Gelbvieh
| Gelbvieh | ||
|---|---|---|
Gelbviehkuh mit sehr heller GelbfÀrbung | ||
| RasseschlĂŒssel | 12 | |
| Herkunft | Franken | |
| Fellfarbe | gelb bis rotgelb | |
| Nutzung | Milchproduktion und Mutterkuhhaltung | |
| Milchleistung | 6000 kg[1] | |
| Milchprotein | 3,70Â %[1] | |
| Milchfett | 4,19Â %[1] | |
| tĂ€gliche Zunahmen | 1200â1300 g/Tag | |
| mÀnnlich | weiblich | |
| Kreuzbeinhöhe | 150 bis 160[1] cm | 140 bis 150[1] cm |
| Gewicht | 1100â1300 kg[1] | 700â850 kg[1] |
| Behornung | ja | |
| Maul | Flotzmaul, bevorzugt hell | |
Gelbvieh, auch Gelbes Frankenvieh oder einfach Frankenvieh[2] genannt, ist eine deutsche behornte Hausrindrasse. Hans Hinrich Sambraus beschreibt sie als âgroĂwĂŒchsiges, langes Rind mit guter Bemuskelung und krĂ€ftigen Knochenâ, das einfarbig gelb ist[Anm. 1] und âim Allgemeinen ein helles, gelegentlich dunkles Flotzmaulâ hat.[2][Anm. 2]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Gelbvieh entstammt dem roten altfrĂ€nkischen Vieh, in das im Laufe der Jahrhunderte verschiedene weitere Rassen eingekreuzt wurden. 1872 wurde begonnen, Simmentaler aus der Schweiz zu importieren und so die Zucht auf ein einfarbiges gelbes Rind umzustellen. 1875 wurde in Uffenheim der erste Stammzuchtverein und schlieĂlich 1897 der erste Zuchtverband fĂŒr Mittel- und Oberfranken gegrĂŒndet. 1899 entstand ein Zuchtverband fĂŒr Unterfranken.
Im 20. Jahrhundert wurden einzelne Tiere der Rassen Rotes DĂ€nisches Milchrind und Rotes FlĂ€misches Rind eingekreuzt. Das Gelbvieh selbst wurde teilweise in den Rinderrassen KĂ€rntner Blondvieh, Murbodner und Glanvieh verwendet. Das Gelbvieh war das typische Rind in der bayerischen Rhön und im Spessart und war auch in Hessen und ThĂŒringen stĂ€rker verbreitet.
Zuchtlinien fĂŒr Gelbvieh wurden ab 1971 in den USA und ab 1972 in Kanada begrĂŒndet. Sie nutzten dazu anfĂ€nglich Importe aus Deutschland. Heute gehören die BestĂ€nde zu den hĂ€ufigen Rassen, so wurden 2012 in Kanada 3500 und in den USA 45.000 Rinder dieser Zucht registriert. Weitere, gröĂere BestĂ€nde gibt es in Australien und SĂŒdafrika, einzelne Herden auch in vielen anderen LĂ€ndern weltweit.
Merkmale
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Gelbvieh ist einfarbig gelb bis rötlich. In Kanada und den USA wird âGelbviehâ allerdings mittlerweile ĂŒberwiegend in einer schwarzen Farbvariante gezĂŒchtet, die es in Deutschland nicht gibt. Bei dem in Deutschland verbreiteten Gelbvieh soll das Flotzmaul hell sein, die Hörner ebenfalls hell mit dunkler Spitze und die Klauen dunkel. UrsprĂŒnglich handelte es sich um eine Dreinutzungsrasse (Milch, Fleisch, Arbeitsleistung als Zugtier), heute eher Doppelnutzungsrasse (Milch, Fleisch) oder reine Fleischrasse. Die Tiere sind mittel- bis groĂrahmig, haben eine gute Bemuskelung, einen krĂ€ftigen Knochenbau und harte Klauen. KĂŒhe erreichen bei einer Widerristhöhe von 138â142 cm 700â800 kg, Stiere bei 150â158 cm 1200â1300 kg. Die Jahresmilchleistung betrug 2004/2005 durchschnittlich 5657 kg bei 4,19 % Fett und 3,53 % EiweiĂ. Diese Leistung hat sich in den letzten Jahrzehnten kaum verĂ€ndert. In der Mast haben die Tiere Tageszunahmen von etwa 1200â1300 g, der Ausschlachtungsgrad betrĂ€gt 58â62 %.
