Geodaten
Geodaten sind digitale Daten und Umweltdaten, denen auf der ErdoberflĂ€che eine bestimmte rĂ€umliche Lage zugewiesen werden kann (Georeferenz). Mithilfe dieser geographischen Verortung lĂ€sst sich die ErdoberflĂ€che und PhĂ€nomene, die darauf stattfinden modellhaft nachbilden und untersuchen. Meistens, aber nicht immer, geschieht diese Verortung mit Koordinaten. Geodaten sind die konkrete, zeichenkodierte Ausgestaltung von Geoinformationen, ein Begriff der etwas weniger scharf definiert ist. Geodaten sind nicht nur das Ausgangsmaterial fĂŒr Karten, sondern auch fĂŒr umfangreiche rĂ€umliche Analysen und Evaluierungen in Geoinformationssystemen (GIS) und weiteren Anwendungen innerhalb der Geoinformatik oder Data Science.
Allgemeines
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einteilung von Geodaten in Vektor- und Rasterdaten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Geodaten können zunÀchst grob in zwei verschiedene Hauptgruppen geteilt werden, nÀmlich Vektordaten und Rasterdaten. Beide Datentypen werden in unterschiedlichen AnwendungsfÀllen eingesetzt:
- Ein Beispiel fĂŒr Vektordaten ist die Abbildung des StraĂennetzwerks als Graph. Hier ein Ausschnitt einer StraĂenkreuzung mit OpenStreetMap-Daten.
- Auch die Abbildung von Gebieten und Erzeugung von thematischen Karten wird oft mit Vektordaten realisiert. Hier ein Beispiel (zeitliche Abfolge der Reconquista) erstellt mit freien Daten aus dem Natural Earth-Projekt.
- Per GNSS-GerÀt (GPS-GerÀt) aufgenommene Datentracks werden als Vektordaten gespeichert.
- Ein Beispiel fĂŒr Rasterdaten sind Satellitenbilder oder Orthofotos. Hier eine Sentinelaufnahme von Barcelona.
- Auch Digitale Höhenmodelle sind stets Rasterdaten. Hier eine hypsometrische gefÀrbte Schummerung der phlegrÀischen Felder aus SRTM-Daten.

Vektordaten bestehen aus einzelnen oder aneinandergereihten Punkten (Vertices). Diese Punkte sind mit Koordinaten versehen und bilden mit ihren Koordinatenangaben gerichtete Strecken in einem Koordinatensystem. In einem ebenen zweidimensionalen System sind die Punkte mit zwei Richtungsangaben (x- und y-Wert) versehen. Die Punkte können dann wiederum Linien und FlĂ€chen (Polygone) bilden. Rasterdaten hingegen sind wie digitale Fotos aus vielen unterschiedlichen Pixeln (auch Rasterzellen genannt) aufgebaut. Sie verfolgen einen feldbasierten Ansatz und teilen mit dem Raster die FlĂ€che in homogene TeilflĂ€chen. So haben z. B. in digitalen Höhenmodellen alle Rasterzellen, die FlĂ€chen auf gleicher Meereshöhe reprĂ€sentieren, den gleichen Wert. Beide Modelle besitzen Vor- und Nachteile. Das Vektormodell ist datensparsamer als Rastermodellierungen. Das Rastermodell auf der anderen Seite lĂ€sst flĂ€chendeckend einfachere und schnellere Analysen zu, dafĂŒr kann es im Gegensatz zum Vektormodell nur ein Wert (eine Sachinformation) pro Rasterzelle speichern.[1][2]
Raumbezug und Sachinformationen bzw. Attribute
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die wichtigste Eigenschaft von Geodaten ist der Raumbezug (geographische Verortung). Dieser wird in der Regel durch Koordinaten angegeben â als BezugsgröĂe dient dann ein Koordinatensystem (in der Geoinformatik ist es ein Koordinatenreferenzsystem). Der Raumbezug kann aber auch durch weniger genaue Angaben wie Adressen oder Ortsnamen angegeben werden.[3] SpĂ€testens aber wenn Geodaten mit indirektem Raumbezug (wie eine Liste von Adressen) modelliert und geographisch weiter ausgewertet werden sollen, werden sie mit Koordinaten versehen (Geocodierung).

