Zum Inhalt springen

Egidius Braun

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie

Egidius Braun (* 27. Februar 1925 in KornelimĂŒnster-Breinig, heute zu Stolberg (Rheinland); † 16. MĂ€rz 2022 in Aachen) war ein deutscher FußballfunktionĂ€r. Er war von 1992 bis 2001 PrĂ€sident des Deutschen Fußball-Bundes und wurde anschließend zu dessen EhrenprĂ€sidenten ernannt. Im selben Jahr grĂŒndete der DFB die „DFB-Stiftung Egidius Braun“, die sich unter anderem um notleidende Jugendliche kĂŒmmert. Weiterhin verleiht der Fußball-Verband Mittelrhein den Egidius-Braun-Preis.

Im Alter von 13 Jahren wurde Egidius Braun Spieler beim SV Breinig. Im Zweiten Weltkrieg wurde er nach dem Abitur 1942 am Gymnasium der Stadt Alsdorf[1] zum Kriegsdienst eingezogen und geriet in Kriegsgefangenschaft, aus der er 1946 entlassen wurde. Nach seiner RĂŒckkehr studierte Braun Rechtswissenschaften und Philosophie[2] und machte sich mit dem Unternehmen „Kartoffel-Braun“ selbstĂ€ndig. Nebenbei spielte er Fußball in der ersten Mannschaft des SV Breinig, dessen Vorsitz er am 19. August 1956 bis zum 20. Februar 1959 ĂŒbernahm.

Nach Engagement auf lokaler Ebene wurde Braun am 4. August 1973 zum PrĂ€sidenten des Fußball-Verbandes Mittelrhein und zum Mitglied des DFB-Beirates gewĂ€hlt. Am 25. August desselben Jahres wurde er VizeprĂ€sident des Westdeutschen Fußball-Verbandes. Sein Anliegen war die Jugendarbeit, so unterstĂŒtzte er u. a. in den 1970er Jahren internationale Jugendfußballturniere beim Postsportverein Aachen.

Von 1983 bis 1987 war Braun Verwaltungsratsmitglied des 1. FC Köln. An seinem 60. Geburtstag, dem 27. Februar 1985, wurde ihm das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen. Das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern erhielt er 1997. FĂŒr seine Verdienste um das Land Nordrhein-Westfalen wurde er 1995 mit dem Verdienstorden des Landes geehrt.

Von 1977 bis 1992 war er Schatzmeister des DFB. Nach einer weiteren PrĂ€sidentschaft im Fußball-Verband Mittelrhein (1981, 1983, 1986 und 1992) wurde Braun am 24. Oktober 1992 zum achten PrĂ€sidenten des DFB gewĂ€hlt. Im selben Jahr wurde er außerdem PrĂ€sidiumsmitglied des Nationalen Olympischen Komitees. Das PrĂ€sidentenamt hatte er bis zum 28. April 2001 inne.

WĂ€hrend der Fußballweltmeisterschaft 1986 in Mexiko besuchte Braun mit einigen Nationalspielern ein mexikanisches Waisenhaus und grĂŒndete unter dem Eindruck des Elends die Mexiko-Hilfe der Egidius-Braun-Stiftung.[3] Nicht nur seines karitativen Engagements wegen galten Braun innerhalb von DFB, UEFA und des gesamten Umfeldes des deutschen Fußballs viele Sympathien. Dennoch blieben ihm in der Öffentlichkeit auch problematische Situationen nicht erspart. Braun musste sich etwa nach dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1994 in den USA fĂŒr seine SolidaritĂ€t mit dem in die Kritik geratenen Bundestrainer Berti Vogts rechtfertigen. Die Bild-Zeitung hatte Vogts zum RĂŒcktritt aufgefordert.[4] Zwei Jahre spĂ€ter gewann Bundestrainer Vogts die Europameisterschaft. 1998 hatten sich der DFB-PrĂ€sident und der frĂŒhere Nationalspieler Paul Breitner in einem Telefonat offenbar schon ĂŒber dessen Berufung als Teamchef der Nationalmannschaft verstĂ€ndigt; doch nahm Braun einige Stunden spĂ€ter von dieser Vereinbarung wieder Abstand. Er begrĂŒndete dies damit, dass Breitner die abgemachte Vertraulichkeit des TelefongesprĂ€ches nicht respektiert und Dritten davon berichtet habe. Breitner wollte dagegen die eigentliche Ursache fĂŒr den nebulösen Vorgang darin sehen, dass Braun zwischenzeitlich von kritischen Äußerungen erfahren habe, die er vormals ĂŒber den DFB-PrĂ€sidenten gemacht hĂ€tte.

