Hercules W 2000
| Hercules | |
|---|---|
Hercules Wankel 2000 Injection | |
| W 2000 | |
| Hersteller | Hercules |
| Verkaufsbezeichnung | W 2000 |
| Produktionszeitraum | 1974 bis 1979 |
| Klasse | Motorrad |
| Bauart | Naked Bike |
| Motordaten | |
| geblĂ€seÂgeÂkĂŒhlÂter Wankelmotor | |
| Kammervolumen | 294Â cmÂł |
| Leistung | 20/27 bei 6500 1/min kW/PS |
| Drehmoment | 35 bei 4500 1/min Nm |
| HöchstÂgeschwinÂdigkeit | 138 km/h |
| Getriebe | 6 GĂ€nge |
| Antrieb | KettenÂantrieb |
| Bremsen | 300-mm-ScheiÂbenÂbremsen vorn 180-mm-TromÂmelÂbremse hinten |
| Leergewicht | 176Â kg |
Die Hercules Wankel W 2000 ist ein von einem Wankelmotor angetriebenes Motorrad des Zweiradherstellers Hercules, das von 1974 bis 1979 gefertigt wurde.
Geschichte
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Hercules als Ă€lteste deutsche Fahrrad-, Moped- und Motorradfabrik (gegrĂŒndet 1886) wurde ab Mitte der 1960er-Jahre dem Konzern Fichtel & Sachs angegliedert, nachdem bereits viele Jahre eine intensive Zusammenarbeit mit diesem damals gröĂten deutschen Zulieferer von Zweitakt-Einbaumotoren bestanden hatte. Fichtel & Sachs hatte schon Anfang der 1960er Jahre die Lizenzrechte zur Fertigung von Wankelmotoren von NSU erworben, ursprĂŒnglich fĂŒr StationĂ€rmotoren bis zu einer maximalen Leistung von 22 kW (30 PS). Ende der 1960er Jahre begannen Versuche mit einem Motorradantrieb, nachdem Wankelmotoren von Sachs sich bereits zigtausendfach in Schneemobilen und fĂŒr stationĂ€re Anwendungen bewĂ€hrt hatten.[1]
So erschien zur 27. Internationalen Fahrrad- und Motorradausstellung (IFMA) 1970 in Köln eine Modellstudie von Hercules, bei der versuchsweise ein Schneemobil-Wankelmotor von Sachs in leicht abgewandelter Form mit einem Vierganggetriebe und einem Kardanantrieb von einer BMW R 27 lÀngs zur Fahrtrichtung in einen von Hercules entwickelten Motorradrahmen montiert war.
Das allgemein groĂe Interesse der Fachpresse und auch der IFMA-Besucher an dieser Maschine fĂŒhrte letztlich zu der unternehmerischen Entscheidung von Sachs/Hercules, ein Wankelmotorrad in Serie zu fertigen. In einem nĂ€chsten Schritt wurde eine Vorserien-Testreihe von 50 Maschinen aufgelegt und 1973 an ausgesuchte Sachs/Hercules-HĂ€ndler geliefert. Die Erfahrungen aus diesem Feldversuch sollten danach in der spĂ€teren Serienfertigung berĂŒcksichtigt werden.
Die Serienfertigung der Hercules W 2000 begann 1974. Die 176 kg schwere Maschine hatte zunĂ€chst eine Nennleistung von 25 PS, spĂ€ter 20 kW (27 PS) bei einem Einzelkammervolumen von 294 cmÂł. Der geblĂ€segekĂŒhlte Dreikammer-Einscheiben-Kreiskolbenmotor erzeugt ein maximales Drehmoment von 35 Nm bei einer Drehzahl von 4000 minâ1. Das Motorrad beschleunigt in 7,8 s von 0 auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 138 km/h. Die erste Bauserie wurde ab September 1974 an die Kunden ausgeliefert.
Da zur gleichen Zeit auch andere Motorradhersteller (Suzuki, Honda, Yamaha und MZ) mit dem Wankelantrieb experimentierten, hatte sich Hercules zum Ziel gesetzt, als weltweit erster Hersteller die Serienfertigung aufzunehmen. Dieses Ziel wurde auch erreicht. Allerdings fĂŒhrte die verfrĂŒht aufgenommene Serienfertigung zu konstruktiven SchwĂ€chen und entsprechenden Kundenreklamationen.
Die Verkaufszahlen blieben gering. Das lag zuerst einmal am hohen Verkaufspreis (4550 DM gegenĂŒber rund DM 2500 fĂŒr eine 250er Honda) und auch am hohen Kraftstoffverbrauch von 7,2 Litern auf 100 km (Testwert).[2] Dazu kam, dass die W 2000 in einigen wenigen Details (Cockpit, ZĂŒndschlĂŒssel) an die KleinkraftrĂ€der aus dem Hause Hercules erinnerte.
Zur IFMA 1976 wurde eine modifizierte Variante unter dem Namen âHercules Wankel 2000 Injectionâ vorgestellt. Sie enthielt einige technische Verbesserungen, vor allen Dingen eine Getrenntschmierung mit separatem Ăltank und Ăldosierpumpe. Dadurch entfiel das lĂ€stige Ălbeimischen beim Tanken.
Insgesamt wurden knapp 1800 MotorrĂ€der der beiden Baureihen gefertigt. Die letzten Maschinen wurden bis Ende der 1970er-Jahre an den Fachhandel ausgeliefert. Am 1. Januar 2012 waren in Deutschland noch 128 MotorrĂ€der zugelassen.[3] Einige wenige Exemplare haben bis zur Jahrtausendwende in HĂ€ndlerlagern âĂŒberlebtâ, ohne jemals fĂŒr den StraĂenverkehr zugelassen worden zu sein. Sie sind heute gesuchte SammlerstĂŒcke. Wegen des dem Motor vorgelagerten, groĂ dimensionierten KĂŒhlluftgeblĂ€ses wurde das Motorrad auch âStaubsaugerâ genannt.
Kritik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]âĂberhaupt strotzt die W 2000 von vorn bis hinten vor Kompromissen. Da hilft es auch nicht, wenn die Hercules-Anzeigen titeln: »Der SouverĂ€n. Vor Ihnen steht die Zukunft.« Denn nach Zukunft sieht hier ĂŒberhaupt nichts aus, sondern nach einem etwas hausbacken gestylten Motorrad der frĂŒhen Siebziger. Mit klobigen Schaltern, Moped-Armaturen im Wasseruhren-Look, einem kuriosen Antrieb, der alles andere als eine Augenweide ist, und in der Vorserie sogar noch mit einer Trommelbremse im Vorderrad.â
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Dieter Klauke: Wankelmotor â da war doch mal was? BoD, 2019, ISBN 978-3-7460-2665-7.
- â Das Motorrad, Heft 13/1975, Motor-Presse-Verlag, Stuttgart.
- 1 2 Christoph Driesen: Der Staubsauger. In: Tourenfahrer. Ausgabe Dezember 2012, S. 104.