Neben den Informationen zum Raumbezug sind Geodaten meist mit weiteren Sachinformationen in Form von Attributen versehen, die zusĂ€tzliche semantische Informationen wie den Namen des Objekts, eine Identifikationsnummer oder eine Objektklasse enthalten. Eine weit verbreitete Objektmodellierung in Geoinformationssystemen besteht daher darin, die Objekte (bei Vektordaten als Features bezeichnet) innerhalb der Geodaten einerseits mit ihrer geometrischen Form (engl. shape), andererseits mit den zugehörigen Attributen zu speichern.[4] Obwohl die Darstellung meist zweidimensional in der Ebene stattfindet, gibt es theoretisch keine BeschrĂ€nkung in der Dimension der geometrischen Form. HĂ€ufig wird auch die Zeit als Dimension verwendet, etwa bei Messreihen oder FernerkundungsÂdaten verschiedener Zeitpunkte. In der nachfolgenden Tabelle wird der Aufbau eines Geodatensatzes mit Raumbezug und Sachinformationen anhand eines einfachen vektorbasierten Beispieldatensatzes gezeigt:
| ID-Nummer | Name | SehenswĂŒrdigkeitsklasse | Geographische Breite | Geographische LĂ€nge |
|---|---|---|---|---|
| 01 | Eiffelturm | Turm | 48° 51âČ 29âł N | 2° 17âČ 40âł E |
| 02 | Notre-Dame | Kirche | 48° 51âČ 10âł N | 2° 21âČ 0âł E |
| 03 | SacrĂ©-CĆur | Kirche | 48° 53âČ 12âł N | 2° 20âČ 34âł E |
| 04 | Louvre | Museum | 48° 51âČ 45âł N | 2° 20âČ 11âł E |
Diese Daten können anschlieĂend als Punktdaten modelliert (siehe dazu auch Abschnitt Modellierung unten) und kartographisch dargestellt werden (in diesem Beispiel mit GeoJSON). Die Koordinaten (geographische LĂ€nge und Breite) dienen der Verortung, die anderen drei Attribute liefern weitere semantische Informationen:

Bereitstellung von Geodaten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Daten werden entweder von amtlichen Stellen erstellt und vertrieben (mittlerweile oft frei und unentgeltlich, auch Open Government Data genannt), von kommerziellen Unternehmen (z. B. TomTom oder Here) oder in offenen Gemeinschaftsprojekten als Volunteered Geographic Information erstellt und frei zur VerfĂŒgung gestellt. FĂŒr letzteres ist insbesondere das OpenStreetMap-Projekt zu nennen. Von amtlicher Seite gibt es eigene VermessungsĂ€mter oder Behörden auf Bundesebene (in Deutschland das BKG, in Ăsterreich das BEV, in der Schweiz swisstopo) und noch zusĂ€tzliche Ămter oder Abteilungen in den LĂ€ndern und Gemeinden.[1]

Geodaten können unmittelbar gewonnene PrimĂ€rdaten oder weiter bearbeitete SekundĂ€rdaten sein. Die PrimĂ€rdaten werden durch geodĂ€tische Vermessungen (vor allem mit Theodolit oder GNSS-GerĂ€t), Fernerkundungsaufnahmen (Photogrammetrische Daten, Laserscannerdaten, Radardaten) oder durch Felderkundungen und Aufzeichnungen vor Ort (z. B. mit Smartphone-Apps wie das im Falle von OpenStreetMap hĂ€ufig geschieht oder mit mobilen GIS-Lösungen auf Tablets oder Smartphones). PrimĂ€rdaten sind noch wesentlich unaufbereitet, SekundĂ€rdaten andererseits leiten sich von PrimĂ€rdaten ab. Hier sind die Ableitung und Weiterverarbeitung von vorhandenen GeodatensĂ€tzen oder die Digitalisierung von Luftbildern (âNachzeichnenâ) bzw. alten analogen Karten zu nennen. Von besonderer Bedeutung fĂŒr Geodaten sind auch Metadaten, die die eigentlichen raumbezogenen Daten beschreiben (z. B. hinsichtlich eines Zeitbezugs oder der Herkunft) und bei der Erfassung entstehen.[5][6]
Besonders im behördlichen Umfeld lassen sich Geodaten in Raumbezug herstellende Geodaten (in Deutschland als âGeobasisdatenâ, in der Schweiz als âGeoreferenzdatenâ bezeichnet) und in Geofachdaten gliedern. Geobasisdaten werden in der Regel von Vermessungsverwaltungen flĂ€chendeckend bereitgestellt und bilden wie topographische Karten möglichst neutral den Raum ab, Fachdaten stammen hingegen aus unterschiedlichen raumbezogenen Fachdatenbanken. Sie werden in einem Geoinformationssystem verwaltet und bearbeitet, das bei internetbasierten Systemen durch einen Geobrowser erschlossen werden kann.[7][1]
