Dieter Glietsch
Dieter Glietsch (* 2. Mai 1947 in Willingen (Upland)) war von September 2015 bis September 2016 StaatssekretĂ€r fĂŒr FlĂŒchtlingsfragen[1] beim Regierenden BĂŒrgermeister von Berlin. Von 2002 bis 2011 war er PolizeiprĂ€sident in Berlin und damit Leiter der gleichnamigen Behörde. Zuvor war er Inspekteur der Polizei in Nordrhein-Westfalen.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Dieter Glietsch trat im Jahr 1964 als Polizeiwachtmeister in den Polizeidienst des Landes Nordrhein-Westfalen ein und wurde im Juli 2000 zum Inspekteur der Polizei ernannt. Zuvor war er neun Jahre Einsatzreferent im nordrhein-westfÀlischen Innenministerium.
Seine Ernennung zum PolizeiprĂ€sidenten war in Berliner Polizeikreisen umstritten, da der Eindruck entstanden war, dass seine SPD-Mitgliedschaft bei der Ernennung ausschlaggebend gewesen sei und Berliner Mitbewerber, so etwa der damalige PolizeivizeprĂ€sident Gerd Neubeck, als zu konservativ ĂŒbergangen worden seien. Ferner stieĂ anfangs sein eher unpersönlicher, auf das Sachliche ausgerichteter FĂŒhrungsstil auf Kritik. Glietsch fĂŒhrte eine Kultur des offenen Umgangs mit eigenen Fehlern ein. FĂŒr die polizeiliche BewĂ€ltigung von GroĂereignissen erhob er die Deeskalation zum Prinzip. Besondere Bedeutung misst Glietsch der PrĂ€vention bei.
Unter Glietsch wurde mit Wirkung zum 1. Juli 2003 die âNeuordnung der FĂŒhrungsstrukturâ der Berliner Polizei durchgefĂŒhrt. Das Konzept hierzu hatte er unmittelbar nach seiner Ernennung vorgelegt. Ziel dieser Reform war es, durch die Reduzierung von FĂŒhrungsebenen mehr Personal fĂŒr den operativen Dienst und die Sachbearbeitung freizusetzen. Dazu wurden die StĂ€be des PolizeiprĂ€sidenten und des Landesschutzpolizeiamtes zusammengelegt, ein gemeinsames Lagezentrum von Senatsinnenverwaltung und Polizei gebildet und die örtlichen Direktionen von sieben auf sechs verringert â die Direktionsgrenzen entsprechen nun den Grenzen der Verwaltungsbezirke Berlins. Aus KostengrĂŒnden musste unter Glietsch Ende 2003 das Polizeiorchester Berlins aufgelöst werden.
Am 1. Mai 2008 wurde Glietsch am Rande der Demonstrationen in Berlin-Kreuzberg von mehreren Randalierern attackiert, als er sich vor Ort ein Bild der Lage verschaffen wollte. PersonenschĂŒtzer brachten ihn in einem Mannschaftswagen in Sicherheit.[2]
Ende Mai 2011 schied Glietsch aus dem Amt des PolizeiprĂ€sidenten aus und zog als PensionĂ€r zurĂŒck nach Nordrhein-Westfalen. Nach seiner Reaktivierung als StaatssekretĂ€r fĂŒr FlĂŒchtlingsfragen sollte er in erster Linie koordinierend gemeinsam mit Dirk Gerstle den Krisenstab fĂŒr FlĂŒchtlingsmanagement leiten.[3]
Im Mai 2011 wurde Glietsch fĂŒr seine UnterstĂŒtzung wĂ€hrend seiner Amtszeit als Berliner PolizeiprĂ€sident als Ehrenmitglied in den Verein lesbischer und schwuler Polizeibediensteter Berlin-Brandenburg e. V. aufgenommen.
