Zum Inhalt springen

Haus Vornholz

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Haus Vornholz, Ansicht Dezember 2013
Haus Vornholz, Ansicht von 1857

Das Haus Vornholz ist ein denkmalgeschĂŒtztes ProfangebĂ€ude in Ostenfelde, einem Ortsteil von Ennigerloh im Kreis Warendorf (Nordrhein-Westfalen).

Geschichte und Architektur

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ausgedehnte Anlage auf zwei Inseln, mit zum Teil wehrhaftem GeprĂ€ge, ist von doppelten GrĂ€ben und einem Wall umgeben. Auf der RĂŒckseite befindet sich ein ParkgelĂ€nde. Die Anlage wurde 1172 erstmals urkundlich erwĂ€hnt.

Um 1330 verlegte der Ritter Hiricus dictus Vinke de Ostenfelde seinen Wohnsitz vom Osthov auf die 500 Meter nordöstlich gelegene und von ihm erbaute Burg Varenholte. Aus Varenholte, was soviel heißt wie „vor dem Holze, bzw. vor dem Walde“, wurde irgendwann „Vornholz“. Bis 1481 blieb die Burg im Besitz der Vincke von Ostenfelde. Ende des 15. Jahrhunderts kam Vornholz an die von Pladies zu HuntemĂŒhlen und 1535 wechselte es ĂŒber Anna von Pladies an Heinrich Vogt von Elspe. 1602 verkaufte Bernhard Vogt von Elspe das Gut an Bernhard von Wettberg.

1655 brannte die Burg aus und wohl aus Geldmangel verkaufte der Rittmeister Albert von Schulz die Burg an Dietrich Hermann von Nagel, Oberkommandierenden der MĂŒnsterischen Truppen, und seine Gattin Margaretha Magdalena von Schilder. Diese ließen die ausgebrannte Burg abbrechen und an gleicher Stelle das heutige Schloss erbauen, nach PlĂ€nen des Architekten Peter Pictorius, im Stil des vĂ€terlichen Haus Itlingen. Hermann Adolph von Nagel (1689–1744) heiratete Johanna Elisabeth Freiin van Doornick, die Erbin von Haus Wohnung. Die Familie von Nagel-Doornick besitzt Haus Vornholz bis heute.

Nach einem Brand wurde das Haupthaus 1666 fĂŒr Dietrich Hermann von Nagel durch Peter Pictorius neu errichtet und danach mehrfach verĂ€ndert. Modernisierungen wurden 1841 durchgefĂŒhrt. Die SeitenflĂŒgel sind, unter Verwendung Ă€lterer Teile, wohl etwas jĂŒnger. Der nördliche KapellenflĂŒgel wurde 1841 verĂ€ndert. Der Nordtrakt ist am westlichen Ende innen mit 1799 bezeichnet.

Haus Vornholz, Innenhof

Die ehemalige Kernburg ist eine DreiflĂŒgelanlage aus verputztem Bruchstein. In der Mitte steht das schlichte, zweigeschossige Haupthaus mit acht Achsen und einem hoch aufragenden Walmdach. Das Portal mit dem Allianzwappen der Familien von Galen und von Nagel ist von einer zweiseitigen Treppe erschlossen. Im Inneren dominiert ebenfalls eine zweiseitige Treppe, sie wurde im 19. Jahrhundert eingebaut. Im Speisesaal ist eine bauzeitliche Balkendecke eingezogen. Der Parkettboden ist mit 1841 bezeichnet. An der Nordseite steht die Kapelle, sie enthĂ€lt ein qualitĂ€tsvoll geschnitztes Kruzifix von der ersten HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts. Die Fassung ist verloren. Die Apostelfiguren vom Ende des 17. Jahrhunderts sind gefasst. Vorburg und Hauptinsel sind auf der Nordseite durch einen WasserbĂ€r aus Backstein verbunden. Er dient zum Aufstauen der GrĂ€fte. In der Mitte befindet sich ein zylindrisches Hindernis, die sogenannte Dame. Außerhalb der GrĂ€ftenanlage stehen langgestreckte Stallungen, die wohl sekundĂ€r mit 1780 bezeichnet wurden, sie wurden im 19. Jahrhundert mehrfach nach Osten erweitert. Besitzer waren im 19. Jahrhundert August von Nagel-Doornick und sein Sohn Clemens August von Nagel-Doornick. Die Rentei ist ein eingeschossiger, verputzter Backsteinbau unter einem Walmdach. Sie steht auf einem Kellersockel und wurde Ende des 18. Jahrhunderts gebaut.

