dem BĂ©arn im SĂŒden und dem Gabas-Tal im Osten.
Neben der eigentlichen Chalosse findet sich im Westen im flachen Gebiet zwischen Adour und Gaves die Teillandschaft Pays d'Orthe, im Norden die Teillandschaften Haute Lande und das Pays de Marsan sowie im hĂŒgeligen Osten die Landschaft Tursan, weitgehend identisch mit dem gleichnamigen Weinbaugebiet. Die Adour-Ebene gegenĂŒber der MĂŒndung der Midouze wird Auribat genannt.
Die wichtigste Stadt in der Chalosse ist der Verkehrsknoten Dax mit 22.109 Einwohnern (Stand 1. Januar 2023) am Adour, dessen unmittelbare Umgebung Aguais heiĂt. Dax war der Hauptort des Volkes der Tarbeller und wurde von den Römern Acqua Tarbellicae genannt. Der bedeutendste Ort im Zentrum der Chalosse ist Montfort-en-Chalosse (1200 Einwohner). Weitere KleinstĂ€dte in der sonst von kleinen Dörfern geprĂ€gten Chalosse sind Aire-sur-lâAdour (6200 Einwohner), Saint-Sever (5000 Einwohner), Hagetmau (4600 Einwohner), Peyrehorade (3700 Einwohner), Narrosse (3300 Einwohner) und Pouillon (3100 Einwohner). Die Gemeinde Amou im SĂŒden ist bekannt fĂŒr ihr Schloss aus dem 17. Jahrhundert, Pomarez verfĂŒgt ĂŒber eine bemerkenswerte Wehrkirche und Montaut im Norden hat eine bemerkenswerte Ortsbefestigung.
Einige Orte, Wahlkreise und ein Gemeindeverband fĂŒhren Chalosse im amtlichen Namen:
- Castelnau-Chalosse
- Labastide-Chalosse
- Montfort-en-Chalosse
- Saint-Cricq-Chalosse
- Sort-en-Chalosse
- Communauté de communes Chalosse Tursan
- Kanton Chalosse Tursan
- Kanton Coteau de Chalosse
Viele Orte in der Chalosse wurden bis in das Mittelalter hochwassersicher auf Anhöhen oder Bergspornen errichtet. Daran erinnern noch Ortsnamens-Bestandteile wie Bastide in Castelnau-Chalosse.
Geologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Chalosse verfĂŒgt ĂŒber ton- und silikatische Böden, die aus gelbbraunem Sand und altem Schwemmland bestehen. Es gibt auch KalksteinaufschlĂŒsse des TertiĂ€rs, insbesondere Kalksteine mit Nummuliten, darunter eine weltberĂŒhmte LagerstĂ€tte mit groĂen Nummuliten, auĂerdem Teersande und Ablagerungen von Aragonitkristallen. DarĂŒber hinaus gibt es Extrusionen von Ophit, einem Gestein eruptiven Ursprungs.
Landschaftsbild, HĂ€user
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Landschaft Chalosse zwischen Adour und BĂ©arn zeichnet sich durch ein leicht hĂŒgeliges Relief aus, das nach SĂŒden und Osten hin allmĂ€hlich ansteigt. In Richtung Nordwesten (Dax) eher flach, besteht die Landschaft ĂŒberwiegend aus sanften HĂŒgeln, zwischen denen zahlreiche FlĂŒsse verlaufen. Die Chalosse ist auf Viehzucht und Landwirtschaft ausgerichtet, sie ist geprĂ€gt durch eine Abfolge von Wiesen, Feldern (hauptsĂ€chlich Maisanbau) und kleineren WĂ€ldern, in denen inzwischen die insbesondere in den nahen Landes de Gascogne vorherrschenden Seekiefern durch LaubbĂ€ume ersetzt werden. Angesichts der Bevölkerungsdichte â die Dörfer liegen relativ nahe beieinander â und der Fragmentierung der landwirtschaftlichen NutzflĂ€che mit kleinen Parzellen bietet die Chalosse einen abwechslungsreichen Anblick.






Die Einwohner der Chalosse nennen sich Chalossais bzw. Chalossaises, auf Gaskognisch: los/las ShalĂČssas bzw. a/ua ShalĂČssa.
