Ehrengrab

Ein Ehrengrab ist Ausdruck der Ehrung Verstorbener durch StĂ€dte oder Gemeinden fĂŒr BĂŒrger, die sich zu Lebzeiten besondere Verdienste erworben haben. Die Vergabe und Erhaltung derartiger GrĂ€ber erfolgt durch die öffentliche Hand. Je nach Vergabepraxis kann ein Ehrengrab den Charakter einer öffentlichen Auszeichnung fĂŒr eine bedeutende Einzelperson oder einer GedĂ€chtnisstĂ€tte fĂŒr einen bestimmten Personenkreis haben. Wenn keine Nachkommen oder Institutionen vorhanden sind, die sich um die GrĂ€ber dieser Persönlichkeiten kĂŒmmern, ĂŒbernehmen die Gemeinden oder StĂ€dte die Verantwortung fĂŒr die GrĂ€ber und finanzieren die Grabpflege. So wird die Erinnerung an die geehrten Personen wachgehalten. Es werden zum anderen (im Sinne der Denkmalpflege) vielfach Zeugnisse der Kulturgeschichte bewahrt. Beispielsweise können auf geschlossenen Friedhöfen aufwendige Umbettungen der GrĂ€ber der Geehrten und der Erhalt bewahrenswerter GrabstĂ€tten durch das Statut eines Ehrengrabs mit öffentlichen Mitteln finanziert werden.
Verbreitung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]EhrengrĂ€ber bestehen weltweit. FĂŒr die Vergabe des Status, Finanzierung und Pflege der Anlagen sind unterschiedliche Regelungen nach Tradition und Gesetz des Staates oder der Kommune gegeben. Es werden mitunter Soldatenfriedhöfe oder die BegrĂ€bnisstĂ€tten von Opfern der politischen Verfolgung durch frĂŒhere Regime als EhrengrĂ€ber behandelt.
In den deutschsprachigen LĂ€ndern wird die Vergabe, Finanzierung und Pflege von EhrengrĂ€bern in ihren GrundzĂŒgen untereinander Ă€hnlich gehandhabt. Im Folgenden wird am Beispiel Berlins die entsprechende Verordnung stellvertretend fĂŒr zahlreiche weitere Gemeinden und StĂ€dte dargestellt. In Deutschland unterhĂ€lt das Land Berlin die gröĂte Anzahl derartiger StĂ€tten. Die anschlieĂende Auflistung weiterer StĂ€dte erhebt keinen Anspruch auf VollstĂ€ndigkeit und soll lediglich GröĂenordnungen verdeutlichen.
Auf Bundesebene gibt es mit Stand August 2025 32 EhrengrĂ€ber fĂŒr im Dienst verstorbene Bundeswehrangehörige.[1]
Beispiele
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Deutschland
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Berlin
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Von den rund 200 Berliner Friedhöfen bestehen in 80 Friedhöfen ĂŒber 740 EhrengrabstĂ€tten mit ĂŒber 800 EhrengrĂ€bern. Teilweise sind in FamiliengrĂ€bern mehrere geehrte Personen bestattet. Die aktuelle Berliner öffentliche Ehrengrabpflege geht auf einen Beschluss des Senates aus dem Jahr 1952 zurĂŒck und wurde durch eine Allgemeine Anweisung fĂŒr die Anerkennung, Ăberlassung und Pflege ⊠geregelt, die zu Beginn 60 GrabstĂ€tten zugutekam. Die weitere Grundlage bildet § 12, Abs. 6 des Gesetzes ĂŒber die landeseigenen und nichtlandeseigenen Friedhöfe Berlins (Friedhofgesetz) vom 1. November 1995. Danach stellt das Land Berlin unentgeltlich EhrengrĂ€ber zur VerfĂŒgung, deren Kosten von den zustĂ€ndigen BezirksĂ€mtern getragen werden:
â1. FĂŒr Verstorbene, denen die Bundesregierung oder die Regierung eines Landes ein StaatsbegrĂ€bnis gewĂ€hrt hat oder denen das EhrenbĂŒrgerrecht verliehen worden ist, sowie fĂŒr ihre Ehegatten ĂŒber den Ablauf der Ruhezeit hinaus.
2. FĂŒr Verstorbene, denen die Ehrenbezeichnung âStadtĂ€ltesterâ verliehen worden ist sowie deren Ehegatten fĂŒr die doppelte Dauer der Ruhezeit.