Historische Entwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die historische Entwicklung von Geodaten ist eng mit der Geschichte der Kartographie verbunden, denn Geodaten sind in der Regel das Ausgangsmaterial, mit denen Karten erstellt werden. Vor Beginn der digitalen Ăra (vor 1970) wurden Geodaten analog festgehalten: auf Kartenzeichnungen und -skizzen, in Notizen und spĂ€ter auf Karteikarten, und vor der Zeit des Kartendrucks (Linoldruck 15. Jahrhundert) in handgemalten Einzelkarten. Erst in den 70er Jahren wurden digitale Geodaten erstmals von Behörden in ihren Verwaltungsprozessen genutzt und ab den 80er Jahren von kommerziellen Unternehmen angeboten.[8] War die Verbreitung und Verarbeitung von Geodaten in den Anfangsjahren noch sehr aufwĂ€ndig und teuer, sind Geodaten mit dem Siegeszug des Internets, Open Government Data und Volunteered Geographic Information wie OpenStreetMap heute vergleichsweise niederschwellig zugĂ€nglich.[9]
Modellierung von Geodaten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als Modellierung von Geodaten bezeichnet man die Nachbildung und Wiedergabe von Objekten der realen Welt in abstrakter, vereinfachter und digitaler Form. Dadurch lÀsst sich die reale Welt besser verstehen und analysieren.

Will man etwa ein Flussnetz mit Geodaten modellieren, mĂŒssen Ăberlegungen angestellt werden, wie das geschehen soll. So können FlĂŒsse in geometrischer Hinsicht flĂ€chenhaft oder linienhaft (geometrische Modellierung) modelliert werden, nur als planare Ebene oder als bathymetrisches 2,5D-Model inklusive Flussbett und Flusstiefe (Dimension). Die semantischen Sachinformationen (also die Attribute) sollten einer vorher ausgedachten Ordnung entsprechen und konsistent sein, etwa in dem stets der deutsche Name des Flusses und der englische Name in je einem Attribut gespeichert wird. Auch topologische Anforderungen werden meist festgelegt, damit die rĂ€umlichen Beziehungen zwischen den Objekten konsistent sind. Im Falle des Flussbeispiels ist es etwa wichtig, darauf zu achten, dass die Flusslinie oder FlussflĂ€che vom Anfang (Flussquelle) bis zum Ende (FlussmĂŒndung) nicht unterbrochen ist und FlĂŒsse sich nicht kreuzen, weil das auch in der Natur nicht möglich ist.[4]
Seit dem ausgehenden 20. Jahrhundert wird angestrebt, Geodaten nach internationalen Normen und Standards zu modellieren. Im Normenwerk ISO 191xx der Internationalen Organisation fĂŒr Normung gibt es die Norm ISO 19107 Geographic Information â Spatial Schema, die genau diesen Bereich normt.
Geometrische Modellierung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Hinsichtlich der geometrischen Modellierung werden die geometrischen Elementartypen Punkt, Linie und FlÀche unterschieden.[10] FlÀchen werden hÀufig als einfaches Polygon modelliert. In anspruchsvollen Anwendungen reicht dies aber nicht; hier sind auch krummlinige FlÀchenbegrenzungen notwendig und FlÀchen mit Löchern (Enklaven, modelliert als Donut-Polygon) wie auch FlÀchen mit rÀumlich getrennten Teilen (Exklaven, modelliert als Multipolygon) können vorkommen.
Dimension
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Zwar werden Geodaten und Karten zweidimensional als Ebene modelliert, aber ihnen liegen mehrdimensionale reale Objekte zugrunde. Neben der zweidimensionalen Modellierung und Darstellung gibt es Möglichkeiten, weitere Dimensionen mit einzubeziehen.[10]
- zweidimensional 2D
- Jeder Punkt hat eine x- und eine y-Koordinate. Linienverbindungen oder FlÀchen, die auf die Punkte aufbauen, liegen also in einer Ebene (xy-Ebene) vor. Dies entspricht der normalen Kartendarstellung und der Datenhaltung im Kataster.