GrabstÀtte Braun

Er war JĂ€ger und Naturliebhaber. Zuletzt lebte der AnhĂ€nger der Alemannia in Aachen. Braun erlitt im Oktober 2006 einen Schlaganfall, nach dem er nur noch selten öffentliche Auftritte ĂŒbernahm.[5] Er war 70 Jahre mit seiner Frau verheiratet, die am 20. Mai 2020 im Alter von 91 Jahren in ihrer Heimatstadt Aachen starb.[6] Das Ehepaar hinterließ zwei Söhne.

Am 16. MÀrz 2022 starb Egidius Braun im Alter von 97 Jahren in Aachen.[7] Er fand seine letzte RuhestÀtte auf dem Aachener Waldfriedhof.

TĂ€tigkeiten in der UEFA

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • 1980 bis 2000 Mitglied der UEFA-EM-Organisationskommission (ab 24. Juni 1992 Vorsitzender)
  • 1988 bis 2000 Mitglied im Exekutivkomitee der UEFA
  • 1992 bis 2000 VizeprĂ€sident der UEFA
  • 1995 bis 1996 Kommissarischer Schatzmeister der UEFA
  • 1996 bis 2000 Schatzmeister der UEFA

Egidius-Braun-Preis

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 2002 bis 2018 verliehen die Aachener Nachrichten und Aachener Zeitung einen Egidius-Braun-Preis. Die Auszeichnung war besonders engagierten Personen aus dem regionalen Sport vorbehalten, die nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen. Die Entscheidung fĂ€llte eine Jury. Die PreistrĂ€ger sind:

  • 2002 Herbert Oprei, Sonderschullehrer fĂŒr behinderte Kinder (Fachbereich Sport)[9]
  • 2003 Gerta Nadenau, Jugendbetreuerin im SV Neptun Aachen 1910
  • 2004 Peter Borsdorff, MarathonlĂ€ufer fĂŒr sein Engagement fĂŒr behinderte Kinder
  • 2005 Wilfried Pohlmann, 30 Jahre Trainer im Jugendfußball beim SV Todesfelde
  • 2006 Egbert Schaffrath, Jugendhandballtrainer in Aachen[10]
  • 2007 Paul Königs, 87-jĂ€hriger aktiver Sportler aus Stolberg (Rhld.)[11]
  • 2008 Waltraud Kalmbach vom SC Mausauel Nideggen[12]
  • 2009 Martin Kerenkewitz, „Mister Handball“ von Blau-Weiß Alsdorf († 17. MĂ€rz 2013)
  • 2010 Dieter Jollet vom SV Breinig[13]
  • 2011 Ralf Klohr, Initiator der FairplayLiga[14]
  • 2013 Trudi Fieger vom Stolberger SV Handball[15]
  • 2014 Karl-Heinz Tinnemann vom DJK Elmar Kohlscheid[16]
  • 2016 Ulla Symens von Rot-Weiß Geilenkirchen[17]
  • 2017 Ingo MĂŒller vom FC DĂŒren-Niederau[18]
  • 2018 Ruth Butzen, Schiedsrichterin[19]

Seit 2010 verleiht der Fußball-Verband Mittelrhein (FVM) alle drei Jahre einen Egidius-Braun-Preis fĂŒr besonderes soziales Engagement an eine herausragende Persönlichkeit. Die Auszeichnung ist mit 5.000 Euro dotiert. Der Preis wird auf dem alle drei Jahre stattfindenden ordentlichen Verbandstag des FVM verliehen. Die PreistrĂ€ger bisher:[20]

„Als Kind wollte ich immer LokomotivfĂŒhrer werden, jetzt bin ich Weichensteller geworden.“[23]