3. FĂŒr Verstorbene, die EmpfĂ€nger von Ehrenruhegeld waren oder sich um Berlin besonders verdient gemacht oder ĂŒber Berlin hinaus hervorragende Leistungen vollbracht haben oder deren Andenken in der Ăffentlichkeit fortlebt, sowie fĂŒr deren Ehegatten.â
VorschlĂ€ge zur Anerkennung oder Aberkennung von EhrengrĂ€bern kann jeder BĂŒrger bei der zustĂ€ndigen Senatsverwaltung fĂŒr Stadtentwicklung und Umwelt einreichen. Die Ernennung erfolgt â frĂŒhestens fĂŒnf Jahre nach dem Tod der vorgeschlagenen Person â durch Senatsbeschluss fĂŒr die geltende Mindestruhezeit von 20 Jahren. Die â auch mehrfache â VerlĂ€ngerung des Ehrengrabstatus um weitere 20 Jahre ist möglich, âsoll jedoch die Ausnahme bleibenâ.[3] Eine solche VerlĂ€ngerung erfolgt nicht zwangslĂ€ufig im Jahr des Verfalls des Status eines Ehrengrabs. So war beispielsweise die Frist fĂŒr das Ehrengrab des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy eigentlich bereits 2008 abgelaufen, wurde aber erst 2010 formell um die ĂŒbliche Frist von 20 Jahren verlĂ€ngert.[3]
Die anerkannten GrabstĂ€tten werden mit rötlichen Steinen gekennzeichnet, die die zweizeilige Aufschrift Ehrengrab, Land Berlin ĂŒber dem Wappen der Stadt tragen. Berliner EhrengrĂ€ber haben beispielsweise Karl Bonhoeffer, Bertolt Brecht, Hanns Eisler, Theodor Fontane, Curt Goetz, die BrĂŒder Grimm, Georg Ludwig Hartig, Heinrich von Kleist, Annedore Leber, Otto Lilienthal, Marg Moll, Otto Nicolai, Georg Schumann, Friedrich von Raumer, Ernst Reuter, Joachim Ringelnatz, Agnes Windeck, Heinrich Zille und Arnold Zweig.
Im Jahr 2003 entschied der Senat, die aus den USA ĂŒberfĂŒhrte Urne des in Berlin geborenen Philosophen Herbert Marcuse in einem Ehrengrab beizusetzen. Der 2004 verstorbene Starfotograf Helmut Newton, der 1920 als Helmut NeustĂ€dter in Berlin zur Welt kam, erhielt auf Beschluss ein Ehrengrab, wobei der Senat ausnahmsweise von der Regel, erst fĂŒnf Jahre nach dem Tod zu entscheiden, abrĂŒckte. Weitere Ausnahmen hatte der Senat beispielsweise 2002 fĂŒr Hildegard Knef und 2015 fĂŒr Richard von WeizsĂ€cker und Egon Bahr gemacht.
Was als Ehrengrab gilt, ist mitunter von den historischen und politischen Rahmenbedingungen abhĂ€ngig. So richtete die DDR mit der GedenkstĂ€tte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde einen eigenen Ehrenfriedhof ein, der als BegrĂ€bnisstĂ€tte fĂŒr Personen diente, die sich nach Ansicht des PolitbĂŒros der SED in der deutschen Arbeiterbewegung und um den Kampf fĂŒr die âsozialistische Ideeâ verdient gemacht hatten. Seit dem Ende der DDR werden dort keine neuen Grabanlagen mehr vergeben.
Weitere StÀdte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Deutschlands gröĂter Parkfriedhof, der Hamburger Friedhof Ohlsdorf, richtete zum Gedenken das Ehrengrab fĂŒr die Opfer des Nationalsozialismus und Widerstandes 1933â1945 ein.
- Unter den 49 EhrengrÀbern von Hannover befindet sich die RuhestÀtte von Kurt Schumacher.
- Die Stadt Kassel unterhÀlt 71 EhrengrÀber (Stand: 2017).
- Kiel unterhĂ€lt rund 25 EhrengrĂ€ber, beispielsweise auf dem Friedhof Russee eine StĂ€tte fĂŒr den Lehrer Johann Heuck.
- Der Schriftsteller CĂ€sar Flaischlen fand ein Ehrengrab auf dem Stuttgarter Pragfriedhof.
- Die Stadt Göttingen unterhĂ€lt auf ihrem Stadtfriedhof EhrengrĂ€ber fĂŒr Max Born, Otto Hahn, David Hilbert, Max Planck und Friedrich Wöhler.
- Die Stadt Bonn errichtete auf dem Alten Friedhof ein gemeinsames Ehrengrab fĂŒr Clara und Robert Schumann.
- auf dem Vorwerker Friedhof zu LĂŒbeck liegt Hans Pieper, wĂ€hrend sein fast zur gleichen Zeit verstorbener VorgĂ€nger, Harry Maasz, sein Ehrengrab auf dem dortigen Ehrenfriedhof erhielt.
