Starlab

Starlab ist ein Entwurf des US-amerikanischen Raumfahrtunternehmens Nanoracks fĂŒr eine privat betriebene bemannte Raumstation.[1] Diese ist als Ersatz fĂŒr die Internationale Raumstation (ISS) konzipiert und wĂŒrde dementsprechend hauptsĂ€chlich staatlichen Weltraumorganisationen fĂŒr Forschungszwecke zur VerfĂŒgung gestellt.[2] Nanoracks â ein mehrheitliches Tochterunternehmen von Voyager Space â startete das Projekt im Jahr 2021 gemeinsam mit dem Lockheed-Martin-Konzern,[1] der in den Veröffentlichungen von Voyager Space mittlerweile nicht mehr erwĂ€hnt wird. Seit 2023 sind die Unternehmen Airbus Defence and Space und Northrop Grumman Space Systems an der Konstruktion von Starlab beteiligt,[3][4] seit 2024 auch Mitsubishi und MDA Space.[5][6]
Planung und Finanzierung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Starlab ist einer von drei möglichen Nachfolgern der ISS, deren Entwicklung die NASA im Rahmen des 2021 aufgelegten Programms Commercial Low Earth Orbit Destinations (CLD) fördert.[7] Die ISS soll um 2028â2030 auĂer Betrieb gehen, und Voyager Space strebt einen Start der neuen Station im Jahr 2028 (vormals 2027) an.[2][1] Als TrĂ€gerrakete soll das Starship von SpaceX verwendet werden.[8] Die Realisierung von Starlab hĂ€ngt noch von weiteren Entscheidungen der NASA und ihrer internationalen Partnerorganisationen ab. Der ehemalige NASA-Administrator Jim Bridenstine wies 2021 auf eine unzureichende Finanzierung des CLD-Programms hin und bezweifelte, dass eine neue Station bis 2030 fertigstellbar sei.[1]
In einer ersten Tranche bezuschusste die NASA den Starlab-Entwurf mit 160Â Millionen US-Dollar.[7] Zum Vergleich: Die Kosten fĂŒr Entwicklung und Bau der relativ preiswerten neuen Chinesischen Raumstation beliefen sich auf umgerechnet etwa 8Â Milliarden Dollar.[9]
Voyager Space und Airbus Defence and Space gaben im Januar 2024 die GrĂŒndung des Joint Ventures Starlab Space LLC bekannt. Dieses Unternehmen mit Sitz in den USA soll die Starlab-Station entwerfen, bauen und betreiben. Northrop Grumman unterstĂŒtzt Starlab Space bei der technischen Entwicklung und möchte auf Basis des Cygnus-Frachters Versorgungsraumschiffe fĂŒr die Station bauen.[10]
2024 wurden weitere Partner des Projektes bekannt gegeben, das Unternehmen Mitsubishi, das im japanischen Raumfahrtprogramm als Hersteller eingebunden ist, das kanadische Unternehmen MDA, das die Roboterarme am Space Shuttle, Canadarm, und auf der ISS, Canadarm2, herstellte und die amerikanische Softwarefirma Palantir.[5][6] Palantir soll einen sogenannten digitalen Zwilling der Raumstation erarbeiten, was effizientes Management der Station erleichtern soll. Starlab gab bekannt, man binde durch diese Unternehmen alle westlichen Partnern der ISS ein. Der Zusammenschluss zielt auch auf den Zugang zu staatlichen Finanzierungsprogrammen in verschiedenen Regionen ab.[11] FĂŒr die Versorgung der Station sollen neben Cygnus-Frachtern von Northrop-Grumman auch Nyx-Frachter des europĂ€ischen Startups The Exploration Company verwendet werden.[11]
Das Unternehmen Lufthansa Aviation Training soll sowohl die Astronauten, die zur Raumstation fliegen, als auch das Bodenpersonal ausbilden. Die Firma ist seit dem Jahr 2000 an der Ausbildung europĂ€ischer Astronauten fĂŒr das ISS-Modul Columbus beteiligt.[12]
Technischer Aufbau
