CryoSat
| CryoSat-1 | |
|---|---|
| Typ: | Forschungssatellit |
| Betreiber: | |
| Missionsdaten | |
| Masse: | 650 kg |
| GrĂśĂe: | 4,60 m Ă 2,34 m Ă 2,20 m |
| Start: | 8. Oktober 2005, 15:02 Uhr UTC |
| Startplatz: | Kosmodrom Plessezk |
| Trägerrakete: | Rockot-KM/Bris-KM |
| Status: | bei Fehlstart zerstĂśrt |
CryoSat (späterhin wegen des nachfolgenden CryoSat-2 als CryoSat-1 bezeichnet) war ein Forschungssatellit, der die Kryosphäre der Erde vermessen und insbesondere das Volumen der Eismassen in der Arktis und Antarktis erfassen sollte. Nach dem Start erreichte der Satellit aber wegen eines fehlerhaften Steuerungsalgorithmus seine Umlaufbahn nicht und stĂźrzte ins Nordpolarmeer. CryoSat war der erste Earth-Explorer-Satellit der Europäischen Weltraumorganisation (ESA). Von dieser Mission erhoffte sich die Wissenschaft zusätzliche Erkenntnisse Ăźber die Veränderung des Klimas der Erde. Ziel war es, die genauen OberflächenhĂśhen der Landeismassen in GrĂśnland und in der Antarktis zu vermessen. AuĂerdem sollte erstmals aus dem Weltraum die Dicke des schwimmenden Meereises erfasst werden. Geplant war eine Lebensdauer von mindestens drei Jahren.
Die Gesamtkosten der Mission inklusive der Trägerrakete, der Betriebskosten und der Datenauswertung wurden von der ESA mit 136 Millionen Euro beziffert, davon 70 Millionen Euro fßr den Satelliten allein.
Aufbau
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der 650 kg schwere und 4,60 Ă 2,34 Ă 2,20 Meter groĂe Satellit wurde bei EADS Astrium gebaut. Seine Hauptnutzlast bestand aus dem RadarhĂśhenmesser SIRAL (SAR/Interferometric Radar Altimeter) mit zwei Antennen von 1,14 Ă 1,25 Metern GrĂśĂe, welche mit 25 Watt Leistung auf einer Frequenz von 13,575 GHz arbeiten.[1] SIRAL sollte bei seinen Messungen eine vertikale AuflĂśsung von 1 bis 3 cm und eine horizontale AuflĂśsung von etwa 300 Meter erreichen. Dabei sollten Radiosignale mit einem Intervall von 50 ¾s gesendet und wieder erfasst werden. FĂźr die unterschiedlichen Anwendungsgebiete (Land- und Meereis) sind dabei drei verschiedene Betriebsmodi vorgesehen: konventioneller pulsbegrenzter Betrieb, Synthetik-Apertur-Modus und Zwei-Kanal-SAR/interferometrischer Betrieb, wobei der SAR-Modus eine bessere Unterscheidung von Eis und Wasser und der interferometrische Betrieb eine genauere Bestimmung der Neigung der Eisoberfläche und ihrer HĂśhe ermĂśglicht. Zusätzlich befand sich der Radioempfänger DORIS (Doppler Orbit and Radio Positioning Integration by Satellite) und ein kleiner Laser-Retroreflektor zur exakten Positionsbestimmung des Satelliten an Bord. Zur Kommunikation war eine X-Band-Antenne fĂźr wissenschaftliche Daten (Onboard-Speicherkapazität des Solidstate-Rekorders 256 GBits) und eine S-Band-Wendelantenne fĂźr Telemetrie und Steuerung vorhanden. Zur Navigation und Lageregelung dienen drei Star Tracker Kameras, Magnetometer und Magnetfeldsteuerungen sowie Kaltgas-Lageregelungstriebwerke von je 10 Millinewton Schub. Die Energieversorgung sollte durch an der Satellitenoberfläche fest angebrachte Galliumarsenid-Solarzellen mit je 800 Watt und Lithiumionen-Akkumulatoren mit 60 Ah erfolgen. CryoSat sollte in einem 720 Kilometer hohen polaren Orbit mit einer Neigung von 92° arbeiten, optimiert fĂźr die Beobachtung der Polargebiete. Das Europäische Raumflugkontrollzentrum der ESA in Darmstadt sollte den Betrieb des Satelliten gewährleisten.
Missionsverlauf
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Start des Satelliten erfolgte am 8. Oktober 2005 um 15:02 Uhr UTC vom Kosmodrom Plessezk aus mit einer russischen Rockot-KM-Trägerrakete. Nach anfänglich perfektem Start trennte sich die Bris-KM-Oberstufe der Rakete nicht von der zweiten Stufe, so dass der Kopfteil der Rakete zusammen mit dem Satelliten im Nordpolarmeer (Lincolnsee zwischen GrÜnland und Nordpol) niederging. Ursache war ein Programmfehler. Die Steuerung sah vor, die zweite Stufe abzuschalten, nachdem die dritte Stufe gezßndet hatte, während die dritte Stufe erst zßnden sollte, nachdem die zweite nicht mehr feuerte. Folglich blieben beide Stufen bis zum Ausbrennen der zweiten Stufe gekoppelt. Die dadurch verursachte Kursabweichung fßhrte zum Abbruch des Starts und Verlust des Satelliten.
CryoSat-2
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach dem Fehlschlag beschlossen die Mitgliedsstaaten der ESA Ende Februar 2006, wegen der Bedeutung des Projektes eine Ersatzmission durchzufßhren. Der ursprßnglich angestrebte Starttermin dafßr war Oktober 2009, durch verschiedene VerzÜgerungen erfolgte der Start erst am 8. April 2010. Die Mission war zunächst auf drei Jahre ausgelegt, wurde aber auf sieben verlängert.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- CryoSat â Deutsches ProjektbĂźro
- ESA CryoSat (englisch)
- CryoSat-Absturz durch menschliches Versagen Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. Dezember 2005