SC Caudry
Der Star Club CaudrĂ©sien oder kurz SC Caudry war ein FuĂballverein aus der nordfranzösischen Kleinstadt Caudry.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]GegrĂŒndet wurde der reine FuĂballklub 1903; zu den GrĂŒndungsmitgliedern gehörte der damals erst 15-jĂ€hrige LĂ©once Bajart, ein spĂ€ter in der Sozialpolitik sowie wĂ€hrend der deutschen Besetzung (1940â1944) auch in der RĂ©sistance sehr aktiver Bewohner Caudrys. Der Verein schloss sich zunĂ€chst der FĂ©dĂ©ration Cycliste et AthlĂ©tique de France (FCAF) an, einem der bis nach dem Ersten Weltkrieg nebeneinander bestehenden nationalen FuĂballverbĂ€nde. Nach dem Gewinn der FCAF-Verbandsmeisterschaft 1909 (siehe unten) wechselte der Star Club Caudry zum wesentlich gröĂeren Konkurrenten Union des sociĂ©tĂ©s françaises de sports athlĂ©tiques (USFSA).
Die Vereinsfarben des SCC, dessen Wappen ein sechszackiger Stern zierte, waren Himmel- und Dunkelblau.[1] Seine Mannschaften trugen ihre Spiele in den ersten drei Jahrzehnten auf einem Rasenplatz neben dem örtlichen Wasserreservoir aus.
Nach GrĂŒndung des einheitlichen Landesverbandes FFFA (1919) trat der Star Club diesem bei. 1935 erhielt er vor allem dank des MĂ€zenatentums seines VereinsprĂ€sidenten ein fĂŒr die damalige Zeit hochmodernes Stadion[2] mit ĂŒberdachter SitztribĂŒne und Rasendrainage, das nach diesem benannt wurde und bis ins 21. Jahrhundert Stade Louis-Sandras heiĂt.[1] Eingeweiht wurde es mit einem FrauenlĂ€nderspiel zwischen Frankreich und Belgien.[3] Im MĂ€rz 1987 war es erneut Schauplatz einer internationalen Begegnung, als die Französinnen ihre nordirischen Gegnerinnen mit 2:0 besiegten.[4]
1967 gingen die âBesterntenâ des SCC aufgrund einer Fusion mit der US Viesly in der Star Union auf. Diesem neuen Verein, der bis 1972 bestand,[5] gelang es aber nicht, den erhofften Sprung wenigstens in eine ĂŒberregionale Amateurliga zu verwirklichen. Bereits 1969 wurde in Caudry mit der Entente Sportive de Caudry ein neuer FuĂballklub gegrĂŒndet, der sich selbst als FortfĂŒhrung seines lokalen VorgĂ€ngers betrachtet.[6] Das stadthistorische Museum von Caudry widmete dem Star Club ĂŒber den Jahreswechsel 2012/2013 eine eigene Ausstellung.[7]
Ligazugehörigkeit und Erfolge
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Sechs Jahre nach seiner GrĂŒndung stand der SC Caudry im Endspiel um die französische Meisterschaft der FCAF; darin besiegte er die AS Alfortville mit 4:2. Zu einem anschlieĂenden Entscheidungsspiel um die TrophĂ©e de France[8] gegen den TiteltrĂ€ger des katholischen Sportverbands FGSPF, die Bons Gars Bordeaux, kam es nicht â beiden Vereinen waren die Fahrtkosten zu hoch.[9] 1914 gewann der Star Club die Meisterschaft der regionalen zweithöchsten Liga der USFSA (Division Nord B) und nach dem Krieg von 1923 bis 1926 viermal in Folge diejenige der FFFA (Division dâHonneur Nord B).[3]
Als die FFFA bald nach der EinfĂŒhrung des BerufsfuĂballs (1932) beschloss, 1936/37 unterhalb von erster und zweiter Division eine dritte professionelle Liga einzurichten, bewarb sich Caudry um die Teilnahme und fand zusammen mit neun weiteren, ausschlieĂlich nordfranzösischen Mannschaften, darunter US Tourcoing, Racing Arras, SC Abbeville und FC Dieppe, BerĂŒcksichtigung. Im Abschlussklassement belegte der Star Club den siebten Rang;[10] die âbescheidenen Zuschauerzahlenâ in der damals 13.000-Einwohner-Stadt ermöglichten auch keine namhaften VerstĂ€rkungen.[2] Seine Spieler erhielten ein Einkommen, das sich aus einem Festbetrag von monatlich 200 Francs â einem Zehntel des seinerzeit von der FFFA erlaubten Maximums â[11] und PunktprĂ€mien (25 Francs fĂŒr ein Unentschieden, 30 fĂŒr einen Sieg) zusammensetzte. Deshalb mussten sie sĂ€mtlich weiterhin einem Brotberuf nachgehen.[3] Diese dritte Liga wurde nach nur einem Jahr wieder eingestellt, und der SCC trat anschlieĂend wieder als Amateurteam in der regionalen Division dâHonneur an, die bis 1948 die dritthöchste Spielklasse in Frankreich war.
