Seehafen

Ein Seehafen ist ein Hafen, der von Seeschiffen angelaufen werden kann. SeehĂ€fen können an der KĂŒste, an FlĂŒssen und/oder an KanĂ€len liegen.
Wenn sie in einer Region mit Gezeiten liegen, sind sie als Tidehafen (zum Meer hin offen) oder als Dockhafen (Hafenbecken vom Meer durch Schleusen oder Sperrwerk abgetrennt) angelegt. SeehĂ€fen sind mit Ladeanlagen, z. B. RoRo-Anlagen, Krane fĂŒr Container- oder StĂŒckgut-Umschlag oder Löschanlagen fĂŒr Erdöl oder Gas sowie mit LagerflĂ€chen ausgestattet und bieten Anschluss an andere Verkehrsmittel (Intermodaler Verkehr: Eisenbahn, Lkw) oder an die Binnenschifffahrt.
Wirtschaftliche Bedeutung der SeehÀfen
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Die SeehĂ€fen sind Schnittstellen des Land- und Seeverkehrs. Als maritime Dienstleistungszentren und als Industriestandorte haben sie groĂe regional- und volkswirtschaftliche Bedeutung. In den deutschen SeehĂ€fen wurden im Jahr 2020 zusammengerechnet 275,7 Mio. t umgeschlagen, 6,4 % weniger als im Vorjahr.[1] 2019 waren es 294,5 Mio. t GĂŒter, 0,3 % weniger als im Jahr 2018. 23,9 Mio. t davon entfielen auf den Verkehr mit China, 13,5 Mio. t von China nach Deutschland, 10,4 Mio. t von Deutschland nach China.
Der Containerumschlag in den deutschen SeehÀfen lag 2020 bei rund 14 Mio. TEU, 6,9 % weniger als im Vorjahr. 2019 waren es noch 15,1 Mio. TEU, davon 3,1 Mio. TEU mit China, 1,4 Mio. TEU mit den USA und 0,7 Mio. TEU mit Russland.[2] Der Umschlag von Fahrzeugen sank 2020 um 22,6 %, bei Energiestoffen (Kohle, Rohöl und Erdgas) waren es 20,7 % weniger als 2019
2014 wurden in den deutschen SeehÀfen noch 323 Mio. t umgeschlagen, davon 132,3 Mio. t (40,9 %) im Hamburger Hafen.[3]
SeehĂ€fen bĂŒndeln Verkehrsströme des StraĂen- und Schienenverkehrs, der Binnen-, KĂŒsten- und Ăberseeschifffahrt. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Entlastung der StraĂe. Wenn der GĂŒterumschlag in den SeehĂ€fen wĂ€chst, kann es im Seehafenhinterlandverkehr stellenweise zu EngpĂ€ssen kommen.
Einige SeehÀfen sind zugleich Drehscheiben im Passagierverkehr mit FÀhren, Kreuzfahrt- und Ausflugsschiffen. Im ersten Jahr der COVID-19-Pandemie 2020 wurden 16,4 Millionen Passagiere registriert, 2019 waren es noch 31,3 Millionen. 2014 waren es 30 Mio. FahrgÀste, davon allein 17,2 Millionen (55,8 %) in den deutschen OstseehÀfen.[4]
Die deutschen SeehĂ€fen erbringen vielfĂ€ltige sonstige Dienstleistungen und sind bedeutende Industriestandorte, zum Beispiel der wenigen verbliebenen Werften, von Stahlwerken, Raffinerien, GetreidemĂŒhlen, ĂlmĂŒhlen und Röstereien. Sie tragen maĂgeblich zur Sicherung und StĂ€rkung von BeschĂ€ftigung, Einkommen und Steuerkraft in Deutschland bei und fördern die Wirtschaftsentwicklung in den KĂŒstenlĂ€ndern. In der deutschen KĂŒstenregion sind rund 300.000 ArbeitsplĂ€tze direkt oder indirekt von den Seehafenfunktionen abhĂ€ngig.[5]
Das gröĂte Seehafenprojekt der letzten Jahre in Deutschland war der Neubau des Containerterminals Wilhelmshaven (JadeWeserPort).[6] Das Investitionsvolumen in Höhe von 900 Millionen Euro (Wasserbau und Kajen) wurde von Bremen und Niedersachsen getragen.
Finanzierung der SeehÀfen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Deutsche SeehĂ€fen waren im Mittelalter wĂ€hrend der Zeit der Hanse und insbesondere mit dem Bau der ersten kĂŒnstlichen Hafenbecken (Bremen-Vegesack, Bremerhaven) und seitdem in kommunalem Besitz und unter kommunaler Regie. Heute sind die SeehĂ€fen als Infrastrukturobjekte (gesamter Wasserbau einschlieĂlich der Bodenbefestigung der Kajenbereiche) immer noch in kommunalem Eigentum; die Suprastruktur (alles oberhalb des Erdbodenniveaus) wird durch Betriebsgesellschaften in verschiedener EigentĂŒmerschaft und Regie gebaut, unterhalten und betrieben.
