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Panoramascheibe

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Panorama-Windschutzscheibe (obere A-SĂ€ule nach vorn geneigt)
Designstudie: General Motors Le Sabre 1951

Die Bezeichnung Panoramascheibe wird historisch fĂŒr eine besonders geformte und geschnittene Windschutzscheibe oder Heckscheibe im Automobil verwendet. Die ScheibenflĂ€che ist an den Seiten um bis zu 90° zur LĂ€ngsachse des Fahrzeugs gekrĂŒmmt. Die Scheibe ist außerdem so geschnitten, dass die unteren gerundeten Ecken jeweils einen spitzen Innenwinkel aufweisen. Die A-SĂ€ule ist daher auf Scheibenhöhe im Gegensatz zur ĂŒblichen Bauweise in Gegenrichtung geneigt. Die TĂŒr-Seitenfenster gleichen diesen Maßunterschied gegebenenfalls mit einem vorderen Ausstellfenster aus, das unten kĂŒrzer als oben ist. Es gibt auch Modelle mit 90°-Winkel bei der A-SĂ€ule. Bei einer Panoramascheibe im Heckfenster verlĂ€uft die seitliche Karosserieeinrahmung im Vergleich zu konventionellen Bauformen ebenfalls in umgekehrter SchrĂ€grichtung.

Heute werden andere großzĂŒgig gestaltete, in den Dachbereich ragende Autoscheiben als „Panoramascheibe“ oder „Panorama-Windschutzscheibe“ bezeichnet.[1][2] Gelegentlich werden auch weit nach vorne gezogene Windschutzscheiben als solche bezeichnet.[3]

FrĂŒhe AusfĂŒhrungen einer Panoramasicht

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Seit den 1920er Jahren gab es BemĂŒhungen, die Rundumsicht im Auto zu verbessern. Geschlossene Karosserien erhielten oft komplizierte Vorbauten mit mehrteiligen Scheiben, allerdings dĂŒrfte dabei eher die UnterstĂŒtzung der primitiven Scheibenwischer im Vordergrund gestanden haben. Edmund Rumpler war der erste, der fĂŒr Autoscheiben gebogenes Glas verwendete. Sein Rumpler-Tropfenwagen hatte eine senkrecht stehende Windschutzscheibe, die im Bogen in die auch gekrĂŒmmten Seitenfenster ĂŒberging. Das ergab niedrigen Luftwiderstand bei guter Sicht.

Einen anderen gestalterischen Ansatz verfolgten, unabhĂ€ngig voneinander, Carrosserie Georges Gangloff in der Schweiz mit einem innovativen TĂŒrscharnier und Carrosserie Labourdette in Frankreich mit einer rahmenlosen Windschutzscheibe. Gangloffs TĂŒrsystem kam ĂŒber den Designer Frank Spring (1893–1959) in die USA und hielt sich einige Jahre in einer verbesserten Version als Clear Vision, patentiert von der Walter M. Murphy Company in Pasadena (Kalifornien).[4]

Mit Labourdettes patentiertem, „Vutotal“ (abgeleitet aus Vue totale, „Totale Sicht“) sollte ganz auf A-SĂ€ulen verzichtet werden. Eine Komponente dabei war extra dickes Glas, das die Konstruktion teilweise mit trug. Dennoch waren Eingriffe in die Konstruktion des Daches beziehungsweise Verdecks notwendig, und das System war sehr teuer.[5]

In einer nĂ€chsten Phase wurde versucht, die A-SĂ€ule seitlich zurĂŒckzuversetzen, um so das Blickfeld nach schrĂ€g vorn zu verbessern. Das fĂŒhrte ab Mitte der 1930er Jahre bei zahlreichen Fahrzeugen zu zweigeteilten Windschutzscheiben. Die beiden HĂ€lften wurden in einem leichten Winkel zueinander angebracht, was auch einen etwas geringeren Luftwiderstand mit sich brachte.

Der Tatra 77 von 1934 und verschiedene Modelle von Panhard & Levassor (darunder X72 Panoramique, Dynamic ab 1936) hatten dreigeteilte Scheiben. Das geneigte Mittelteil rahmten zwei kleine Scheiben an den A-SĂ€ulen ein, die beim Tatra eben und bei Panhard & Levassor abgerundet waren.

