Daniel Caspary

Daniel Caspary (* 4. April 1976 in Karlsruhe) ist ein deutscher Politiker (CDU). Seit 2026 ist er Mitglied des EuropÀischen Rechnungshofs. Zuvor war er von 2004 bis 2026 Mitglied des EuropÀischen Parlaments und dort von 2017 bis 2025 Vorsitzender der CDU/CSU-Gruppe.[1][2]
Ausbildung und Beruf
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Daniel Caspary bestand sein Abitur 1995 am Thomas-Mann-Gymnasium Stutensee, danach diente er bei der Bundeswehr (Oberleutnant der Reserve). Er beendete sein Studium an der UniversitÀt Karlsruhe als Technischer Diplom-Volkswirt.
WĂ€hrend seines Studiums arbeitete er als persönlicher Referent des Landwirtschaftsministers von Baden-WĂŒrttemberg und Landtagsabgeordneten Peter Hauk. Weitere Stationen in Casparys beruflichem Werdegang waren Praktika bei J. P. Morgan in Frankfurt am Main und London, die Mitarbeit bei Gerhard Seiler an der UniversitĂ€t Karlsruhe sowie bei der MVV Energie AG in Mannheim.
Politische TĂ€tigkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Daniel Caspary war als Jugendlicher in der Jungen Union (JU) aktiv. Sein politisches Interesse wurde geweckt, als er sich als SchĂŒler fĂŒr einen Nachtbus von Karlsruhe in seinen Heimatort Stutensee einsetzte.[3] Von 1999 bis 2002 war er stellvertretender Landesvorsitzender der JU Baden-WĂŒrttemberg, von 2001 bis 2008 Bezirksvorsitzender der Jungen Union Nordbaden. Von 2010 bis 2024 war Caspary Kreisvorsitzender der CDU Karlsruhe-Land.[4] Von 2011 bis 2025 war er Mitglied des PrĂ€sidiums der CDU Baden-WĂŒrttemberg, von 2017 bis 2025 als stellvertretender Landesvorsitzender.[5]
Von 1999 bis 2009 war Caspary Mitglied im Stadtrat von Stutensee, zunĂ€chst fĂŒr die Junge Liste Stutensee (JLS) und ab 2004 fĂŒr die CDU.
Von 2004 bis 2026 war Caspary Abgeordneter des EuropĂ€ischen Parlaments, wo er der Fraktion der EuropĂ€ischen Volkspartei (EVP) angehörte. Er war Mitglied im Ausschuss fĂŒr internationalen Handel (INTA) und war dort von 2009 bis 2017 Koordinator (Sprecher) seiner Fraktion.[6] Gemeinsam mit dem VizeprĂ€sidenten der EuropĂ€ischen Kommission, Jyrki Katainen, leitete Caspary die Sitzungen der europĂ€ischen EVP-Handelsminister bis 2017.[7] Von 2014 bis 2017 war Caspary Parlamentarischer GeschĂ€ftsfĂŒhrer der CDU/CSU-Gruppe. Als Nachfolger Herbert Reuls wurde Caspary im Juli 2017 zum Vorsitzenden der CDU/CSU-Gruppe im EuropĂ€ischen Parlament gewĂ€hlt.[8] Damit wurde er auch beratender Teilnehmer des CDU-Bundesvorstands.[9] Im Dezember 2025 folgte ihm Niclas Herbst in diesem Amt nach.[10] Als Vorsitzender der CDU/CSU-Gruppe war er zudem Mitglied des EVP-Fraktionsvorstandes sowie Mitglied im PrĂ€sidium der CDU Deutschlands.[11]
Des Weiteren war er als Europaabgeordneter Mitglied im Ausschuss fĂŒr die Angelegenheiten der EuropĂ€ischen Union im Deutschen Bundestag.[12] Ab 2019 war er Vorsitzender der Delegation des EuropĂ€ischen Parlaments fĂŒr die Beziehungen zu den LĂ€ndern SĂŒdostasiens und dem Verband SĂŒdostasiatischer Nationen (ASEAN).[13] Ab 2004 war er Berichterstatter des EuropĂ€ischen Parlaments fĂŒr die AuĂenhandelsstrategie der EU.[14] Caspary war zudem Berichterstatter des Legislativprozesses zum öffentlichen Beschaffungswesen und den Zugang von Waren und Dienstleistungen aus DrittlĂ€ndern zum EU-Binnenmarkt fĂŒr das öffentliche Beschaffungswesen.[15] Er war in der 10. Legislaturperiode (2024â2029) erneut Mitglied im Ausschuss fĂŒr internationalen Handel sowie stellvertretendes Mitglied im Ausschuss fĂŒr Wirtschaft und WĂ€hrung.[16]
Im Mai 2016 listete das Politmagazin Politico Caspary in einem Ranking der vierzig einflussreichsten Europaabgeordneten unter allen MandatstrĂ€gern auf dem 16. Rang.[17] In einem aktualisierten Ranking im MĂ€rz 2017 wurde Caspary auf Rang 25 gefĂŒhrt.[18] Im November 2016 stufte die Nichtregierungsorganisation VoteWatch Europe Caspary als zweiteinflussreichsten Handelspolitiker im EuropĂ€ischen Parlament ein.[19] Im Januar 2020 wurde Caspary erneut von Politico als einer der zwanzig einflussreichsten Abgeordneten des Parlaments bezeichnet.[20]
Im November 2008 war Caspary unter den EU-Abgeordneten, die die AnschlÀge auf das Hotel Taj Mahal im indischen Mumbai vor Ort miterlebten.[21]
Ende Februar 2026 legte Caspary sein Mandat nieder, bevor er sein Amt beim EuropĂ€ischen Rechnungshof antrat. FĂŒr ihn rĂŒckte Marie-Sophie Christ ins Europaparlament nach.