Commons: Egidius Braun – Sammlung von Bildern und Videos

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. ↑ Holger Bubel: Alsdorfer Gymnasium feiert 100-jĂ€hriges Bestehen. In: Aachener Zeitung. 29. April 2014, abgerufen am 13. April 2026.
  2. ↑ Egidius Braun: Sein Wirken ist nachhaltig. In: dfb.de, 28. April 2021.
  3. ↑ Toni Schumacher: Die Argentinier waren doch stehend k.o. In: zeit.de, 5. Juni 2010.
  4. ↑ Sportchef der „Bild“-Zeitung – Blattmacher oder Plattmacher? In: welt.de, 23. Juni 1999.
  5. ↑ DFB: Egidius Braun ist tot. In: Der Spiegel. 16. MĂ€rz 2022, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 16. MĂ€rz 2022]).
  6. ↑ Trauer um Marianne Braun. In: DFB-Stiftung Egidius Braun. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 3. August 2020; abgerufen am 2. Dezember 2022.
  7. ↑ DFB trauert um EhrenprĂ€sident Egidius Braun. In: dfb.de, 16. MĂ€rz 2022, abgerufen am 16. MĂ€rz 2022.
  8. ↑ Liste der FIFA-Verdienstorden-TrĂ€ger (Memento vom 5. September 2015 im Internet Archive), abgerufen am 25. Oktober 2012 (PDF; 71 kB)
  9. ↑ Kultur Sport als "didaktischer Königsweg". 1. Februar 2003, abgerufen am 6. Dezember 2020.
  10. ↑ gk: „Handball-Professor“ Egbert Schaffrath gestorben. In: Aachener Zeitung. 7. November 2013, abgerufen am 13. April 2026.
  11. ↑ SPORTLERGALA 2007. 4. MĂ€rz 2008, abgerufen am 6. Dezember 2020.
  12. ↑ Zwei Gesichter ihrer Vereine blicken zurĂŒck. In: Aachener Zeitung. 2. Juli 2017, abgerufen am 13. April 2026.
  13. ↑ Der Herr der vielen Projekte. 15. Februar 2011, abgerufen am 6. Dezember 2020.
  14. ↑ Ralf Klohr erhĂ€lt den "Egidius-Braun-Preis" der AZ (Menschen 2011). 13. Dezember 2011, abgerufen am 6. Dezember 2020.
  15. ↑ Die „Menschen 2013“ kommen riesig an. In: Aachener Zeitung. 9. Januar 2014, abgerufen am 13. April 2026.
  16. ↑ Christoph Pauli: Freund und Helfer: Egidius-Braun-Preis fĂŒr Karl-Heinz Tinnemann. In: Aachener Zeitung. 31. Dezember 2014, abgerufen am 13. April 2026.
  17. ↑ Rebecca Brockmeier: „Menschen 2016“: Von KĂ€mpfern, Preisen und einer Beruhigungspille. In: Aachener Zeitung. 19. Januar 2017, abgerufen am 13. April 2026.
  18. ↑ Lukas Weinberger: FC DĂŒren-Niederau: Der Egidius-Braun-Preis fĂŒr Jugendleiter Ingo MĂŒller. In: Aachener Zeitung. 30. Dezember 2017, abgerufen am 13. April 2026.
  19. ↑ Egidius Braun freut sich ĂŒber „seine“ PreistrĂ€gerin. In: Aachener Zeitung. 15. Januar 2019, abgerufen am 13. April 2026.
  20. ↑ Egidius-Braun-Preis. 18. Juni 2022, abgerufen am 6. Dezember 2020.
  21. ↑ Watzke mit Egidius-Braun-Preis geehrt. 30. Juni 2019, abgerufen am 28. Mai 2020.
  22. ↑ Familie Espeter erhĂ€lt Egidius-Braun-Preis fĂŒr integrative Fußballarbeit. 18. Juni 2022, abgerufen am 6. Dezember 2020.
  23. ↑ Roland Zorn: Zum Tod von Egidius Braun: Mit Herz und Haltung. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 16. MĂ€rz 2022, abgerufen am 16. MĂ€rz 2022.