Zum Inhalt springen

Heinz Weisener

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie

Heinz Weisener (* 16. MĂ€rz 1928 in Hamburg; † 7. April 2005 ebenda) war ein deutscher Architekt und FußballfunktionĂ€r. Von 1990 bis 2000 war er PrĂ€sident des Hamburger Vereins FC St. Pauli. Weisener durchlief eine Maurerlehre und wurde dann Architekt. Sein ArchitekturbĂŒro war in der Hansastraße in Hamburg-Rotherbaum ansĂ€ssig.[1]

Bauten und EntwĂŒrfe (Auswahl)

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • 1973: Wohnkomplex Eiffestraße in Hamburg[2]
  • 1996: Treffpunkt Geißenweide in Berlin
    Es handelt sich um einen von Weisener selbst finanzierten GebÀudekomplex mit 200 Wohnungen und GewerbeflÀchen, dessen Baukosten mit 22,5 Millionen Euro angegeben sind.[3]
  • 1999–2005: In Berlin fĂŒhrte der Architekt etliche Wohnprojekte im Entwicklungsgebiet Alter Schlachthof aus. Auf eigens durch sein BĂŒro Weisener KG erworbenen GrundstĂŒcken realisierte er die ersten StadthĂ€user.[4]
  • 2000: Gewerbezirkel Fangdieckstraße in Hamburg
    Im Auftrag einer Beratungsfirma fĂŒr 9,2 Millionen Euro fertiggestellt.[3]
  • 2001: PlĂ€ne fĂŒr ein Löwenstadion der Zukunft fĂŒr den Sportclub TSV 1860 MĂŒnchen, die 2009 veröffentlicht wurden.[5][6]

Sein Lieblingsprojekt, den Neubau des Stadions am Millerntor und die Errichtung weiterer Anlagen fĂŒr Sport und Unterhaltung in unmittelbarer NĂ€he, konnte Weisener jedoch nicht verwirklichen. Bereits in den 1980er Jahren nahm Weisener Planungen fĂŒr dieses Vorhaben auf und war MitbegrĂŒnder einer Planungsgesellschaft.[7]

Fußballengagement

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weisener war ab 1981 Mitglied des FC St. Pauli, ab 1984 war stellvertretender Vorsitzender,[1] ehe er im Februar 1990 ins Amt des Vorsitzenden gewĂ€hlt wurde. Den Verein plagten zu dieser Zeit rund 5,5 Millionen D-Mark Schulden. Am Tag seines Amtsantritts kĂŒndigte Weisener an, den Verein „transparenter und demokratischer“ fĂŒhren zu wollen.[8] Unter seiner Leitung gelang es, die Schulden zeitweise weitgehend abzubauen. GegenĂŒber dem millionenschweren Architekten und CDU-Mitglied[9] aus dem wohlhabenden Stadtteil Hamburg-Harvestehude bestand bei Teilen der AnhĂ€nger- und Mitgliederschaft zunĂ€chst Skepsis,[10] auch weil er gemeinsam mit seinem VorgĂ€nger Otto Paulick federfĂŒhrend PlĂ€ne eines Umbaus des Millerntorstadions zu einem Sport- und Erlebniszentrum geschmiedet hatte, die Ende der 1980er Jahre wegen des Widerstands von AnhĂ€ngern und Anwohnern verworfen wurden.[11] Von den Fans wurde er „Papa Heinz“ genannt, Weisener war der Prototyp eines Vereinspatriarchen,[12] ein Teil der Vereinsmitarbeiter warf ihm vor, ein Alleinherrscher gewesen zu sein und das Versprechen einer transparenten und demokratischen AmtsfĂŒhrung nicht eingehalten zu haben.[13] Ihm wurde zudem die hohe Anzahl an personellen Wechseln im Traineramt und in der GeschĂ€ftsfĂŒhrung zur Last gelegt.[14] In seine Amtszeit fiel der Bundesliga-Aufstieg 1995, zu diesem Zeitpunkt war der Verein laut Weisener „so gut wie schuldenfrei“.[15] Ende Oktober 1995 wurde er zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt.[16] WĂ€hrend seiner weiteren Amtszeit verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage des FC St. Pauli wieder.[17]

GrabstÀtte

Mehrfach rettete er seinen Klub durch ZuschĂŒsse aus seinem Privatvermögen vor dem drohenden Ruin. Als dem Verein 1999 die Teilnahmeberechtigung an der 2. Bundesliga verweigert wurde, bĂŒrgte Weisener fĂŒr ein Darlehen in Höhe von sieben Millionen D-Mark, letztlich wurde die Lizenz dann doch unter Auflagen erteilt.[18] Weisener geriet wegen der wieder deutlich verschlechterten wirtschaftlichen Lage des Vereins und des von ihm mehrmals angekĂŒndigten, aber in seiner Amtszeit nie umgesetzten Stadionausbaus stark in die Kritik.[19] Seiner Aussage nach habe er „bis an die Grenze des Vertretbaren in den Verein investiert“.[1] Insgesamt steckte Weisener rund zehn Millionen D-Mark seines Vermögens in den Verein,[20] andere Quellen sprechen von rund 20 Millionen Mark.[9] Er nannte den FC St. Pauli „meine Geliebte“.[21] Bei seinem Abschied im Oktober 2000 belasteten den Verein rund 1,5 Millionen D-Mark Schulden.[1] Einige Monate nach Weiseners RĂŒcktritt stieg St. Pauli völlig unerwartet in die 1. Bundesliga auf.