In Deutschland gibt es bisher keine nationale Förderung des Seehafenbaus. Selbst die Ausbaggerung der Zufahrten in Ems, Weser, Elbe (Elbvertiefung) und Trave wird nicht allein vom Bund finanziert. WĂ€hrend der Zeit der Bonner Republik von 1949 bis 1990 entsprach dies den Interessen der Rheinanlieger-Regionen, deren Versorgung durch die HĂ€fen Antwerpen, ZeebrĂŒgge, Amsterdam und Rotterdam und durch die nationalen Interessen Belgiens und der Niederlande gesichert war/ist.
In der Berliner Republik seit 1990 hat die Bundesregierung bis heute keine politischen Ziele zum Hafenbetrieb und zur Förderung des Hafenbaus in Gesetzen gefasst und auch die willkĂŒrlichen historischen Grenzen der BundeslĂ€nder lassen es zu, dass Niedersachsen und Schleswig-Holstein jeweils regional bestimmte Interessen pflegen. Das wird erkennbar im Wettbewerb der Standorte LĂŒbeck und Kiel sowie Brake und Nordenham mit Bremen und Bremerhaven. Der Neubau des Tiefwasserhafens in Wilhelmshaven war der erste Ansatz gemeinsamer Einsicht, allerdings ohne Beteiligung Hamburgs. Voraussichtlich werden Ănderungen erst eintreten, wenn sich die Wettbewerbssituation durch vermehrten Umschlag nass in nass fĂŒr die Ostseeverkehre nach Russland ĂŒber Sankt Petersburg und Ust-Luga stark verĂ€ndert.
Weltweit bedeutendste HĂ€fen
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Die gröĂten SeehĂ€fen weltweit befinden sich in Shanghai (China), in Singapur sowie, fĂŒr Europa, in Rotterdam (Niederlande). Angesichts der groĂen Bedeutung des Seehandels sind SeehĂ€fen wichtige UmschlagplĂ€tze. In der Containerschifffahrt wurden bis vor kurzem erhebliche jĂ€hrliche Zuwachsraten erzielt. Zurzeit belasten jedoch die gesunkenen Transportraten, HandelsbeschrĂ€nkungen und EinschrĂ€nkungen der Wirtschaft wegen der Verbreitung des Corona-Virus die Branche.
GroĂe europĂ€ische SeehĂ€fen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Atlantik (europĂ€isches Festland, von Nord nach SĂŒd): Le Havre/Hafen von Rouen, Nantes, Saint-Nazaire, Bordeaux, Bilbao, GijĂłn, A Coruña, Vigo, Lissabon/Barreiro, Sines, CĂĄdiz
- Britische Inseln: Dover, London/Thamesport, Felixstowe, Grimsby, Liverpool, Milford Haven, Southampton
- Mittelmeer: Valencia, Barcelona, Marseille, Genua, La Spezia, Neapel, Gioia Tauro, Triest, Thessaloniki, PirÀus, Limassol
- Nordseeraum (europĂ€isches Festland, von Nord nach SĂŒd): Hamburg, Bremen/Bremerhaven, Wilhelmshaven, Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen, Gent, Terneuzen, ZeebrĂŒgge, DĂŒnkirchen
- Ostsee: Kopenhagen, Kiel, LĂŒbeck, Wismar, Rostock, Stettin, Dreistadt (GroĂraum Danzig), Kaliningrad, KlaipÄda, Riga, Tallinn, Sankt Petersburg, Kotka, Helsinki, Turku, Stockholm
- Schwarzes Meer: ConstanÈa, Odessa, Istanbul, Warna
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und ĂŒber Seehafen im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- CĂĄtia Antunes: HafenstĂ€dte der FrĂŒhen Neuzeit, 1500â1750. In: Institut fĂŒr EuropĂ€ische Geschichte (Mainz) (Hrsg.): EuropĂ€ische Geschichte Online, 2011, urn:nbn:de:0159-2011081870
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Deutlicher UmschlagrĂŒckgang unterstreicht Handlungsbedarf. In: Schiff & Hafen, Heft 4/2021, S. 44
- â Umschlag 2019 weitgehend stabil · 294,5 Millionen Tonnen GĂŒter in deutschen SeehĂ€fen · Mehr China-Verkehre. In: TĂ€glicher Hafenbericht vom 24. MĂ€rz 2020, S. 1
- â destatis.de (Code:46331-0022): Empfang und Versand von GĂŒtern bzw. Ladeeinheiten (SeegĂŒterumschlag deutscher HĂ€fen): BundeslĂ€nder mit SeehĂ€fen, Jahre, GĂŒterabteilungen, Ladungsarten. Bezugsjahr 2014. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2015, Stand 20. September 2015.
- â Code:46331-0026. âEingestiegene und ausgestiegene FahrgĂ€ste (Seeverkehr): BundeslĂ€nder mit SeehĂ€fen, Jahreâ. Bezugsjahr 2014. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2015. Stand 20. September 2015 auf genesis.destatis.de
- â Maritime Wirtschaft auf bmwi.de (mit weiteren Links)
- â Homepage JadeWeserPort auf jadeweserport.de