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der ursprĂŒngliche Entwurf von Nanoracks sieht eine Station mit einem nutzbaren Volumen von 340 m3 vor, was etwa einem Drittel des heutigen ISS-Volumens entsprĂ€che.[13] Sie soll aus einem zentralen Ankoppelmodul fĂŒr Raumschiffe, einem groĂen Wohnmodul und einem Servicemodul bestehen. Letzteres soll neben dem Antrieb 60 kW an elektrischer Leistung bereitstellen. Zudem soll die Station ĂŒber einen Roboterarm fĂŒr AuĂenbordarbeiten verfĂŒgen, Ă€hnlich dem Canadarm2 der ISS, der Arm soll primĂ€r fĂŒr Experimente und Nutzlasten zur VerfĂŒgung stehen, und weniger der Wartung der Station dienen.[11][1] Am Design des Wohnbereichs ist die Hotelkette Hilton Worldwide beteiligt, die dieses Engagement auch fĂŒr Marketingzwecke nutzen möchte.[14]
Die gesamte Station soll mit einem einzigen Raketenstart in eine niedrige Erdumlaufbahn gebracht werden.[2] Das Wohnmodul sollte dabei ursprĂŒnglich â Ă€hnlich dem Bigelow Expandable Activity Module der ISS â zusammengefaltet transportiert und im Weltraum aufgeblasen werden.[1] Mit der Beteiligung von Airbus wurde das aufblasbare Modul verworfen. Stattdessen soll ein starres Modul Ă€hnlich denen der ISS gebaut werden, da diese Technologie erprobter sei und Entwicklungszeit und -kosten einsparen werde.[15]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Website des Starlab-Projekts (englisch)
- Michael Sheetz: NASA wants companies to develop and build new space stations, with up to $400 million up for grabs. CNBC, 27. MĂ€rz 2021.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 6 Jeff Foust: Nanoracks and Lockheed Martin partner on commercial space station project. Spacenews, 29. Oktober 2021.
- 1 2 3 Website des Starlab-Projekts, abgerufen am 6. Oktober 2023.
- â Jeff Foust: Airbus joins Starlab commercial space station project. Spacenews, 4. Januar 2023.
- â Will Robinson-Smith: Northrop Grumman leaves behind solo commercial space station venture, partners with Nanoracks on âStarlabâ. Spaceflight Now, 5. Oktober 2023.
- 1 2 Jeff Foust: Starlab Space adds Palantir as strategic partner on commercial space station effort. In: Spacenews. 20. Juni 2024, abgerufen am 23. Juni 2024.
- 1 2 Jeff Foust: Mitsubishi takes stake in Starlab Space. Spacenews, 5. April 2024.
- 1 2 NASA Selects Companies to Develop Commercial Destinations in Space. NASA-Pressemeldung vom 2. Dezember 2021.
- â Starlab Space Selects SpaceXâs Starship for Historic Launch. Pressemeldung von Voyager Space, 31. Januar 2024.
- â China Launches Astronauts to Newly Completed Space Station. The New York Times, 29. November 2022.
- â Jeff Foust: Airbus and Voyager finalize Starlab joint venture. Spacenews, 16. Januar 2024.
- 1 2 3 Jeff Foust: MDA Space joins Starlab Space commercial space station venture. In: SpaceNews. Spacenews.com, 29. Mai 2024, abgerufen am 23. Juni 2024 (amerikanisches Englisch).
- â Ulrike Ebner: ILA 2024: Lufthansa Aviation Training bildet kĂŒnftig kommerzielle Astronauten aus. In: Flugrevue. 6. Juni 2024, abgerufen am 8. August 2024.
- â Station Facts. NASA, abgerufen am 7. Oktober 2023.
- â Michael Sheetz: Hilton to design astronaut suites, facilities for Voyagerâs private space station Starlab. CNBC, 19. September 2022.
- â Stephen Clark: Trans-Atlantic joint venture aims to build new âinternationalâ space station. 4. August 2023, abgerufen am 4. November 2023 (englisch).