GestĂŒt Vornholz

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Clemens Freiherr von Nagel-Doornick grĂŒndete 1937 das GestĂŒt Vornholz, das nach seinem Tode 1977 wieder aufgelöst wurde. Von Nagel gehörte zu den ersten ZĂŒchtern, die gezielt Pferde fĂŒr den Leistungssport zĂŒchten.[1][2][3][4] Die 1930 geborenen Stute FinnlĂ€nderin war eine der Stammstuten des GestĂŒts.[5]

Nagel-Doornicks Schwester war die Dressurreiterin Ida von Nagel, die als erste deutsche Frau, die bei Olympischen Spielen eine Medaille im Dressurreiten errang. Bei den Olympischen Sommerspielen 1952 in Helsinki gewann sie auf Afrika (10. der Einzelwertung) mit der deutschen Equipe die Bronzemedaille im Dressurreiten zusammen mit Heinz Pollay auf Adular (7. der Einzelwertung) und Fritz Thiedemann auf Chronist (12. der Einzelwertung). Alle drei Pferde waren im GestĂŒt Vornholz gezogen. Bei den bei Olympischen Spielen 1956 in Stockholm gewannen Adular mit Liselott Linsenhoff (Bronzemedaille in der Einzelwertung) und Afrika mit Anneliese KĂŒppers die Silbermedaille mit der Equipe.[6][7]

Der einflussreichste Hengst der Vornholzer Zucht war Ramzes (1937–1966, von Rittersporn xx aus der Jordi), der großen Einfluss auf die WestfĂ€lische Sportpferde Zucht hatte und aus dessen Linie beispielsweise die BeschĂ€ler Ramiro und Rubinstein stammten.[8][9][10][11] In den 70er Jahren war Gabriele Pochhammer GestĂŒtsleiterin und fĂŒhrte das Zuchtbuch. Nach dem Tode von Clemens Freiherr von Nagel-Doornick im Jahr 1977 wurde das GestĂŒt aufgelöst.[12]

Commons: Haus Vornholz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 51° 52â€Č 6,8″ N, 8° 5â€Č 6,8″ O

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. ↑ Clemens von Nagel – Pferdemann und VisionĂ€r (Teil 1), Johanna Mayer, Horse Gate, 24. MĂ€rz 2020
  2. ↑ Clemens von Nagel – Pferdemann und VisionĂ€r (Teil 2), Johanna Mayer, Horse Gate, 24. MĂ€rz 2020
  3. ↑ Clemens von Nagel – Pferdemann und VisionĂ€r (Teil 3), Johanna Mayer, Horse Gate, 24. MĂ€rz 2020
  4. ↑ What made German Dressage great? Part 4, auf horsemagazine.com, 20. Juni 2018
  5. ↑ Marina *1952, auf allbreedpedigree.com
  6. ↑ Afrika, auf allbreedpedigree.com
  7. ↑ Adular, auf allbreedpedigree.com
  8. ↑ Ramzes, auf gestuet-haemelschenburg.de
  9. ↑ Ramzes Teil 1, Johanna Mayer, Horse Gate, 10. Juni 2020
  10. ↑ Ramzes Teil 2, Johanna Mayer, Horse Gate, 9. Juni 2020
  11. ↑ Ramzes Teil 3, Johanna Mayer, Horse Gate, 8. Juni 2020
  12. ↑ Laura Becker: Persönlichkeiten der Pferdeszene: Gabriele Pochhammer Queen des Pferdejournalismus. Auf pm-forum-digital.de. September 2022.