Zum Inhalt springen

SC Caudry

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie

Der Star Club CaudrĂ©sien oder kurz SC Caudry war ein Fußballverein aus der nordfranzösischen Kleinstadt Caudry.

GegrĂŒndet wurde der reine Fußballklub 1903; zu den GrĂŒndungsmitgliedern gehörte der damals erst 15-jĂ€hrige LĂ©once Bajart, ein spĂ€ter in der Sozialpolitik sowie wĂ€hrend der deutschen Besetzung (1940–1944) auch in der RĂ©sistance sehr aktiver Bewohner Caudrys. Der Verein schloss sich zunĂ€chst der FĂ©dĂ©ration Cycliste et AthlĂ©tique de France (FCAF) an, einem der bis nach dem Ersten Weltkrieg nebeneinander bestehenden nationalen FußballverbĂ€nde. Nach dem Gewinn der FCAF-Verbandsmeisterschaft 1909 (siehe unten) wechselte der Star Club Caudry zum wesentlich grĂ¶ĂŸeren Konkurrenten Union des sociĂ©tĂ©s françaises de sports athlĂ©tiques (USFSA).
Die Vereinsfarben des SCC, dessen Wappen ein sechszackiger Stern zierte, waren Himmel- und Dunkelblau.[1] Seine Mannschaften trugen ihre Spiele in den ersten drei Jahrzehnten auf einem Rasenplatz neben dem örtlichen Wasserreservoir aus.

Nach GrĂŒndung des einheitlichen Landesverbandes FFFA (1919) trat der Star Club diesem bei. 1935 erhielt er vor allem dank des MĂ€zenatentums seines VereinsprĂ€sidenten ein fĂŒr die damalige Zeit hochmodernes Stadion[2] mit ĂŒberdachter SitztribĂŒne und Rasendrainage, das nach diesem benannt wurde und bis ins 21. Jahrhundert Stade Louis-Sandras heißt.[1] Eingeweiht wurde es mit einem FrauenlĂ€nderspiel zwischen Frankreich und Belgien.[3] Im MĂ€rz 1987 war es erneut Schauplatz einer internationalen Begegnung, als die Französinnen ihre nordirischen Gegnerinnen mit 2:0 besiegten.[4]

1967 gingen die „Besternten“ des SCC aufgrund einer Fusion mit der US Viesly in der Star Union auf. Diesem neuen Verein, der bis 1972 bestand,[5] gelang es aber nicht, den erhofften Sprung wenigstens in eine ĂŒberregionale Amateurliga zu verwirklichen. Bereits 1969 wurde in Caudry mit der Entente Sportive de Caudry ein neuer Fußballklub gegrĂŒndet, der sich selbst als FortfĂŒhrung seines lokalen VorgĂ€ngers betrachtet.[6] Das stadthistorische Museum von Caudry widmete dem Star Club ĂŒber den Jahreswechsel 2012/2013 eine eigene Ausstellung.[7]

Ligazugehörigkeit und Erfolge

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sechs Jahre nach seiner GrĂŒndung stand der SC Caudry im Endspiel um die französische Meisterschaft der FCAF; darin besiegte er die AS Alfortville mit 4:2. Zu einem anschließenden Entscheidungsspiel um die TrophĂ©e de France[8] gegen den TiteltrĂ€ger des katholischen Sportverbands FGSPF, die Bons Gars Bordeaux, kam es nicht – beiden Vereinen waren die Fahrtkosten zu hoch.[9] 1914 gewann der Star Club die Meisterschaft der regionalen zweithöchsten Liga der USFSA (Division Nord B) und nach dem Krieg von 1923 bis 1926 viermal in Folge diejenige der FFFA (Division d’Honneur Nord B).[3]

Als die FFFA bald nach der EinfĂŒhrung des Berufsfußballs (1932) beschloss, 1936/37 unterhalb von erster und zweiter Division eine dritte professionelle Liga einzurichten, bewarb sich Caudry um die Teilnahme und fand zusammen mit neun weiteren, ausschließlich nordfranzösischen Mannschaften, darunter US Tourcoing, Racing Arras, SC Abbeville und FC Dieppe, BerĂŒcksichtigung. Im Abschlussklassement belegte der Star Club den siebten Rang;[10] die „bescheidenen Zuschauerzahlen“ in der damals 13.000-Einwohner-Stadt ermöglichten auch keine namhaften VerstĂ€rkungen.[2] Seine Spieler erhielten ein Einkommen, das sich aus einem Festbetrag von monatlich 200 Francs – einem Zehntel des seinerzeit von der FFFA erlaubten Maximums –[11] und PunktprĂ€mien (25 Francs fĂŒr ein Unentschieden, 30 fĂŒr einen Sieg) zusammensetzte. Deshalb mussten sie sĂ€mtlich weiterhin einem Brotberuf nachgehen.[3] Diese dritte Liga wurde nach nur einem Jahr wieder eingestellt, und der SCC trat anschließend wieder als Amateurteam in der regionalen Division d’Honneur an, die bis 1948 die dritthöchste Spielklasse in Frankreich war.

