Tönisberg
Tönisberg Stadt Kempen | |
|---|---|
| Koordinaten: | 51° 25âČ N, 6° 30âČ O |
| Höhe: | 31 mÂ ĂŒ. NN |
| FlĂ€che: | 9,37 kmÂČ |
| Einwohner: | 3252Â (Okt. 2023)[1] |
| Bevölkerungsdichte: | 347 Einwohner/kmÂČ |
| Eingemeindung: | 1. Januar 1970 |
| Postleitzahl: | 47906 |
| Vorwahl: | 02845 |
Tönisberg in der Stadt Kempen und im Kreis Viersen | |
Tönisberg ist ein ca. 3250 Einwohner zĂ€hlender Stadtteil der Stadt Kempen am linken Niederrhein im Kreis Viersen im Westen von Nordrhein-Westfalen. Die nĂ€chstgröĂeren StĂ€dte in nĂ€herer Umgebung sind Neukirchen-Vluyn, Krefeld, Moers und Duisburg.
Der Name Tönisberg leitet sich zum einen vom Heiligen Antonius Abbas (Sanct Antonis Bergh) und zum anderen vom MĂŒhlenberg her, an dem das Dorf liegt.
Geografie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Tönisberg liegt eingebettet in einem Urstromtal, begrenzt durch eine in Ostwestrichtung verlaufende EndmorĂ€ne als SĂŒdende des Niederrheinischen Höhenzuges. Bis zu dieser EndmorĂ€ne â dem MĂŒhlenberg â reichte in der Saaleeiszeit das Nordlandeis. Aus diesem Grund sind hier Gesteinsarten anzufinden, die sonst nur in skandinavischen LĂ€ndern zu finden sind. Diese Tönisberger Höhen sind als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen, nördlich schlieĂt sich das LSG Am Oferweg und an den Neubenden und sĂŒdlich das LSG Landwehr, SiebenhĂ€user Graben und Niepkanal an. In letzterem liegt an der Ostseite die Altrheinrinne Niep mit dem gleichnamigen Naturschutzgebiet. Auf der westlichen Seite des Berges flieĂt die Landwehr, die in den Gelderner Fleuth mĂŒndet.
Ausdehnung und Nachbargemeinden
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Gebiet des Stadtteils im Kreis Viersen grenzt im SĂŒden an das Gebiet der kreisfreien Stadt Krefeld, im SĂŒdwesten an den Kempener Stadtteil St. Hubert (Kreis Viersen), im Westen an Stenden in der Gemeinde Kerken, im Norden an Schaephuysen in der Gemeinde Rheurdt (beides Kreis Kleve) sowie im Osten an das Gebiet Neukirchen-Vluyns (Kreis Wesel) und liegt somit genau am Grenzeck der Kreise Wesel, Kleve und Viersen.
Um den Tönisberger Ortskern herum liegen im Uhrzeigersinn von Norden die Bauerschaften Neufeld, Achterberg, SiebenhĂ€user, VinnbrĂŒck und Haag sowie die ehemalige Zechensiedlung Wartsberg.