Panoramascheibe als Designmode

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Das erste Fahrzeug mit Panoramascheibe war die 1951 von General Motors vorgestellte Konzeptstudie „Le Sabre“.[6] Die Designstudie stammt von Harley Earl, damaliger Leiter der Entwicklungsabteilung von General Motors. Das Fahrzeug enthĂ€lt Elemente des in der Architektur zeitgemĂ€ĂŸen Googie Stils, wie z. B. Heckflossen und einen KĂŒhlergrill, der Stilmerkmale eines DĂŒsenjĂ€gers ĂŒbernimmt. Die Panoramascheibe war ein weiteres Gestaltungsmerkmal. Die amerikanische Bezeichnung lautet „wrap-around windshield“ (herumgewickelte Windschutzscheibe). 1952 (fĂŒr das Modelljahr 1953) erschien mit dem Cadillac Eldorado das vermutlich erste Serienfahrzeug mit Panoramascheibe.[7] In den Folgejahren wurde die Panoramascheibe ein Designmerkmal fast aller US-amerikanischen Personenwagen, insbesondere der Straßenkreuzer, sowie auch bei Pick-ups. In der zweiten HĂ€lfte der 1950er Jahre kam die Mode auch nach Europa. Sie fand bei dem deutschen Automobilhersteller Opel und dem britischen Hersteller Vauxhall sowie weiteren Herstellern Anklang. Auch Kleinwagen wurden mit Panoramascheiben ausgestattet. Die Idee von Labourdette wurde von Pininfarina weiterverfolgt. Der Designer stellte 1956 mit dem Ferrari Superfast eine Studie auf der Basis des Ferrari 410 Superamerica vor, die ganz ohne A-SĂ€ule konstruiert war. Das Fahrzeug musste nach Problemen mit der Steifigkeit jedoch umkonstruiert werden.

Anfang der 1960er Jahre verschwanden Panoramascheiben wieder.

Der praktische Nutzen der Panoramascheiben wird unterschiedlich eingeschĂ€tzt. Sie brachten insbesondere gegenĂŒber der zuvor ĂŒblichen kleinen glattflĂ€chigen oder leicht gekrĂŒmmten Windschutzscheibe eine deutliche Verbesserung und Verbreiterung des Sichtfeldes nach vorne. Möglich wurde diese Erhöhung der Sicherheit durch weiterentwickelte Verfahren bei der Glasherstellung und -verarbeitung im Automobilbau. Die Werbung sprach von einer die Sicherheit erhöhenden, verbesserten Seitensicht. Der Verheißung einer Panoramasicht wurde sie aber nicht gerecht, da unverĂ€ndert eine FenstersĂ€ule vorhanden war. Es gab auch praktische Nachteile: Das Einsteigen vorn war durch die nach hinten ragende Scheibenecke mitunter behindert und durch die großen GlasflĂ€chen konnte sich der Innenraum stark aufheizen. Die A-SĂ€ule konnte im Crashfall wegen der geknickten Form nicht im gleichen Umfang KrĂ€fte in den Dachbereich weiterleiten wie ein konventionelle A-SĂ€ule.

Historische Beispiele der Panoramascheibe

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Unter anderem folgende Fahrzeuge waren mit Panoramascheiben ausgestattet:

Amerikanische Modelle

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Deutsche Modelle

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Sonstige europÀische Modelle

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Deutsche Modelle nur Heck-Panoramascheibe

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Beispiele der heutigen Panorama-Windschutzscheibe

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Opel Astra-J OPC mit heutiger Panorama-Windschutzscheibe

Unter anderem folgende Fahrzeuge wurden oder werden laut eigener Werbeaussagen mit einer Panorama-Windschutzscheibe ausgestattet. Anders als bei den oben beschriebenen Panoramascheiben der 1950er und 1960er Jahre wird der Begriff verwendet, um weit in den Dachbereich hineingezogene Frontscheiben zu beschreiben:

Weitere Anmerkungen

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Bus mit Panoramafenstern
KĂ€ssbohrer Setra S 9, Baujahr 1959
  • Die Porsche-Modelle 911 Targa von 1965 bis 1993 hatten eine Panorama-Heckscheibe, die von 1965 bis zum Modelljahr 1969 herausnehmbar war. Zu dieser Zeit war die Panoramascheibe als Gestaltungstrend lĂ€ngst außer Mode. Hier war es eine naheliegende konstruktive Lösung, die durch die spezielle Form des ÜberrollbĂŒgels bedingt war.
  • General Motors fĂŒhrte Mitte der 1970er Jahre nach einem Facelift seiner F-bodies der zweiten Generation (Chevrolet Camaro sowie Pontiac Firebird und Transam) hintere Panoramascheiben ein.
  • Eine Ă€hnliche Modeerscheinung zur selben Zeit war ein hinten ĂŒberhĂ€ngendes Dach. Die seitliche Silhouette Ă€hnelte einer hinteren Panoramascheibe, Beispiele sind: Ford Anglia 105E, CitroĂ«n Ami 6.
  • Auch bei Lkws wurde vereinzelt die Panoramascheibe – meist mit vertikaler A-SĂ€ule – ĂŒbernommen; Beispiele sind die 1959 auf den Markt gekommenen letzten Modelle von Krupp (Frontlenker und Kurzhauber) und ab 1962 die Baureihe der russischen Lkws ZIL-130 und ZIL-133.
  • Bei Bussen aus den 1950er und 1960er Jahren waren gebogene Fenster in der Dachwölbung an beiden LĂ€ngsseiten sowie manchmal ĂŒber dem Fahrer beliebt, z. B. von Volkswagen, KĂ€ssbohrer/Setra, Neoplan/AuwĂ€rter, Mercedes-Benz und Magirus-Deutz. In diesem Fall spricht man ebenfalls von Panoramascheiben oder „Panoramafenstern“ oder auch „Dachrandverglasung“. Die Sicht fĂŒr die FahrgĂ€ste wurde dadurch wesentlich verbessert, allerdings heizte sich der Innenraum bei Sonneneinstrahlung sehr schnell auf. Eine geteilte Panoramascheibe und Panoramafenster haben zum Beispiel der sowjetische PAZ-672 oder frĂŒhe Versionen des ebenfalls sowjetischen LAZ-695.
  • Auch an offenen Motorbooten sind hĂ€ufig Panoramascheiben zu sehen. WĂ€hrend es im Automobilbau eine vorĂŒbergehende Designmode war – Ă€hnlich wie die Heckflossen – ist die vordere Panoramascheibe bei Motorbooten nach wie vor beliebt. Sie betont die Linien eines sportlichen Motorboots.

Einzelnachweise

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  1. ↑ Peter Wolkenstein, Jens Katemann: Ansichtssache Panoramascheibe: Horizonterweiterung oder Sonnenstich? In: auto-motor-und-sport.de. 7. August 2012, abgerufen am 22. September 2016.
  2. ↑ Marie Weimershaus: Die Panorama-Windschutzscheibe: besseres FahrgefĂŒhl oder einfach nur unpraktisch? In: auto.de. 6. Januar 2010, abgerufen am 22. September 2016.
  3. ↑ Hansruedi Keller: Renault: Neuer Scenic kommt Dezember. In: AutoSprint.ch. 16. September 2016, abgerufen am 23. September 2016.
  4. ↑ Mark Theobald: Walter M. Murphy Co. In: coachbuilt.com. 2004, abgerufen am 20. Oktober 2015 (englisch).
  5. ↑ Labourdette. In: coachbuild.com. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 15. Februar 2018; abgerufen am 20. Oktober 2015 (englisch).
  6. ↑ Llewellyn Hedgbeth: A Clear View: History of Automotive Safety Glass. Second Chance Garage, LLC, abgerufen am 20. Oktober 2015 (englisch).
  7. ↑ 1952, The Wraparound Winshield. GM Heritage Center, archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 5. MĂ€rz 2016; abgerufen am 20. Oktober 2015 (englisch).