Weisener war viermal verheiratet und hatte fĂŒnf Kinder.[1] Sein Sohn Götz war bis Februar 2001 beim FC St. Pauli fĂŒr die Vermarktung zustĂ€ndig.[22] Heinz Weisener starb an einer Lungenkrankheit.[14] Im Nachruf des Vereins wurde er vom damaligen PrĂ€sidenten Corny Littmann als „herausragende Persönlichkeit“ und „Vaterfigur“ bezeichnet.[23]

Heinz Weisener lebte zuletzt im Hamburger Stadtteil Harvestehude und wurde am 14. April 2005 auf dem Nienstedtener Friedhof beigesetzt.[24]

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. 1 2 3 4 5 „Ich war nie machtsĂŒchtig“. In: Hamburger Abendblatt. 21. Oktober 2000, archiviert vom Original am 6. April 2023; abgerufen am 4. Oktober 2020.
  2. ↑ (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prĂŒfe den Link gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.) Details zum Wohnprojekt Eiffestraße, abgerufen am 31. Januar 2011
  3. 1 2 Homepage einer Consulting Firma mit einer Liste von Referenzobjekten, u. a. Werke von Heinz Weisener (Memento vom 19. Februar 2014 im Internet Archive)
  4. ↑ Information des Berliner Senats zu den Arbeiten im EGAS zwischen 1999 und 2007; abgerufen am 31. Januar 2011 (Memento vom 4. Dezember 2015 im Internet Archive) (PDF; 2,9 MB)
  5. ↑ Kurzinfo und Modelle des GrĂŒnwalder Stadions (Löwenstadion) auf merkur-online.de. Abgerufen am 31. Januar 2011
  6. ↑ (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prĂŒfe den Link gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.) Modellansicht des Stadions auf MĂŒnchenarchitektur.com
  7. ↑ Der Senator und das kĂŒhne Projekt „Stadion 2000“. In: Hamburger Abendblatt. 27. Oktober 1988, archiviert vom Original am 17. Juni 2022; abgerufen am 17. Juni 2022.
  8. ↑ Abschied von einer Geliebten. In: Hamburger Abendblatt. 20. Februar 1990, archiviert vom Original am 4. September 2021; abgerufen am 2. April 2022.
  9. 1 2 "Papa Heinz" ist tot - St. Pauli trauert um Ex-Chef Weisener. In: Die Welt. 8. April 2005 (archive.org [abgerufen am 4. Oktober 2020]).
  10. ↑ Abschied des „Großen Otto“. In: Die Tageszeitung: taz. 21. Februar 1990, ISSN 0931-9085, S. 14 (taz.de [abgerufen am 4. Oktober 2020]).
  11. ↑ Jan Feddersen: Kein Disneyland auf dem St.-Pauli-Kiez. In: Die Tageszeitung: taz. 11. April 1989, ISSN 0931-9085, S. 5 (taz.de [abgerufen am 4. Oktober 2020]).
  12. ↑ "Papa" Heinz Weisener gestorben. In: Hamburger Abendblatt. 9. April 2005, archiviert vom Original am 28. August 2023; abgerufen am 28. August 2023.
  13. ↑ Heinz Weisener tot: Der Vater des FC St. Pauli. In: Die Tageszeitung: taz. 9. April 2005, ISSN 0931-9085, S. 25 (taz.de [abgerufen am 4. Oktober 2020]).
  14. 1 2 Werner Langmaack: "Papa Heinz", der glĂŒcklose Patriarch und MĂ€zen. In: Die Welt. 28. Mai 2010 (welt.de [abgerufen am 4. Oktober 2020]).
  15. ↑ Wir sind lieber ein Kleiner von den Großen. In: Hamburger Abendblatt. 19. Juni 1995, archiviert vom Original am 7. April 2023; abgerufen am 2. April 2022.
  16. ↑ PrĂ€sident Weisener Ehren-Mitglied. In: Hamburger Abendblatt. 31. Oktober 1995, abgerufen am 20. September 2023.
  17. ↑ Keine Lizenz fĂŒr FC St. Pauli. In: Hamburger Morgenpost. 17. April 1999, abgerufen am 4. Oktober 2020.
  18. ↑ 2.Bundesliga: Auch St. Pauli erhĂ€lt Lizenz. In: Der Spiegel. Abgerufen am 4. Oktober 2020.
  19. ↑ St. Paulis PrĂ€sident steckt im Chaos - und hat seine GlaubwĂŒrdigkeit verloren: Was nun, Herr Weisener? In: Hamburger Morgenpost. 9. Februar 2000, abgerufen am 4. Oktober 2020.
  20. ↑ Das Ende einer Ära. Hamburger Abendblatt, 21. Oktober 2000, archiviert vom Original am 6. April 2023; abgerufen am 4. Oktober 2020.
  21. ↑ Trauer bei St. Pauli: Ex-PrĂ€sident Weisener ist tot. In: Der Spiegel. Abgerufen am 4. Oktober 2020.
  22. ↑ Götz Weisener fristlos gekĂŒndigt. In: Hamburger Abendblatt. 21. Februar 2001, abgerufen am 4. Oktober 2020.
  23. ↑ "Papa Heinz" ist tot. In: N-TV. Abgerufen am 4. Oktober 2020.
  24. ↑ Schriftliche Auskunft der Friedhofsverwaltung vom 3. November 2022