Die traditionellen HĂ€user bestehen durchgĂ€ngig aus Stein-Mauerwerk, wobei man im Westen der Chalosse schon an die HĂ€user in Unter-Navarra erinnert wird, insbesondere durch SatteldĂ€cher mit geringer Neigung und Ziegeleindeckung sowie Fassaden an der Giebelwand in Richtung Osten. Westlich von Pouillon sind die HĂ€user wie im Baskenland in drei LĂ€ngsbuchten unterteilt. Der zentrale Erker öffnet sich zu einem zentralen Arbeitsraum mit einem Lehmboden, der dem baskischen Ezkaratze entspricht und sĂČu (Boden) genannt wird.
- Blick auf Castelnau-Tursan
- Museum der Chalosse in Montfort-en-Chalosse
- Kirche Sainte-Marie-Madeleine in Castelnau-Chalosse
- Megalith in LarriviĂšre-Saint-Savin
- Schloss in Poyanne
- Kirche Notre-Dame in Aubagnan
- Landschaft bei Hagetmau
- Luftbild der Gemeinde Mugron
- Lac d'Ages in Monségur
Wirtschaft und Infrastruktur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Haupterwerbszweig in der Landschaft Chalosse ist die Landwirtschaft. Es werden GeflĂŒgel und Mastenten in groĂer Zahl und QualitĂ€t gezĂŒchtet. Das Chalosse-Rindfleisch, das von rund 380 Landwirten produziert wird, ist das AushĂ€ngeschild der Landschaft. Das Fleisch der Rinderrassen Blonde d'Aquitaine, Limousine und Bazadaise, die nur Gras und Maisbrei fressen, reift lĂ€nger als drei Jahre. Die hauptsĂ€chlich angebauten Getreidesorten sind Mais und Buchweizen (in diesem Zusammenhang wurde 2018 die ehemalige GetreidemĂŒhle in BĂ©nesse-lĂšs-Dax wieder in Betrieb genommen). Vornehmlich in der östlichen Chalosse (im Weinbaugebiet Tursan als Teil der Weinbauregion Sud-Ouest) werden unter anderem Weine der Appellation Coteaux de Chalosse produziert. Von den ca. 480 Hektar zugelassener WeinbauflĂ€che im Tursan sind momentan ca. 280 Hektar bestockt; im Mittel werden etwa 12.000 Hektoliter QualitĂ€tswein erzeugt. Die Produktion teilt sich zu 65 Prozent auf Rotwein und RosĂ©wein sowie 35 Prozent auf WeiĂwein auf.
Im Osten verlĂ€uft mit der Autoroute A65 die einzige Autobahn in der Chalosse. Wichtige StraĂenknotenpunkte sind Dax, Saint-Sever, Hagetmau, Aire-sur-lâAdour, Samadet, Geaune, Pomarez und Montfort-en-Chalosse.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Chalosse ist seit der Steinzeit von Menschen besiedelt. Die Venus von Brassempouy aus dem JungpalĂ€olithikum gilt als die erste kĂŒnstlerische Darstellung eines menschlichen Gesichts. Das mutmaĂliche Alter der Figur aus dem Gravettien wird auf 21.000 bis 26.000 Jahre geschĂ€tzt.
Die Abtei Saint-Sever, ein im 10. Jahrhundert gegrĂŒndetes Benediktiner-Kloster, war im gesamten Mittelalter ein mĂ€chtiges spirituelles, wirtschaftliches, politisches und kĂŒnstlerisches Zentrum. Ein bemerkenswertes Manuskript des Beatus de Saint-Sever wird heute in der Französischen Nationalbibliothek in Paris aufbewahrt.
Kultur und Sport
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Von April bis Oktober finden viele traditionelle Feste statt. Das Chalosse-Museum prÀsentiert ein typisches landwirtschaftliches Anwesen aus dem 19. Jahrhundert.
In der Chalosse wird neben FuĂball auch Rugby und Basketball gespielt. Es gibt einige Pferderennbahnen in der Chalosse (unter anderem in Pomarez und Morlanne) sowie mehrere Stierkampfarenen Course Landaise, unblutige StierkĂ€mpfe.
Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Obwohl in Orthez im benachbarten BĂ©arn geboren, stammt der Sternekoch Alain Ducasse (* 1956) aus der Chalosse, deren QualitĂ€t der landwirtschaftlichen Erzeugnisse fĂŒr die KĂŒche er hervorhebt.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Chalosse-Museum in Montfort-en-Chalosse (französisch)
Belege
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Geschichtsabriss auf www.museedelachalosse.fr (französisch)