Das Gelbvieh liefert neben exzellenten Klassifizierungsergebnissen eine hohe sensorische FleischqualitĂ€t. Es ist gleichmĂ€Ăig marmoriert und ist ĂŒberdurchschnittlich zart. Durch die krĂ€uterreichen Rhönweiden hat das Fleisch ein exzellentes Aroma.
In Deutschland ist dieser Rinderrasse nach dem RasseschlĂŒssel die Kennung 12 zugewiesen, bei der BeschrĂ€nkung auf Fleischnutzung ist die Kennung 76.[3]

Bestandsentwicklung und GefÀhrdung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Betrug der Anteil an Gelbvieh an den Herdbuchrindern im Jahr 1951 (nur in den westdeutschen LĂ€ndern der Bundesrepublik Deutschland) noch 7,7Â %, sank dieser Anteil im wiedervereinigten Deutschland im Jahr 1998 auf nur noch 0,4Â %.[4]
In Deutschland sank die Zahl weiblicher Zuchttiere in der Doppelnutzung von einem Bestand von 8.552 im Jahr 1997 auf nur noch 1.289 im Jahr 2022. Bei den mĂ€nnlichen Zuchttieren gab es in denselben Jahren eine Entwicklung von 34 auf nur noch 10 Tiere. Es sind aber ca. 20 weitere Bullen ĂŒber die kĂŒnstliche Besamung verfĂŒgbar. Die Zahl der weiblichen Zuchttiere in der reinen Fleischnutzung stieg von ca. 1000 im Jahre 2012 auf 1335 im Jahr 2022 mit ca. 30 Bullen. Es gibt mehrere anerkannte ZuchtverbĂ€nde fĂŒr Zuchttiere in der Doppelnutzung und in der reinen Fleischnutzung in verschiedenen deutschen LĂ€ndern. Sowohl Samen als auch Embryonen sind in einer Genbank gelagert.[5]
In Bayern[6] und in Nordrhein-Westfalen[7] wird die Zucht der Rinderrasse Gelbvieh staatlich gefördert.[5][8] Dies gilt unter bestimmten UmstÀnden auch in Mecklenburg-Vorpommern[9] und in Hessen.[10][11]
FĂŒr die Erhaltung der Rasse tritt die âInteressengemeinschaft fĂŒr das Deutsche Gelbviehâ ein. In ihr sind ZĂŒchter in ganz Deutschland organisiert.[12]
Das Gelbvieh steht 2024 in Stufe III (= gefĂ€hrdet) auf der Roten Liste gefĂ€hrdeter Nutztierrassen der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefĂ€hrdeter Haustierrassen (GEH).[13] Die GEH hat einen Betreuer fĂŒr diese Rinderrasse berufen.[14]
Die GEH hat fĂŒr das Jahr 2025 das Gelbvieh zur GefĂ€hrdeten Nutztierrasse des Jahres ausgerufen.[15] Seit dem Jahre 1984 wird mit dieser Auswahl von der GEH auf diejenigen heimischen Nutztiere hingewiesen, die es wegen der AgrarbiodiversitĂ€t zu erhalten gilt, um diese genetische Reserve auch zukĂŒnftig zur VerfĂŒgung zu haben.
- Bilder des Gelbviehs
- Kuh bei einer VorfĂŒhrung
- KĂ€lber â das Flotzmaul zu dunkel?
- Der Bulle Herold
- Gemischter Bestand, darunter viele GelbviehkĂŒhe
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Diethelm Richter: Franken â deine gelbe Kuh. Herausgegeben vom Rinderzuchtverband WĂŒrzburg e. V. BLV Verlags-Gesellschaft, MĂŒnchen u. a. 1997, ISBN 3-405-15321-2.
- Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefĂ€hrdeter Haustierrassen (GEH) (Hrsg.): Das Gelbvieh, in Reihe GefĂ€hrdete Rinderrassen, Witzenhausen 2016, S. 33â36 (Link zum Digitalisat auf G-E-H.de)
- Hans Hinrich Sambraus: Farbatlas Nutztierrassen. Ulmer, Stuttgart 2001, 6. Aufl., ISBN 3-8001-3219-2, S. 38.
- Erwin Schmidbauer: GefĂ€hrdete Nutztierrasse des Jahres 2025 â Das Gelbvieh (Frankenvieh), in: Arche Nova. Fachzeitschrift der Vereine und VerbĂ€nde zur Erhaltung gefĂ€hrdeter Nutztierrassen, Heft 4. Quartal Dezember 4/2024, S. 4 f.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Daten ĂŒber die Rasse, Bestandsentwicklung, Förderung, Kryoreserven, ZuchtverbĂ€nde bei der Bundesanstalt fĂŒr Landwirtschaft und ErnĂ€hrung (BLE)
- Gelbvieh in Bundesanstalt fĂŒr Landwirtschaft und ErnĂ€hrung (Hrsg.): Einheimische Nutztierrassen in Deutschland und Rote Liste gefĂ€hrdeter Nutztierrassen 2023, S. 64
- Deutsches Gelbvieh und Gelbvieh-Fleisch in Bundesanstalt fĂŒr Landwirtschaft und ErnĂ€hrung (Hrsg.): Einheimische Nutztierrassen in Deutschland und Rote Liste gefĂ€hrdeter Nutztierrassen 2025, S. 67
- Informationen zum Zuchtprogramm beim Rinderzuchtverband Franken
- Innovations- und Forschungsprojekt Zucht auf FleischqualitĂ€t beim Gelbvieh der Bayerischen Anstalt fĂŒr Landwirtschaft
Anmerkungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Auch in rotgelbem Fell vorkommend, s. Bildergalerie.
- â Das dunkel gefĂ€rbte Flotzmaul kann auf die Einkreuzung des Roten DĂ€nischen Milchviehs hindeuten. S. Genusserbe-Bayern.de, Abruf am 4. Januar 2025
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 6 7 Informationen zum Zuchtprogramm/-ziel beim Rinderzuchtverband Franken, Abruf am 18. Dezember 2024
- 1 2 Hans Hinrich Sambraus: Farbatlas Nutztierrassen. Ulmer, Stuttgart 2001, 6. Aufl., ISBN 3-8001-3219-2, S. 38.
- â Anlage 6 zur Viehverkehrsverordnung
- â Hans Hinrich Sambraus: Farbatlas Nutztierrassen. Ulmer, Stuttgart 2001, 6. Aufl., ISBN 3-8001-3219-2, S. 31.
- 1 2 Angaben zu Gelbvieh bei TGRDEU.genres.de, Abruf am 1. MĂ€rz 2024
- â Beschreibung auf STMELF.Bayern.de, Abruf am 8. August 2024
- â Richtlinien zur Förderung der Zucht und Haltung bedrohter Haus- und Nutztierrassen von 2015, Abruf am 8. August 2024
- â Gelbvieh in Bundesanstalt fĂŒr Landwirtschaft und ErnĂ€hrung (BLE) (Hrsg.): Einheimische Nutztierrassen in Deutschland und Rote Liste gefĂ€hrdeter Nutztierrassen 2023, S. 64
- â Richtlinie zur Förderung der Erhaltung tiergenetischer Ressourcen in der Landwirtschaft vom 3. August 2022, Abruf am 1. MĂ€rz 2024
- â Beschreibung auf Landwirtschaft.Hessen.de, Abruf am 8. August 2024
- â Merkblatt Erhaltung der Vielfalt der tiergenetischen Ressourcen in der Landwirtschaft, Abruf am 8. August 2024
- â Beschreibung auf RZV-Franken.de, Abruf am 1. MĂ€rz 2024
- â Rote Liste der GEH vom Mai 2024, Abruf am 11. Dezember 2024
- â Beschreibung bei G-E-H.de, Abruf am 11. Dezember 2024
- â Pressemitteilung vom 5. Januar 2025 der GEH, Abruf am 12. Januar 2025