Geschichte
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Tönisberg wurde erstmals um 1284 mit einem Vertrag von Vennebrugge (heute VinnbrĂŒck) im Vorfeld der Schlacht von Worringen erwĂ€hnt. Mit der GrĂŒndung einer Kapelle im Jahre 1437 begann die Besiedlung des eigentlichen Dorfes. HauptsĂ€chlich waren es Bauernhöfe, die das Bild des Dorfes prĂ€gten. 1529 wurde der Bezirk um die Kapelle selbstĂ€ndige Pfarre und man begann mit dem Bau einer eigenen Kirche. Von 1794 bis 1814 befand sich Tönisberg unter französischer Herrschaft, WĂ€hrend dieser Zeit bildete Tönisberg eine Mairie nach französischem Vorbild und gehörte zum Kanton Kempen im Arrondissement Krefeld des Rur-Departements.[2] Nachdem 1814 der gesamte Niederrhein auf dem Wiener Kongress dem Königreich PreuĂen zugeschlagen wurde, kam Tönisberg 1816 im Zuge der PreuĂischen Verwaltungsorganisation zum neuen Kreis Kempen. Aus der Mairie Tönisberg der Franzosenzeit wurde die preuĂische BĂŒrgermeisterei Tönisberg.[3]
Um 1900 lebten in Tönisberg 960 Einwohner. Die weitere Entwicklung wurde durch die Lage als Quasienklave im Kreis Moers und die schlechte Anbindung an Kempen erschwert. Das bedeutendste Projekt zur Ansiedlung von Industrie und Gewerbe war die Errichtung einer Acetylen-Gasfabrik zur Unterhaltung von StraĂenlaternen. Bei Inbetriebnahme 1904 war diese die einzige ProduktionsstĂ€tte in der Region. Jedoch fĂŒhrte der Siegeszug der Versorgung mit ElektrizitĂ€t zu Konkurrenzdruck, zu finanziellen EngpĂ€ssen und schlieĂlich um 1916 zur Einstellung der Produktion.[4]
Die ElektrizitĂ€t setzte sich durch und man beriet 1913 ĂŒber die Anbindung Tönisbergs an eine elektrische StraĂenbahnlinie sowie an eine Omnibuslinie. Dieses Vorhaben wurde aber aufgrund der geografischen Standortnachteile wieder verworfen. 1929 wurde im Rahmen der kommunalen Neugliederung der zuvor zu Schaephuysen gehörige Teil in die Landgemeinde Tönisberg eingegliedert. Am 3. MĂ€rz 1945 eroberte im Zuge der Operation Grenade eine Kampfgruppe der 5. US-Panzerdivision Tönisberg; damit endeten dort NS-Zeit und Zweiter Weltkrieg.[5]
Schacht IV des Bergwerks Niederberg war 1962 bis 2001 als Transport- und Wetterschacht in Betrieb und wurde danach verfĂŒllt. Das FördergerĂŒst prĂ€gt bis heute das Ortsbild; er ist das westlichste FördergerĂŒst des Ruhrgebiets.
Im Rahmen der Kreisgebietsreformen wurde Tönisberg am 1. Januar 1970 zu einem Stadtteil von Kempen.[6]
Mundart
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Tönisberg wird âBerger Plattâ gesprochen. Der Kempener Ortsteil liegt im NiederfrĂ€nkischen Mundartraum nördlich der sogenannten Benrather Linie (mit der maache-maake-Unterscheidung), die das sĂŒdliche MittelfrĂ€nkische (auch Ripuarisch genannt) vom nördlichen NiederfrĂ€nkischen abgrenzt. Einer der Hauptunterschiede ist die Aussprache des Personalpronomenes âichâ, das im SĂŒdniederfrĂ€nkischen als âechâ oder âischâ gesprochen wird, im NordniederfrĂ€nkischen aber als âekâ. Auch das Wörtchen âauchâ wird unterschiedlich ausgesprochen, nĂ€mlich als âookâ im Nord- und als âoochâ im SĂŒd-NiederfrĂ€nkischen. Auch das Verb âhabenâ wird unterschiedlich gesprochen: in Tönisberg sagt man z. B. âwe hĂ€bbeâ. Weiter sĂŒdlich heiĂt es âwir hantâ. Die Mundart ist auf dem RĂŒckzug; sie wird zu Karneval, auf Mundartabenden und in Vereinen gepflegt. Auch gibt es viel Mundart-Literatur.
Wappen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Wappen der ehemaligen selbstĂ€ndigen Gemeinde wurde erst seit 1955 gefĂŒhrt und zeigt den Heiligen Antonius (Abbas) â dem Schutzheilige gegen Seuchen bei Mensch und Tier â mit einem Schwein im unteren Bereich und oben links eine MispelblĂŒte â die geldrische Rose als Zeichen der ehemaligen Zugehörigkeit zur Vogtei Geldern.
Bildung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- StÀdtische Gemeinschaftsgrundschule Tönisberg
- StÀdtischer Kindergarten
- Katholischer Kindergarten
SehenswĂŒrdigkeiten
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Neben der KastenbockwindmĂŒhle, die 1802 fertiggestellt wurde, gehören die katholische Pfarrkirche St. Antonius von 1894 mit einem 47 m hohen Turm sowie das FördergerĂŒst des Bergwerks Niederberg (Schacht IV) zu den Wahrzeichen des Dorfes. Im Ortszentrum findet sich weiterhin Haus Baaken, ein GebĂ€ude aus dem frĂŒhen 17. Jahrhundert, in dem sich zwischenzeitlich ein kleines Keramikmuseum befand. Der Ort nahm mehrmals erfolgreich am Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden teil. Aus Richtung HĂŒls/Krefeld kommend befindet sich am FuĂe der Tönisberger Höhen ein Erinnerungsmal an den dort im Jahre 1284 beschlossenen Vertrag von VinnbrĂŒck, der Auswirkungen auf die Schlacht von Worringen des Jahres 1288 hatte.[7]
Wirtschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Tönisberg ansĂ€ssig sind zwei groĂe nahrungsmittelverarbeitende Unternehmen sowie kleinere und mittlere Unternehmen.