- zwei-plus-eins-dimensional 2+1D
- Jedes Objekt hat zusĂ€tzlich eine attributive Information ĂŒber die Höhe (zum Beispiel eine GebĂ€udehöhe am GebĂ€ude). Diese Form findet sich in einigen Katasterdaten wieder.
- zweieinhalbdimensional 2,5D
- Jeder Punkt der Grundrissdarstellung hat zusĂ€tzlich zur x- und y-Koordinate eine Höhe. Damit ist die Höhe jedoch nur eine Funktion der Lage, d. h., es gibt immer nur genau einen Höhenwert zu einer Lagekoordinate (x,y). In dieser Form liegen die meisten digitalen GelĂ€ndemodelle vor. Senkrechte WĂ€nde und ĂberhĂ€nge sind auf diese Weise nicht modellierbar.
- dreidimensional 3D
- Alle Punkte haben x-, y- und z-Koordinaten (bzw. Höhe). Linienverbindungen sind rĂ€umliche Linien, die nicht in einer Ebene liegen. Wenn Kreisbögen als Verbindungen vorkommen, werden diese streng genommen EllipsenÂabschnitte, die in einer geneigten Ebene liegen; oder sie mĂŒssen durch LinienzĂŒge mit entsprechend kurzen Segmenten angenĂ€hert werden. FlĂ€chenobjekte sind nur dann ebene FlĂ€chen, wenn alle ihre Punkte in einer Ebene liegen, ansonsten sind es gekrĂŒmmte RaumflĂ€chen.
- vierdimensional 4D
- ZusĂ€tzlich zu den drei Koordinaten im Raum wird die Zeit als vierte Information mitgefĂŒhrt, die sich aus dem zeitlichen Ablauf ergibt. Das wird zum Beispiel durch Verwendung eines Zeitstempels fĂŒr jedes Objekt ermöglicht. Damit kann abgefragt werden, zu welchem Zeitpunkt ein Objekt existiert hat oder nicht. Aus diesen Daten können dann Darstellungen der Vergangenheit kreiert werden (zum Beispiel: Wie sah das Ortsbild am 15. Februar 2002 aus, bevor der Neubau errichtet wurde?); auch zeitabhĂ€ngige Animationen können erzeugt werden (beispielsweise der Fortschritt des Kohleabbaus in einem Bergwerk). Möglich ist auch die Darstellung von zeitbezogenen Geodaten (Zeitreihen) als Zeitreise.

Auch wenn die Objekte nur zweidimensionale Formen haben, lassen sie sich in den dreidimensionalen oder zweidimensionalen Raum einbetten. Das heiĂt zum Beispiel fĂŒr einen Punkt, dass drei Koordinaten (x,y,z) oder zwei Koordinaten (x,y) gespeichert werden.
Topologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Bei der Topologie steht, wie oben erwĂ€hnt, die Frage im Vordergrund, wie die Objekte untereinander angeordnet sind. Die geometrische Form wird dabei abstrahiert und vernachlĂ€ssigt. Im Beispiel des Liniennetzplans rechts ist fĂŒr den Fahrgast vor allem wichtig zu wissen, wo sich U-Bahn Linien kreuzen, weniger der geometrische Verlauf unter der Erde. Deshalb reicht hier oft ein minimalistisches, aber ĂŒbersichtliches Topogramm.