Im 1917 eingefĂŒhrten Landespokalwettbewerb erreichte Caudry dreimal die Hauptrunde, kam dabei aber jeweils ĂŒber das ZweiunddreiĂigstelfinale nicht hinaus. 1922/23 scheiterte er darin an Racing Calais (0:2) und 1933/34 am Le Havre AC (1:5), zwang aber 1935/36 immerhin den seinerzeitigen ErstdivisionĂ€r SC Fives in die VerlĂ€ngerung und nach deren unentschiedenem Ende in ein Wiederholungsspiel, in dem sich der klassenhöhere Kontrahent dann vor eigenem Publikum mit 6:0 durchsetzte.[12]
Bekannte ehemalige Spieler
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der aus dem Nachbardorf Beaumont-en-CambrĂ©sis stammende Ămilien MĂ©resse (1915â2000), spĂ€ter Profi bei SC Fives und Olympique Lille, 1936 einmal in der französischen A-Nationalelf eingesetzt, begann mit dem VereinsfuĂball beim Star Club. Nach Beendigung seiner Spielerkarriere kehrte er als Trainer fĂŒr einige Zeit zur US Viesly in seine Herkunftsregion zurĂŒck.[13] Auch Louys Wojtkowiak und Paul Cathelain spielten in Caudry, bis sie 1936 von Racing Paris fĂŒr dessen Profiteam verpflichtet wurden.[2] Wojtkowiak (hĂ€ufig nur Louys genannt)[14] gewann mit diesem Verein drei Jahre spĂ€ter die Coupe de France. Ăberhaupt galt der SCC in den 1930ern âein bisschen als der Kindergarten von Racingâ.[3]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Thierry Berthou/Collectif: Dictionnaire historique des clubs de football français. Pages de Foot, Créteil 1999, Band 1, ISBN 2-913146-01-5
- Espace de vie historique â Caudry dâhier et dâaujourdâhui (Hrsg.): Ausstellungskonzept âLe Star Clubâ, Caudry 2013 (masch.)
Anmerkungen und Nachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Ausstellungskonzept, Notre club a une histoire (Abriss der Vereinsgeschichte)
- 1 2 3 Berthou/Collectif, S. 107
- 1 2 3 4 Gilles Gauthey: Le Football professionnel français. Band 1, Paris 1961, S. 419
- â Pascal GrĂ©goire-Boutreau: Au bonheur des filles. Cahiers intempestifs, Saint-Ătienne 2003, ISBN 2-911698-25-8, S. 257
- â siehe die Darstellung dieses Fusionsklubs auf der Seite der US Viesly
- â Siehe die Webseite der ES Caudry ( des vom 5. November 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. bei footeo.com; angesichts der vorgenannten Daten erscheint diese Sichtweise allerdings problematisch.
- â siehe den Artikel âLe Star Club caudrĂ©sien s'expose jusqu'au 23 fĂ©vrierâ aus La Voix du Nord vom 11. November 2012
- â Die TrophĂ©e de France war die zwischen den Meistern mehrerer VerbĂ€nde (auĂer der USFSA) von 1907 bis 1912 ausgespielte französische Meisterschaft des Dachverbandes ComitĂ© Français InterfĂ©dĂ©ral (CFI).
- â Berthou/Collectif, S. 18 und 107
- â siehe die Saisontabelle bei rsssf.org
- â Alfred Wahl/Pierre Lanfranchi: Les footballeurs professionnels des annĂ©es trente Ă nos jours. Hachette, Paris 1995, ISBN 978-2-0123-5098-4, S. 63f.
- â LâĂquipe/GĂ©rard EjnĂšs: Coupe de France. La folle Ă©popĂ©e. LâĂquipe, Issy-les-Moulineaux 2007, ISBN 978-2-915-53562-4, S. 352
- â Denis Chaumier: Les Bleus. Tous les joueurs de lâĂ©quipe de France de 1904 Ă nos jours. Larousse, o. O. 2004, ISBN 2-03-505420-6, S. 214
- â Nur Louys unter anderem in Football (Hrsg.): Almanach du football Ă©d. 1936/37. Paris 1937, S. 45, Berthou/Collectif, S. 107, und Marc Barreaud: Dictionnaire des footballeurs Ă©trangers du championnat professionnel français (1932-1997). LâHarmattan, Paris 1998, ISBN 2-7384-6608-7, S. 49, der seinen Nachnamen in der Schreibweise Vojkowiak ergĂ€nzt.