Zum 1. MÀrz 2026 wurde Caspary deutscher Vertreter beim EuropÀischen Rechnungshof.[22][23]
Politische Positionen und Kritik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Transatlantisches Freihandelsabkommen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Rahmen seiner TĂ€tigkeit im Ausschuss fĂŒr internationalen Handel engagierte sich Caspary fĂŒr den Abschluss des transatlantischen Handels- und Investitionsabkommens zwischen der EU und den USA.[24] So rief er im MĂ€rz 2013 die Veranstaltung âFriends of TTIPâ als offene Diskussionsplattform im EuropĂ€ischen Parlament ins Leben, in deren Rahmen das transatlantische Handels- und Investitionsabkommen mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft kontrovers diskutiert wird.[25]
Demonstration gegen EU-Urheberrechtsreform
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wenige Tage vor Abstimmung im EU-Parlament zur umstrittenen EU-Urheberrechtsreform behauptete Daniel Caspary in der Bild-Zeitung: âNun wird offensichtlich versucht, auch mit gekauften Demonstranten die Verabschiedung des Urheberrechts zu verhindern. Bis zu 450 Euro werden von einer sogenannten NGO fĂŒr die Demoteilnahme geboten.â[26] Selbst Abgeordnete der CDU bezeichneten diese ĂuĂerungen als âIrrsinnâ und âkatastrophalâ. Sie seien respektlos und wĂŒrden den Protest von mehr als 100.000 herabwĂŒrdigen.[27][28] Sowohl die Bild â sowie deren Verlag Axel Springer SE â als auch Daniel Caspary selbst gehören zu den BefĂŒrwortern der EU-Urheberrechtsreform. Daniel Caspary schrĂ€nkte seine Behauptung spĂ€ter auf Twitter und in einem Interview mit dem Deutschlandfunk ein, indem er angab, sich nur auf einen geringen Anteil an âgekauften Demonstrantenâ bezogen zu haben. Er habe jedoch niemals alle Demonstranten gemeint.[29]
Sonstige Ămter
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Daniel Caspary ist Mitglied der Europa-Union, die sich fĂŒr ein föderales Europa und den europĂ€ischen Einigungsprozess einsetzt sowie der Europa-Union Parlamentariergruppe EuropĂ€isches Parlament.[30]
Privates
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Daniel Caspary ist verheiratet und hat fĂŒnf Kinder. Er wohnt in Weingarten im Landkreis Karlsruhe.[31][32]
Schriften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- mit Jan WiĂwĂ€sser und Julia Wolffson: EU und Mercosur â Ziele, Strategien und aktuelle Herausforderungen. In: Erich G. Fritz (Hrsg.): Brasilien: Auf dem Sprung zur Weltwirtschaftsmacht? Athena Verlag, Oberhausen 2013, ISBN 978-3-89896-550-7.
- mit Jan WiĂwĂ€sser: ACTA â Das Symbol. Urheberrecht im europapolitischen Fokus. In: Die Politische Meinung. 9/2012, 514, Konrad-Adenauer-Stiftung, ISSN 0032-3446, S. 10â14
- mit Martina Chudejova und Jan WiĂwĂ€sser: Das Freihandelsabkommen zwischen der EuropĂ€ischen Union und Indien. In: Erich G. Fritz (Hrsg.): Entwicklungsland, Schwellenland, Global Player: Indiens Weg in die Verantwortung. Athena Verlag, 2010, ISBN 978-3-89896-401-2.
- Daniel CasparyË Mitglied des EuropĂ€ischen Parlaments, Einblicke 2004â2019, von uns fĂŒr Deutschland und Europa, ISBN 978-3-00-059375-8
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Homepage des Europaabgeordneten
- Daniel Caspary in der Abgeordnetendatenbank des EuropÀischen Parlaments
- Daniel Caspary auf abgeordnetenwatch.de
- Daniel Caspary im Stadtwiki Karlsruhe
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Vorstand. In: CDU/CSU-Gruppe im EuropĂ€ischen Parlament. Abgerufen am 4. Januar 2018.
- â Daniel Caspary auf der Website des Europa-Parlaments
- â Von der Schulbank ins Europaparlament, in: BNN Nr. 163, 17. Juli 2012.
- â CDU-Kreisverband Karlsruhe Land: CDU Kreisverband Karlsruhe Land. Archiviert vom (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 8. Januar 2018; abgerufen am 8. Juni 2017.