Zur Modellierung werden die topologischen Grundformen Knoten, Kante und Masche verwendet. Wesentliche Prinzipien sind der Graphentheorie entnommen. In einfachen Systemen entsprechen Punkte den Knoten, Linien den Kanten und FlĂ€chen den Maschen. Auf die explizite Modellierung der Topologie kann verzichtet werden, wenn sie sich aus den geometrischen Daten ableiten lĂ€sst. Dies ist bei einfachen Systemen der Fall, wenn die Geometriedaten dreidimensional vorliegen. Zweidimensionale Geometrien reichen in der Regel nicht aus, um eine Topologie abzuleiten; z. B. sind eine höhengleiche Kreuzung (konkret eine StraĂenkreuzung) und eine höhenversetzte Kreuzung (konkret eine BrĂŒcke) topologisch unterschiedlich, aber in der zweidimensionalen Geometrie nicht unterscheidbar. Topologische Fragestellungen sind vor allem bei Vektordaten von Interesse, bei Rasterdaten ist die Topologie nur durch gleich groĂe regelmĂ€Ăige Rasterzellen definiert.[11][10]
QualitÀt von Geodaten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die DatenqualitĂ€t beschreibt die GĂŒte von Geodaten. Sie bestimmt also, inwieweit Geodaten definierte Anforderungen erfĂŒllen. Diese Anforderungen und Kriterien werden in der Regel durch ein QualitĂ€tsmodell bzw. QualitĂ€tsstandard festgelegt und im Hinblick auf eine konkrete Fragestellung bewertet. Die ISO-Norm ISO 19157 (hervorgegangen aus der ISO 19113-Norm) ist eines der am bekanntesten QualitĂ€tsmodelle. Als DatenqualitĂ€t kann schlieĂlich die Summe von QualitĂ€tsmerkmalen bezeichnet werden, die den Einsatz der Daten fĂŒr eine konkrete Aufgabe ermöglichen. Diese QualitĂ€tsmerkmale beschreiben die QualitĂ€t anhand unterschiedlichen Bewertungsaspekte und sollten in den entsprechenden Metadaten dokumentiert werden.[12]
Die QualitÀtsmerkmale nach ISO 19157 sind:[13]
- VollstÀndigkeit (Completeness): PrÀsenz oder Fehlen von Objekten, ihrer Attribute und Beziehungen.
- Positionsgenauigkeit (Positional Accuracy): Genauigkeit der Lage von Objekten.
- Attributsgenauigkeit (Thematic Accuracy): Genauigkeit von quantitativen Attributen und von nicht-quantitativen Attributen â Zuordnung von Objekten zu Objektklassen und Richtigkeit der Beziehungen.
- Zeitliche Genauigkeit (Temporal Quality): Genauigkeit der Zeitangaben und der zeitlichen Beziehungen von Objekten.
- Logische Konsistenz (Logical Consistency): Einhaltung von logischen Regeln der konzeptionellen, logischen und physikalischen Datenstruktur.
- Nutzungsziel bei der Datenerfassung und Gebrauchstauglichkeit (Usability): Eignung eines Datensatzes fĂŒr einen bestimmten Anwendungsfall.
Weitere Informationen dazu sind im Hauptartikel zu finden.
Rechtlicher Rahmen fĂŒr Geodaten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Vor DSGVO, Mai 2018 (und damit veraltet): Ob und wann frei oder fĂŒr staatliche Stellen allgemein zugĂ€ngliche Geodaten mit dem Datenschutz fĂŒr personenbezogene Daten kollidieren können, ist in Deutschland noch weitgehend ungeklĂ€rt. Erste Anstrengungen, das Thema Geodaten und Datenschutz intensiver zu beleuchten, wurden durch die Kommission fĂŒr Geoinformationswirtschaft gemacht. Diese und das Bundesministerium fĂŒr Wirtschaft gaben dazu Studien beim UnabhĂ€ngigen Landeszentrum fĂŒr Datenschutz Schleswig-Holstein in Auftrag. Letzteres kam in der im September 2008 veröffentlichten Studie zu dem Ergebnis, dass derzeit sowohl die Interessen der an einer Nutzung interessierten Stellen als auch die datenschutzrechtlichen Belange mit den bestehenden gesetzlichen Regeln nur unzureichend in Ausgleich gebracht werden können. Insbesondere der auch auf der EU-Ebene angestoĂene INSPIRE-Prozess erfordert ein modernes Geodatenrecht, welches auch mit den Geodatenzugangsgesetzen des Bundes und der LĂ€nder (z. B. dem am 1. August 2008 in Bayern in Kraft getretenen Geodateninfrastrukturgesetz) nicht geschaffen wird. Diese Gesetze greifen vielmehr auf hergebrachte Zugangsregelungen zurĂŒck und reagieren nicht auf die neuen Herausforderungen fĂŒr eine Nutzung von Geodaten und dem Schutz der Persönlichkeitsrechte Einzelner.