Kontroversen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Glietsch sorgte fĂŒr Wirbel in der Berliner Politik, als er im Juni 2008 in einem taz-Interview[4] Porschefahrer warnte, ihr Auto in Berlin-Kreuzberg zu parken. Der Vorsitzende des Innenausschusses, Peter Trapp (CDU), kritisierte Glietsch daraufhin: âDie ĂuĂerungen werden in jedem Fall ein Nachspiel haben, der Innenausschuss wird sich in seiner nĂ€chsten Sitzung am 23. Juni mit der inakzeptablen Darstellung des PolizeiprĂ€sidenten beschĂ€ftigenâ. Zugleich wiederholte Trapp die mehrfach von der CDU erhobene Forderung nach Einrichtung einer Sonderkommission zur BekĂ€mpfung der regelmĂ€Ăigen Brandstiftungen in den Berliner Kiezen Kreuzberg, Friedrichshain, Prenzlauer Berg und Mitte. Ein Unternehmenssprecher Porsches Ă€uĂerte sich gleichfalls: âWenn der PolizeiprĂ€sident von Berlin diese Empfehlung gibt, dann scheint es ratsam zu sein, ihr zu folgen. Auf der anderen Seite ist es bedenklich, dass solche VerhĂ€ltnisse herrschen und solche Straftaten nicht verhindert werden können.â[5]
Ebenfalls kontrovers wurde eine neue Kleiderordnung fĂŒr Berliner Polizisten diskutiert, die im MĂ€rz 2009 von Glietsch erlassen wurde. Laut Anweisung ist es den Fahndern untersagt, in Zukunft KleidungsstĂŒcke der Marken Fred Perry, Alpha Industries, Ben Sherman, ACAB, Lonsdale, Consdaple, Pit Bull, Outlaw, Troublemaker und Thor Steinar zu tragen.[6] SpĂ€ter wurden die Marken Fred Perry, Lonsdale, Alpha Industries und Ben Sherman aufgrund von massiven Protesten von Ăffentlichkeit und Politik von der Liste entfernt, auch weil die vier Hersteller sich wiederholt von dem Status ihrer Produkte in der Neonazi-Szene distanziert hatten. Stattdessen wurden die Labels Rizist und Masterrace Europe hinzugefĂŒgt.[7]
Auf Nachfrage der Presse erklĂ€rte Glietsch, dass die seit Jahren andauernden Bestrebungen der Polizei, alle UniformtrĂ€ger grundsĂ€tzlich zum Tragen eines Namensschildes zu verpflichten, mit der EinfĂŒhrung der neuen Polizeiuniformen im Jahr 2010 umgesetzt wĂŒrden. In diesem Zusammenhang machte er wiederholt deutlich, dass es ihm dabei nicht um die Strafverfolgung nach tatsĂ€chlichen oder angeblichen Ăbergriffen gehe, sondern um das SelbstverstĂ€ndnis einer modernen und bĂŒrgernahen Hauptstadtpolizei. Das Namensschild solle aber, sofern aus âSicherheitsgrĂŒndenâ die Notwendigkeit besteht, umgedreht werden können. Auf seiner RĂŒckseite soll die Dienstnummer des Beamten stehen. Damit wĂ€ren Polizisten einwandfrei im Falle Ă€hnlicher Vorkommnisse nun eindeutig identifizierbar.[8]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Pressemitteilung vom 22. September 2015.
- â Mai-Randalierer attackieren Berliner Polizei-Chef. Die Welt vom 2. Mai 2008.
- â Michael MĂŒllers Coup heiĂt Dieter Glietsch. Der Tagesspiegel vom 22. September 2015.
- â taz-Interview: âPorsche nicht in Kreuzberg parkenâ ( vom 13. September 2012 im Webarchiv archive.today)
- â Morgenpost, Berlin. âWarnung an Porschefahrerâ (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im August 2026. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prĂŒfe den Link gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.)
- â Berlin Online, Aktuell (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im August 2018. Suche im Internet Archive)
- â Der Spiegel, Politik
- â Plutonia Plarre, Kennzeichnung angekĂŒndigt, taz vom 16. September 2009
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Glietsch, Dieter |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher PolizeiprÀsident von Berlin |
| GEBURTSDATUM | 2. Mai 1947 |
| GEBURTSORT | Willingen (Upland) |