- â Landesvorstand. CDU Baden-WĂŒrttemberg, abgerufen am 8. Juni 2017.
- â Daniel CASPARY. (eppgroup.eu ( vom 5. Januar 2018 im Internet Archive) [abgerufen am 8. Juni 2017]).
- â EPP â European People's Party: Ministerial Meetings. Abgerufen am 8. Juni 2017 (amerikanisches Englisch).
- â Vorstand â CDU/CSU-Gruppe im EP. Abgerufen am 4. Januar 2018 (deutsch).
- â CDU Deutschlands: StatutenbroschĂŒre. (PDF) Archiviert vom (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 27. Mai 2019; abgerufen am 5. Januar 2018.
- â Niclas Herbst wins key role as Merz's EU Parliament chief. 9. Dezember 2025, abgerufen am 9. Dezember 2025 (englisch).
- â Daniel CASPARY. (eppgroup.eu ( vom 5. Januar 2018 im Internet Archive) [abgerufen am 4. Januar 2018]).
- â Deutscher Bundestag â VIII. Vorlagen und ihre Behandlung. In: Deutscher Bundestag. (bundestag.de [abgerufen am 8. Juni 2017]).
- â Daniel CASPARY | Abgeordnete. EuropĂ€isches Parlament, abgerufen am 10. Dezember 2019.
- â BERICHT ĂŒber eine neue Handelspolitik fĂŒr Europa im Rahmen der Strategie Europa 2020 â A7-0255/2011. Abgerufen am 8. Juni 2017.
- â BERICHT ĂŒber den Vorschlag fĂŒr eine Verordnung des EuropĂ€ischen Parlaments und des Rates ĂŒber den Zugang von Waren und Dienstleistungen aus DrittlĂ€ndern zum EU-Binnenmarkt fĂŒr das öffentliche Beschaffungswesen und ĂŒber die Verfahren zur UnterstĂŒtzung von Verhandlungen ĂŒber den Zugang von Waren und Dienstleistungen aus der Union zu den öffentlichen BeschaffungsmĂ€rkten von DrittlĂ€ndern â A7-0454/2013. Abgerufen am 8. Juni 2017.
- â Abgeordneten-Datenbank. In: EuropĂ€isches Parlament. Abgerufen am 1. September 2024.
- â The 40 MEPs who actually matter: the ranking. In: POLITICO. 19. Mai 2016 (politico.eu [abgerufen am 8. Juni 2017]).
- â 40 MEPs who matter in 2017: the ranking. In: POLITICO. 9. MĂ€rz 2017 (politico.eu [abgerufen am 8. Juni 2017]).
- â Who are the EU Parliamentarians that shape EUâs trade policy? | VoteWatch. Abgerufen am 8. Juni 2017 (amerikanisches Englisch).
- â MaĂŻa de La Baume: 20 MEPs to watch in 2020 â POLITICO. In: politico.eu. 13. Januar 2020, abgerufen am 3. MĂ€rz 2024 (englisch).
- â https://www.bild.de/news/vermischtes/news/ueber-die-situation-nach-den-terroranschlaegen-6648894.bild.html
- â EuropĂ€ischer Rechnungshof: Abgeordnete unterstĂŒtzen Kandidaten aus Deutschland. In: europarl.europa.eu. 20. November 2025, abgerufen am 17. Dezember 2025.
- â Beschluss (EU) 2026/422 des Rates vom 17. Februar 2026 zur Ernennung eines Mitglieds des Rechnungshofs, ABl. L 2026/422
- â âEs macht Sinn, wenn sich die westlichen Volkswirtschaften enger abstimmenâ. In: Deutschlandfunk Kultur. 8. Juli 2013, abgerufen am 8. Juni 2017.
- â TTIP-Themenseite auf persönlicher Homepage ( vom 3. Juni 2019 im Internet Archive)
- â Anne Merholz, Florian Kain: Wegen Abstimmung zu Upload-Filtern im Europarlament â Deutscher Abgeordneter bekam Morddrohungen. In: bild.de. 23. MĂ€rz 2019, abgerufen am 23. MĂ€rz 2019.
- â "Gekaufte Demonstranten": CDU-Abgeordnete wĂŒten gegen CDU-Tweet. In: zdf.de. Abgerufen am 14. Juli 2020.
- â Mehr als 100.000 Menschen demonstrieren gegen Uploadfilter. golem.de
- â EU-Urheberrechtsreform â âMĂŒssen endlich mal all die Kunst- und Kulturschaffenden schĂŒtzenâ.
- â Europa-Union Parlamentarier im EuropĂ€ischen Parlament. Abgerufen am 8. August 2025.
- â Ăber mich. In: Daniel Caspary MdEP. Abgerufen am 8. Juni 2017.
- â FĂŒnf Kinder und zwei Karrieren: EU-Politiker Daniel Caspary und seine Frau ĂŒber Beruf und Familie. In: Badische Neueste Nachrichten, 7. Januar 2020.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Caspary, Daniel |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Politiker (CDU), MdEP |
| GEBURTSDATUM | 4. April 1976 |
| GEBURTSORT | Karlsruhe |