Mit DSGVO, Mai 2018: Die Rechtsgrundlage fĂŒr die Verwendung von Geodaten hat sich mit Wirkung der DSGVO ab Mai 2018 verĂ€ndert. Erste Aussagen können wie folgt zusammengefasst werden: Zu beachten ist, ob es sich bei den Geodaten um Informationen ĂŒber eine natĂŒrliche Person handelt oder nicht (z. B. Position einer Person oder GebĂ€udehöhe). Auch wenn eine nicht-personenbezogene Geoinformation wie eine GebĂ€udehöhe mit einer Person durch die Georeferenz in Beziehung gesetzt werden kann, bleibt die Geoinformation, hier die GebĂ€udehöhe, weiterhin eine nicht personenbezogene Information.[14] Eine erste ausfĂŒhrliche, juristische Stellungnahme tĂ€tigte dazu Rechtsanwalt Schmidt.[15] Aus techniksoziologischer Sicht grundlegend siehe auch die Studie Aktuelle Fragen der Geodaten-Nutzung auf mobilen GerĂ€ten des Instituts fĂŒr Technikfolgen-AbschĂ€tzung der Ăsterreichischen Akademie der Wissenschaften (ITA/ĂAW).[16]
Da Geodaten auch staatliche Sicherheitsinteressen berĂŒhren können, sind insoweit entsprechende GesetzeseinschrĂ€nkungen des freien Zugangs geplant.
In Deutschland trat 2009 das Geodatenzugangsgesetz (Gesetz ĂŒber den Zugang zu digitalen Geodaten â GeoZG) in Kraft. Das Gesetz dient dem Aufbau einer nationalen Geodateninfrastruktur. Es schafft den rechtlichen Rahmen fĂŒr den Zugang zu Geodaten, Geodatendiensten und Metadaten von geodatenhaltenden Stellen (âgeodatenhaltende Stellen des Bundes und der bundesunmittelbaren juristischen Personen des öffentlichen Rechtsâ) sowie die Nutzung dieser Daten und Dienste, insbesondere fĂŒr MaĂnahmen, die Auswirkungen auf die Umwelt haben können. Seit 2012 stellt der Bund Geodaten kostenfrei zur VerfĂŒgung. Die am 22. MĂ€rz 2013 verkĂŒndete Verordnung (GeoNutzV) rĂ€umt umfangreiche Nutzungsrechte (VervielfĂ€ltigung, Bearbeitung, PrĂ€sentation, Einbindung in Produkte) unter der MaĂgabe ein, dass der beigefĂŒgte Quellenvermerk sowie rechtliche Hinweise im optischen Zusammenhang erkennbar eingebunden werden und ggf. mit einem VerĂ€nderungshinweis versehen wird.[17]
In der Schweiz ist die ZugĂ€nglichkeit zu den Geobasisdaten (im Sinne des schweizerischen Begriffs von Geobasisdaten) weitgehend durch das Bundesgesetz ĂŒber Geoinformation (Geoinformationsgesetz, GeoIG, SR 510.62)[18] geregelt, dem sich die Kantone mit ergĂ€nzenden Vollzugserlassen angeschlossen haben. Hier werden die Geobasisdaten nach Bundesrecht (wie auch durch die Kantone in ihrem Rechtsetzungsbereich) in einem Katalog der Geobasisdaten aufgelistet und mit ihren rechtlichen Attributen transparent gemacht, wobei hier explizit auch die Zugangsberechtigung geregelt wird. Mit dieser Regelung der Zugangsberechtigung zu Geobasisdaten (gemÀà GeoIG Art. 10â15) konnte der Umgang mit dem Datenschutz weitgehend rechtlich abgehandelt werden.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Anbieter bzw. Sammlungen von Geodaten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Daten von ATKIS (Deutschland), Geoland.at (Ăsterreich) oder swisstopo (Schweiz)
- GTOPO30, ASTER oder SRTM Höhendaten
- Rasterbilder von Landsat oder Copernicus
- OpenStreetMap
- Google Maps
- Digital Chart of the World (DCW), durch VMAP-Daten ersetzt
Weiteres
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]WeiterfĂŒhrende Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Manfred Ehlers, Jochen Schiewe: Geowissen kompakt. WBG (Wissenschaftliche Buchgesellschaft), Darmstadt 2012
- Mario Martini, Matthias Damm: Auf dem Weg zum Open Government: Zum Regimewechsel im Geodatenrecht. Deutsches Verwaltungsblatt 2013, Heft 1, S. 1â9.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- OpenGeoEdu â kostenloses MOOC (Onlinekurs) der Uni Rostock zu Geodaten
- Geodaten im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien (ausfĂŒhrlicher Eintrag)
- Geoportal.de, ein Service von Bund, LĂ€ndern und Kommunen â amtliche deutsche Geodaten als Open Government Data
- data.gv.at bzw. geoland.at â amtliche österreichische Geodaten als Open Government Data
- opendata.swiss/de â Open Government Data Portal Schweiz
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 Manfred Ehlers, Jochen Schiewe: Geoinformatik (= Geowissen kompakt). WBG (Wissenschaftliche Buchgesellschaft), Darmstadt 2012, ISBN 978-3-534-72826-8, S. 40â47.
