Paninternational
| Paninternational | |
|---|---|
| IATA-Code: | (ohne) |
| ICAO-Code: | DR |
| Rufzeichen: | DELTA ROMEO |
| GrĂźndung: | 1968 |
| Betrieb eingestellt: | 1971 |
| Sitz: | MĂźnchen, |
| Heimatflughafen: | * DĂźsseldorf |
| Flottenstärke: | 6 |
| Ziele: | international |
| Paninternational hat den Betrieb 1971 eingestellt. Die kursiv gesetzten Angaben beziehen sich auf den letzten Stand vor Einstellung des Betriebes. | |
Paninternational war eine deutsche Fluggesellschaft mit Sitz in Mßnchen und Basen auf den Flughäfen Mßnchen-Riem und Dßsseldorf.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Gesellschaft wurde im Jahr 1968 zunächst unter dem Namen PANAIR vom Mßnchner Reiseveranstalter Paneuropa gegrßndet. Grßnder und Geschäftsfßhrer waren Tassilo Trommer und Jßrgen Botzenhardt. Die Grßndung gelang weitgehend ohne eigenes Kapital und basierte auf einem Steuerschlupfloch: ausgenutzt wurde § 82f der Einkommensteuer-Durchfßhrungsverordnung, der in seiner damaligen Fassung erlaubte, einen hohen Betrag der Wertminderung von Seeschiffen und Luftfahrzeugen von den Unternehmenssteuern abzuschreiben.
Nach einem Einspruch durch Pan Am musste der Name geändert werden, da Pan Am die Rechte an Panair gehÜrten (siehe beispielsweise Panair do Brasil). Der Flugbetrieb wurde 1970 aufgenommen. Paninternational flog mit zwei neuen BAC 1-11 auch fßr andere Reiseveranstalter zu europäischen Urlaubszielen. Um auch weiter entfernte Ziele anfliegen zu kÜnnen, wurden 1970 zusätzlich zu einer weiteren neuen BAC 1-11 noch zwei gebrauchte Boeing 707-120 von American Airlines ßbernommen, die dann die interkontinentalen Strecken ßbernahmen und bis zur AuflÜsung der Gesellschaft im Dienst waren.
Bereits kurz nach der GrĂźndung der Fluggesellschaft, und bis unmittelbar vor dem Flugunfall im September 1971, erhielt das Luftfahrtbundesamt zahlreiche Hinweise auf unsichere Praktiken. Die Piloten waren zum Teil schlecht ausgebildet, die Wartungseinrichtungen waren mangelhaft, vorgeschriebene Wartungen wurden nicht durchgefĂźhrt, ungeeignete Teile wurden eingebaut, und es wurden planmäĂig FlĂźge durchgefĂźhrt die Ăźber der zulässigen Reichweite der Maschinen lagen. Die Hinweise kamen zum Teil von leitenden Mitarbeitern, die daraufhin entlassen wurden. Einer von ihnen, der ehemalige Direktor fĂźr Flugbetrieb Joachim KĂźhnel, forderte vom Bundesverkehrsministerium, Paninternational den Flugbetrieb zu untersagen. Auch die IATA forderte ein Eingreifen. Dazu kam es nicht.
Flotte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Flotte bestand aus sechs Flugzeugen:
- 4 BAC 1-11-500 (D-ALAR, D-ALAS, D-ALAQ, D-ALAT)
- 2 Boeing 707-120 (D-ALAM, D-ALAL)
Zwischenfälle
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 6. September 1971 kam es bei einer BAC 1-11 der Paninternational (D-ALAR), die einen Flug nach MĂĄlaga durchfĂźhren sollte, kurz nach dem Start vom Hamburg-FuhlsbĂźttel zu einem doppelten Triebwerksausfall. Bei einer anschlieĂenden Notlandung auf der Bundesautobahn 7 kollidierte die Maschine mit einem BrĂźckenpfeiler. Von den 121 Personen an Bord starben 22, verletzt wurden 57. Zu dem Unfall war es wegen eines Wartungsfehlers gekommen: In die Tanks fĂźr die Wassereinspritzung zur Steigerung der Startleistung der Triebwerke war anstelle von reinem demineralisiertem Wasser versehentlich zusätzlich Kerosin gefĂźllt worden.
Paninternational fĂźhrte den Flugbetrieb noch einen Monat fort; die Firma wurde insolvent, nachdem mit einer Ănderung der Steuerverordnung das Finanzierungsmodell wegbrach.[1] Zwei Mechaniker wurden zu Haftstrafen von 7 und 8 Monaten verurteilt. Weitere strafrechtliche Folgen gab es nicht.
Eine parlamentarische Untersuchungskommission des Bundestags brachte ans Licht, dass Karl Wienand, damals parlamentarischer GeschäftsfĂźhrer der SPD-Fraktion im Bundestag, mit FirmengrĂźnder Trommer befreundet war, und von Paninternational Beraterhonorare in HĂśhe von 162.500 DM erhalten hatte. Obwohl Mitarbeiter des Luftfahrtbundesamtes aussagten, Wienand habe die BehĂśrde persĂśnlich daran gehindert, MaĂnahmen wegen der SicherheitsverstĂśĂe bei Paninternational zu ergreifen, konnte sich die Kommission nicht darauf einigen dies in ihrem Bericht festzustellen.[2] Wienand wurde 1975 wegen Steuerhinterziehung zu einer hohen Geldstrafe verurteilt; Teil der zugehĂśrigen Tatbestände waren auch die Honorare von Paninternational.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- âHier stinkt allesâ, Der Spiegel 35/1973 vom 27. August 1973, S. 56
- âKopf runterâ, Der Spiegel 12/1972
- Carnage on the Autobahn - the Crash of Paninternational Flight 112
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â BAC-1-11-500, D-ALAR&lang=de Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network (englisch)
- â Matthias Schmoock: Die Notlandung auf der Autobahn. In: Hamburger Abendblatt vom 30. August 2023, S. 9.