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Hercules W 2000

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Hercules

Hercules Wankel 2000 Injection
W 2000
Hersteller Hercules
Verkaufsbezeichnung W 2000
Produktionszeitraum 1974 bis 1979
Klasse Motorrad
Bauart Naked Bike
Motordaten
geblĂ€se­ge­kĂŒhl­ter Wankelmotor
Kammervolumen 294 cm³
Leistung 20/27 bei 6500 1/min kW/PS
Drehmoment 35 bei 4500 1/min Nm
Höchst­geschwin­digkeit 138 km/h
Getriebe 6 GĂ€nge
Antrieb Ketten­antrieb
Bremsen 300-mm-Schei­ben­bremsen vorn
180-mm-Trom­mel­bremse hinten
Leergewicht 176 kg

Die Hercules Wankel W 2000 ist ein von einem Wankelmotor angetriebenes Motorrad des Zweiradherstellers Hercules, das von 1974 bis 1979 gefertigt wurde.

W 2000 im Motorradmuseum IbbenbĂŒren
Motor der Hercules Wankel 2000, Museum Autovision, Altlußheim
Hercules Wankel 2000 von 1975 im Zweirad-Museum Neckarsulm

Hercules als Ă€lteste deutsche Fahrrad-, Moped- und Motorradfabrik (gegrĂŒndet 1886) wurde ab Mitte der 1960er-Jahre dem Konzern Fichtel & Sachs angegliedert, nachdem bereits viele Jahre eine intensive Zusammenarbeit mit diesem damals grĂ¶ĂŸten deutschen Zulieferer von Zweitakt-Einbaumotoren bestanden hatte. Fichtel & Sachs hatte schon Anfang der 1960er Jahre die Lizenzrechte zur Fertigung von Wankelmotoren von NSU erworben, ursprĂŒnglich fĂŒr StationĂ€rmotoren bis zu einer maximalen Leistung von 22 kW (30 PS). Ende der 1960er Jahre begannen Versuche mit einem Motorradantrieb, nachdem Wankelmotoren von Sachs sich bereits zigtausendfach in Schneemobilen und fĂŒr stationĂ€re Anwendungen bewĂ€hrt hatten.[1]

So erschien zur 27. Internationalen Fahrrad- und Motorradausstellung (IFMA) 1970 in Köln eine Modellstudie von Hercules, bei der versuchsweise ein Schneemobil-Wankelmotor von Sachs in leicht abgewandelter Form mit einem Vierganggetriebe und einem Kardanantrieb von einer BMW R 27 lÀngs zur Fahrtrichtung in einen von Hercules entwickelten Motorradrahmen montiert war.

Das allgemein große Interesse der Fachpresse und auch der IFMA-Besucher an dieser Maschine fĂŒhrte letztlich zu der unternehmerischen Entscheidung von Sachs/Hercules, ein Wankelmotorrad in Serie zu fertigen. In einem nĂ€chsten Schritt wurde eine Vorserien-Testreihe von 50 Maschinen aufgelegt und 1973 an ausgesuchte Sachs/Hercules-HĂ€ndler geliefert. Die Erfahrungen aus diesem Feldversuch sollten danach in der spĂ€teren Serienfertigung berĂŒcksichtigt werden.

Die Serienfertigung der Hercules W 2000 begann 1974. Die 176 kg schwere Maschine hatte zunĂ€chst eine Nennleistung von 25 PS, spĂ€ter 20 kW (27 PS) bei einem Einzelkammervolumen von 294 cmÂł. Der geblĂ€segekĂŒhlte Dreikammer-Einscheiben-Kreiskolbenmotor erzeugt ein maximales Drehmoment von 35 Nm bei einer Drehzahl von 4000 min−1. Das Motorrad beschleunigt in 7,8 s von 0 auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 138 km/h. Die erste Bauserie wurde ab September 1974 an die Kunden ausgeliefert.

Da zur gleichen Zeit auch andere Motorradhersteller (Suzuki, Honda, Yamaha und MZ) mit dem Wankelantrieb experimentierten, hatte sich Hercules zum Ziel gesetzt, als weltweit erster Hersteller die Serienfertigung aufzunehmen. Dieses Ziel wurde auch erreicht. Allerdings fĂŒhrte die verfrĂŒht aufgenommene Serienfertigung zu konstruktiven SchwĂ€chen und entsprechenden Kundenreklamationen.

Die Verkaufszahlen blieben gering. Das lag zuerst einmal am hohen Verkaufspreis (4550 DM gegenĂŒber rund DM 2500 fĂŒr eine 250er Honda) und auch am hohen Kraftstoffverbrauch von 7,2 Litern auf 100 km (Testwert).[2] Dazu kam, dass die W 2000 in einigen wenigen Details (Cockpit, ZĂŒndschlĂŒssel) an die KleinkraftrĂ€der aus dem Hause Hercules erinnerte.

Zur IFMA 1976 wurde eine modifizierte Variante unter dem Namen „Hercules Wankel 2000 Injection“ vorgestellt. Sie enthielt einige technische Verbesserungen, vor allen Dingen eine Getrenntschmierung mit separatem Öltank und Öldosierpumpe. Dadurch entfiel das lĂ€stige Ölbeimischen beim Tanken.

Insgesamt wurden knapp 1800 MotorrĂ€der der beiden Baureihen gefertigt. Die letzten Maschinen wurden bis Ende der 1970er-Jahre an den Fachhandel ausgeliefert. Am 1. Januar 2012 waren in Deutschland noch 128 MotorrĂ€der zugelassen.[3] Einige wenige Exemplare haben bis zur Jahrtausendwende in HĂ€ndlerlagern â€žĂŒberlebt“, ohne jemals fĂŒr den Straßenverkehr zugelassen worden zu sein. Sie sind heute gesuchte SammlerstĂŒcke. Wegen des dem Motor vorgelagerten, groß dimensionierten KĂŒhlluftgeblĂ€ses wurde das Motorrad auch „Staubsauger“ genannt.

„Überhaupt strotzt die W 2000 von vorn bis hinten vor Kompromissen. Da hilft es auch nicht, wenn die Hercules-Anzeigen titeln: »Der SouverĂ€n. Vor Ihnen steht die Zukunft.« Denn nach Zukunft sieht hier ĂŒberhaupt nichts aus, sondern nach einem etwas hausbacken gestylten Motorrad der frĂŒhen Siebziger. Mit klobigen Schaltern, Moped-Armaturen im Wasseruhren-Look, einem kuriosen Antrieb, der alles andere als eine Augenweide ist, und in der Vorserie sogar noch mit einer Trommelbremse im Vorderrad.“

– Christoph Driesen: Tourenfahrer[3]
Commons: Hercules W2000 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. ↑ Dieter Klauke: Wankelmotor – da war doch mal was? BoD, 2019, ISBN 978-3-7460-2665-7.
  2. ↑ Das Motorrad, Heft 13/1975, Motor-Presse-Verlag, Stuttgart.
  3. 1 2 Christoph Driesen: Der Staubsauger. In: Tourenfahrer. Ausgabe Dezember 2012, S. 104.