- â Norbert Bartelme: Geoinformatik: Modelle Strukturen Funktionen. 4., vollstĂ€ndig ĂŒberarbeitete Auflage. Springer, Heidelberg 2005, ISBN 3-540-20254-4, S. 64â66.
- â Ralf Bill: Raumbezug. In: OpenGeoEdu. Abgerufen am 24. September 2024.
- 1 2 Norbert Bartelme: Geoinformatik: Modelle, Strukturen, Funktionen. 4., vollstĂ€ndig ĂŒberarbeitete Auflage. Springer, Berlin Heidelberg New York 2005, ISBN 3-540-20254-4, S. 43â51.
- â Norbert de Lange: Geoinformatik in Theorie und Praxis: Grundlagen von Geoinformationssystemen, Fernerkundung und digitaler Bildverarbeitung (= Lehrbuch). 4., grundlegend ĂŒberarbeitete und erweiterte Auflage. Springer Spektrum, Berlin [Heidelberg] 2020, ISBN 978-3-662-60708-4, S. 185 f.
- â Manfred Ehlers, Jochen Schiewe: Geoinformatik (= Geowissen kompakt). WBG, Darmstadt 2012, ISBN 978-3-534-23526-1, S. 19â33.
- â Norbert de Lange: Geoinformatik in Theorie und Praxis: Grundlagen von Geoinformationssystemen, Fernerkundung und digitaler Bildverarbeitung (= Lehrbuch). 4., grundlegend ĂŒberarbeitete und erweiterte Auflage. Springer Spektrum, Berlin [Heidelberg] 2020, ISBN 978-3-662-60708-4, S. 215 f.
- â Norbert Bartelme: Geoinformatik: Modelle Strukturen Funktionen. 4., vollstĂ€ndig ĂŒberarbeitete Auflage. Springer, Heidelberg 2005, ISBN 3-540-20254-4, S. 8â12.
- â Manfred Ehlers, Jochen Schiewe: Geoinformatik (= Geowissen kompakt). WBG (Wissenschaftliche Buchgesellschaft), Darmstadt 2012, ISBN 978-3-534-72826-8, S. 1â10.
- 1 2 3 Geoinformation und ihre Dimensionen. (PDF) In: Geoinformation â Neue Medien fĂŒr die EinfĂŒhrung eines neuen Querschnittsfaches. UniversitĂ€t Bonn, 2003, abgerufen am 25. September 2024.
- â Norbert de Lange: Geoinformatik in Theorie und Praxis: Grundlagen von Geoinformationssystemen, Fernerkundung und digitaler Bildverarbeitung (= Lehrbuch). 4., grundlegend ĂŒberarbeitete und erweiterte Auflage. Springer Spektrum, Berlin [Heidelberg] 2020, ISBN 978-3-662-60708-4, S. 131 f.
- â Grundlagen der DatenqualitĂ€t. (PDF) Christian MĂŒllegger, Uni Wien, 2007, ehemals im (nicht mehr online verfĂŒgbar); abgerufen am 3. Mai 2009. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive)
- â International Organization for Standardization: ISO 19157. Geographic information â Data quality, 2013.
- â GDPR & Geomarketing: Some statements of lawyer Schmidt when geodata is considered as personal data and when it's not. In: infas 360 Blog. 2. August 2018, archiviert vom (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 6. August 2020; abgerufen am 4. Juni 2021 (deutsch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- â Geodaten und die DSGVO â ein Spannungsfeld â BUSINESS GEOMATICS. Abgerufen am 4. Juni 2021 (deutsch).
- â Rothmann, Robert; Sterbik-Lamina, Jaro; Peissl, Walter; Äas, Johann: Aktuelle Fragen der Geodaten-Nutzung auf mobilen GerĂ€ten. (PDF) In: Bericht-Nr. ITA-PB A63. Institut fĂŒr Technikfolgen-AbschĂ€tzung (ITA): Wien; im Auftrag von: Ăsterreichische Bundesarbeitskammer., 2012, abgerufen am 1. MĂ€rz 2019.
- â BGBl. 2013 I Nr. 14
- â Bundesgesetz vom 5. Oktober 2007 ĂŒber Geoinformation, abgerufen am 19. April 2019.