Im 1917 eingefĂŒhrten Landespokalwettbewerb erreichte Caudry dreimal die Hauptrunde, kam dabei aber jeweils ĂŒber das Zweiunddreißigstelfinale nicht hinaus. 1922/23 scheiterte er darin an Racing Calais (0:2) und 1933/34 am Le Havre AC (1:5), zwang aber 1935/36 immerhin den seinerzeitigen ErstdivisionĂ€r SC Fives in die VerlĂ€ngerung und nach deren unentschiedenem Ende in ein Wiederholungsspiel, in dem sich der klassenhöhere Kontrahent dann vor eigenem Publikum mit 6:0 durchsetzte.[12]

Bekannte ehemalige Spieler

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der aus dem Nachbardorf Beaumont-en-CambrĂ©sis stammende Émilien MĂ©resse (1915–2000), spĂ€ter Profi bei SC Fives und Olympique Lille, 1936 einmal in der französischen A-Nationalelf eingesetzt, begann mit dem Vereinsfußball beim Star Club. Nach Beendigung seiner Spielerkarriere kehrte er als Trainer fĂŒr einige Zeit zur US Viesly in seine Herkunftsregion zurĂŒck.[13] Auch Louys Wojtkowiak und Paul Cathelain spielten in Caudry, bis sie 1936 von Racing Paris fĂŒr dessen Profiteam verpflichtet wurden.[2] Wojtkowiak (hĂ€ufig nur Louys genannt)[14] gewann mit diesem Verein drei Jahre spĂ€ter die Coupe de France. Überhaupt galt der SCC in den 1930ern „ein bisschen als der Kindergarten von Racing“.[3]

  • Thierry Berthou/Collectif: Dictionnaire historique des clubs de football français. Pages de Foot, CrĂ©teil 1999, Band 1, ISBN 2-913146-01-5
  • Espace de vie historique – Caudry d’hier et d’aujourd’hui (Hrsg.): Ausstellungskonzept „Le Star Club“, Caudry 2013 (masch.)

Anmerkungen und Nachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. 1 2 Ausstellungskonzept, Notre club a une histoire (Abriss der Vereinsgeschichte)
  2. 1 2 3 Berthou/Collectif, S. 107
  3. 1 2 3 4 Gilles Gauthey: Le Football professionnel français. Band 1, Paris 1961, S. 419
  4. ↑ Pascal GrĂ©goire-Boutreau: Au bonheur des filles. Cahiers intempestifs, Saint-Étienne 2003, ISBN 2-911698-25-8, S. 257
  5. ↑ siehe die Darstellung dieses Fusionsklubs auf der Seite der US Viesly
  6. ↑ Siehe die Webseite der ES Caudry (Memento des Originals vom 5. November 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. bei footeo.com; angesichts der vorgenannten Daten erscheint diese Sichtweise allerdings problematisch.
  7. ↑ siehe den Artikel „Le Star Club caudrĂ©sien s'expose jusqu'au 23 fĂ©vrier“ aus La Voix du Nord vom 11. November 2012
  8. ↑ Die TrophĂ©e de France war die zwischen den Meistern mehrerer VerbĂ€nde (außer der USFSA) von 1907 bis 1912 ausgespielte französische Meisterschaft des Dachverbandes ComitĂ© Français InterfĂ©dĂ©ral (CFI).
  9. ↑ Berthou/Collectif, S. 18 und 107
  10. ↑ siehe die Saisontabelle bei rsssf.org
  11. ↑ Alfred Wahl/Pierre Lanfranchi: Les footballeurs professionnels des annĂ©es trente Ă  nos jours. Hachette, Paris 1995, ISBN 978-2-0123-5098-4, S. 63f.
  12. ↑ L’Équipe/GĂ©rard EjnĂšs: Coupe de France. La folle Ă©popĂ©e. L’Équipe, Issy-les-Moulineaux 2007, ISBN 978-2-915-53562-4, S. 352
  13. ↑ Denis Chaumier: Les Bleus. Tous les joueurs de l’équipe de France de 1904 Ă  nos jours. Larousse, o. O. 2004, ISBN 2-03-505420-6, S. 214
  14. ↑ Nur Louys unter anderem in Football (Hrsg.): Almanach du football Ă©d. 1936/37. Paris 1937, S. 45, Berthou/Collectif, S. 107, und Marc Barreaud: Dictionnaire des footballeurs Ă©trangers du championnat professionnel français (1932-1997). L’Harmattan, Paris 1998, ISBN 2-7384-6608-7, S. 49, der seinen Nachnamen in der Schreibweise Vojkowiak ergĂ€nzt.