- Die Stadt MĂŒnchen unterhĂ€lt 26 EhrengrĂ€ber (Stand 1. November 2010).
- Der KunstmĂ€zen und Eau de Cologne-Fabrikant Johann Maria Carl Farina erhielt aufgrund seines umfangreichen Nachlasses, welchen er nach seinem Tod der Stadt Köln zur VerfĂŒgung stellte, ein âEhrengrab auf Ewigkeitâ auf dem Kölner Melaten-Friedhof.
- Der Deutsche Ehrenfriedhof der Stadt Goslar erinnert vor allem an die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges.
- Ehrengrab des StandartentrÀgers von Mars-la-Tour in Klein Schwechten
- Ehrengrab Heinrich Zille, SĂŒdwestkirchÂhof Stahnsdorf
Ăsterreich
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Wien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Um den 1874 eröffneten Wiener Zentralfriedhof fĂŒr die Bevölkerung attraktiv zu machen, wurden fĂŒr berĂŒhmte Persönlichkeiten EhrengrĂ€ber angelegt. DafĂŒr wurden auf anderen Wiener Friedhöfen beerdigte BerĂŒhmtheiten wie Ludwig van Beethoven und Franz Schubert exhumiert und ĂŒberfĂŒhrt. Persönlichkeiten wie Wolfgang Amadeus Mozart erhielten GrabdenkmĂ€ler. 2015 gibt es auf dem Zentralfriedhof mehr als 350 EhrengrĂ€ber und mehr als 600 ehrenhalber gewidmete GrĂ€ber. Der Unterschied zwischen beiden Formen besteht darin, dass Gestaltung und Pflege von ehrenhalber gewidmeten GrĂ€bern den Nachkommen obliegt, sofern diese dazu imstande sind. Andernfalls wĂŒrde diese Widmung entweder verfallen oder möglicherweise die Grabpflege von der Stadt ĂŒbernommen. EhrengrĂ€ber (wie fĂŒr verstorbene BundesprĂ€sidenten nach 1945) werden hingegen seitens der Stadt gestaltet und âauf Friedhofsdauerâ erhalten. Die Nachkommen haben darauf keinen Einfluss.
Auf anderen Wiener Friedhöfen existieren insgesamt einige Hundert anderer ehrenhalber gewidmeter GrÀber.
Salzburg
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Salzburg erfolgt die ErklĂ€rung zum Ehrengrab durch den Gemeinderat der Stadt fĂŒr einen dreiĂigjĂ€hrigen Zeitraum und kann um dreiĂig Jahre verlĂ€ngert werden. Dem Schriftsteller Hermann Bahr, dem Bergsteiger Ludwig Purtscheller und weiteren 25 verdienten BĂŒrgern richtete die Mozartstadt EhrengrĂ€ber auf dem Kommunalfriedhof ein.
Schweiz
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]ZĂŒrich
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Stadt ZĂŒrich unterhĂ€lt auf dem Friedhof Nordheim beim Krematorium Nordheim ein âEhrengrab der Anatomieâ. In diesem Gemeinschaftsgrab werden auf Wunsch die Urnen von Personen beigesetzt, die sich nach ihrem Tod dem Anatomischen Institut der UniversitĂ€t ZĂŒrich fĂŒr Forschungszwecke zur VerfĂŒgung gestellt hatten. Derartige âAnatomiegrĂ€berâ existieren in zahlreichen UniversitĂ€tsstĂ€dten der Schweiz, Deutschlands und Ăsterreichs, wobei die Kosten meist von der verantwortlichen Institution getragen werden.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Abfrage der EhrengrabstĂ€tten bei der Senatsverwaltung fĂŒr Stadtentwicklung Berlin
- Friedhofgesetz Berlin (Abrufbare PDF-Datei)
- EhrengrÀbergruppen auf dem Wiener Zentralfriedhof
- Ehrengrabliste von Salzburg
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Grabpflege fĂŒr im Dienst verstorbene Bundeswehrangehörige. In: bundestag.de. 13. August 2025, abgerufen am 30. MĂ€rz 2026.
- â EhrengrĂ€ber. In: Ehrungsverzeichnis des LuisenstĂ€dtschen Bildungsvereins
- 1 2 Anerkennung und weitere Erhaltung von GrabstÀtten als EhrengrabstÀtten des Landes Berlin. (PDF, 73 kB). Abgeordnetenhaus von Berlin, Drucksache 16/3696 vom 30. November 2010; abgerufen am 11. MÀrz 2019.