Infrastruktur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Tönisberg liegt an der Bundesautobahn 40, die die Verbindung Richtung Venlo (Niederlande) und Duisburg/Ruhrgebiet darstellt. Die Anschlussstelle Kerken (mit Abfahrt zur BundesstraĂe 9) befindet sich auf Tönisberger Gebiet. Die BundesstraĂe 9 bietet die Verbindung nach Krefeld. Tönisberg bedienen vier Buslinien, die die Verbindung zu Krefeld, Neukirchen-Vluyn, Kamp-Lintfort, Kerken sowie Kempen realisieren. Eine Bahnlinie bedient Tönisberg nicht.
- 065 (SWK) Tönisberg MorĂ€nenstr.âKempen Bahnhof
- 076 (DB) Krefeld HbfâKamp-Lintfort Neues Rathaus
- 077 (DB) Krefeld HbfâRheurdt Oermterberg
- 079 (DB) Krefeld HbfâAldekerk Bahnhof
Die SWK Buslinie â065â wird durch den Sub-Unternehmer Rath-Reisen GmbH aus Viersen befahren. Die DB Buslinien werden hauptsĂ€chlich durch den Subunternehmer Schlotmann aus Moers bedient.
Veranstaltungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]RegelmĂ€Ăige Veranstaltungen sind die Ăffnung der BockwindmĂŒhle am Deutschen MĂŒhlentag durch den Heimatverein Tönisberg zu Pfingsten und die AuffĂŒhrungen der Tönisberger BretterbĂŒhne.[8]
Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Agrarunternehmer Hans Tenhaeff (1879â1955) der Schriftsteller Gerhard Schulte (1875â1951) und die Gerechte unter den Völkern Anna Tervoort (1909â2002) wurden in Tönisberg geboren.
Von 1963 bis 1989 wohnte und arbeitete die Keramikerin Anneliese Langenbach (1926â2008) in Tönisberg. Viele DenkmĂ€ler sowie die Bildnisse der FuĂfallstationen in Tönisberg stammen von ihr.[9]
Der tĂŒrkischstĂ€mmige Schauspieler Hilmi Sözer (* 1970) wuchs bis zum Ende seiner Schulzeit in Tönisberg auf. Der Schriftsteller Sebastian Ingenhoff lĂ€sst seine Novelle hier spielen.[10]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur ĂŒber Tönisberg in der Nordrhein-WestfĂ€lischen Bibliographie
- Heimatverein Tönisberg
- Kreisarchiv Viersen: Findbuch Tönisberg
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Daten & Fakten | Stadt Kempen. Abgerufen am 1. September 2024.
- â GenWiki: Kanton Kempen
- â Johann Georg von Viebahn: Statistik und Topographie des Regierungs-Bezirks DĂŒsseldorf. 1836, S. 124, abgerufen am 11. November 2022 (Digitalisat).
- â Rudolf Roth: Die Acetylen-Gasfabrik von Tönisberg um 1900. Hrsg.: Heimatverein Tönisberg e. V., Kempen 2000.
- â Hans Kaiser: Die letzten KĂ€mpfe in der Region. rp-online.de, 16. MĂ€rz 2015, abgerufen am 10. August 2018.
- â Martin BĂŒnermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 114.
- â an einem Stichweg in einer Biegung der B9
- â Tönisberger BretterbĂŒhne. Abgerufen am 9. April 2023.
- â Margret Vieregge: Anneliese Langenbach zum 80. Geburtstag am 9. Februar 2008. In: Tönisberger HeimatblĂ€tter 8/2006, S. 49â51.
- â Margret Vieregge: Das Dorf, das hinter dem Berg liegt. Rheinische Post, 20. Juli 2015, abgerufen am 9. Oktober 2017.

