Zum Inhalt springen

Jochen Martin

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie

Jochen Gustav Martin (* 26. Dezember 1936 in Peiskretscham, Kreis Tost-Gleiwitz, Provinz Oberschlesien; † 3. Mai 2025 in Freiburg im Breisgau[1]) war ein deutscher Althistoriker und Hochschullehrer.

Leben und Wirken

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jochen Martin wurde als Sohn des Bankangestellten Rudolf Martin und dessen Frau Lucie, geb. Bormke, im oberschlesischen Peiskretscham (Kreis Tost-Gleiwitz) geboren und wuchs in Mainburg/Niederbayern und Neufelderkoog bei BrunsbĂŒttel auf.[2] Nach dem Abitur am Gymnasium Marne (Holstein) 1956 studierte er Geschichte und Latein an den UniversitĂ€ten Kiel, TĂŒbingen und Freiburg im Breisgau. Von 1962 bis 1964 war er Redakteur des Lexikons fĂŒr Theologie und Kirche (LThK) beim Herder-Verlag in Freiburg. 1965 wurde er an der UniversitĂ€t Freiburg mit einer Arbeit ĂŒber die Popularen in der spĂ€ten Römischen Republik bei Herbert Nesselhauf promoviert. Ab 1966 war Martin Assistent am Lehrstuhl fĂŒr Alte Geschichte der UniversitĂ€t Konstanz bei Herbert Nesselhauf und habilitierte sich dort 1972. In den folgenden Jahren war er UniversitĂ€tsdozent in Freiburg. 1976 wurde er Professor fĂŒr Alte Geschichte an der UniversitĂ€t Bielefeld, 1980 in Freiburg. Die Beschreibung des Lehrstuhls wurde 1994 aufgrund von Martins Forschungsschwerpunkt in „Alte Geschichte und Historische Anthropologie“ geĂ€ndert. 2002 wurde Martin emeritiert. Als akademischer Lehrer betreute er 17 Dissertationen als Erstgutachter, mehr als 20 als Zweitgutachter sowie 5 Gutachten in Habilitationsverfahren der Alten Geschichte. Dazu zĂ€hlten Egon Flaig, Ulrich Gotter, Linda-Marie GĂŒnther, Winfried Schmitz und Eckhard Wirbelauer.[3]

Er beschĂ€ftigte sich schwerpunktmĂ€ĂŸig mit der Geschichte der SpĂ€tantike und dem frĂŒhen Christentum sowie der historischen Anthropologie. Sein Renommee innerhalb des Faches und in der Studentenschaft stĂŒtzte sich zum einen auf seine konzeptionell orientierten Abhandlungen, zum anderen auf seine als exzellent und anspruchsvoll geltenden Lehrveranstaltungen.[4] Ab 1972 war er Mitherausgeber und von 1977 bis 2007 Schriftleiter des Saeculums. Martin war ab 1978 Mitglied der Accademia Costantiniana.

Schriften (Auswahl)

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • Die Popularen in der Geschichte der spĂ€ten Republik. Freiburg 1965 (zugleich: phil. Diss., UniversitĂ€t Freiburg 1965).
  • Die Genese des Amtspriestertums in der frĂŒhen Kirche. Herder, Freiburg 1972, ISBN 3-451-02048-3.
  • SpĂ€tantike und Völkerwanderung (= Oldenbourg Grundriss der Geschichte. Band 4). Oldenbourg, MĂŒnchen 1987. 4. Auflage 2001, ISBN 3-486-49684-0.
  • Bedingungen menschlichen Handelns in der Antike. Gesammelte BeitrĂ€ge zur Historischen Anthropologie. Herausgegeben von Winfried Schmitz. Steiner, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-515-09311-8.
  • Der Weg zur Ewigkeit fĂŒhrt ĂŒber Rom. Die FrĂŒhgeschichte des Papsttums und die Darstellung der neutestamentlichen Heilsgeschichte im Triumphbogenmosaik von Santa Maria Maggiore in Rom. Steiner, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-515-09386-6.
  1. ↑ Traueranzeige in der Badischen Zeitung, 6. Mai 2025, S. 32 (online).
  2. ↑ European Biographical Directory, 9th edition (1991–1992), Bd. 2: L-Z, S. 1440.
  3. ↑ Eckhard Wirbelauer: Jochen Martin (1936–2025). In: Historische Zeitschrift 322, 2026, S. 125–130, hier: S. 130.
  4. ↑ Uwe Walter: Rezension. In: Bonner JahrbĂŒcher. Band 208, 2008 (2010), S. 405 (online).