Elbeflug
| Elbeflug GmbH | |
|---|---|
| IATA-Code: | â |
| ICAO-Code: | â |
| Rufzeichen: | â |
| GrĂźndung: | 1969 |
| Betrieb eingestellt: | 1972 |
| Sitz: | Pinneberg, |
| Heimatflughafen: | Flughafen LĂźbeck-Blankensee |
| Unternehmensform: | GmbH |
| Leitung: | * Horst Ortwin MÜller (Präsident) |
| Mitarbeiterzahl: | 40 (1971) |
| Flottenstärke: | 17 |
| Elbeflug GmbH hat den Betrieb 1972 eingestellt. Die kursiv gesetzten Angaben beziehen sich auf den letzten Stand vor Einstellung des Betriebes. | |
Die Elbeflug GmbH war eine deutsche Frachtfluggesellschaft mit Sitz in Pinneberg. Sie hat ihren Flugbetrieb niemals aufgenommen.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Pinneberger Kaufmann Horst Ortwin MĂśller grĂźndete im Jahr 1969[2] die Elbeflug und erwarb von der Vebeg, einer Gesellschaft zur Verwertung alter militärischer Mittel, 23 Flugzeuge des Typs Noratlas. Diese waren zuvor von der Luftwaffe, ungeachtet ihrer zum Teil nur geringen Anzahl von Flugstunden, ausgemustert worden.[3] Um die Jahreswende 1970/71 wurden dann 16 Maschinen ausgeliefert, wenngleich bereits ein Exemplar aufgrund eines Motorschadens auf dem Auslieferungsflug notlanden und schlieĂlich abgeschrieben werden musste.[4]
FĂźr die Beschaffung der Maschinen verwendete MĂśller einen Teil des von den 329[5] Kommanditisten â Unternehmer, Rechtsanwälte, Ărzte und Freiberufler â eingebrachten Kapitals in HĂśhe von 10,5 Millionen DM. Seine Geschäftspartner hatte er zuvor mit Eindruck erweckenden Werbeauftritten und imponierenden Profitversprechen fĂźr sich gewinnen kĂśnnen.
Schon bald verkßndete man den Abschluss eines Vertrages mit dem marokkanischen Exportbßro fßr landwirtschaftliche Erzeugnisse. Mit vier Flugzeugen sollten 100 bis 140 Tonnen Obst und Gemßse pro Monat nach Deutschland und Frankreich geflogen werden. Auch habe man aus Nordafrika und dem Nahen Osten weitere Anfragen fßr die ßbrigen Flugzeuge der Elbeflug erhalten. Darßber hinaus plante man in den Containertransport einsteigen zu kÜnnen, sah man sich selbst mit dem eher ungewÜhnlichen Fluggerät als eine Art Nischenfßller.[3]
Der Plan von einer lukrativen Frachtfluggesellschaft lieĂ sich nie realisieren, weigerte sich doch das Luftfahrt-Bundesamt dem Unternehmen wegen seiner undurchsichtigen Firmenverhältnisse eine Betriebsgenehmigung zu erteilen.[5] Hierdurch bedingt verlieĂ nicht auch nur eine einzige Maschine im Sinne des operativen Betriebs jemals den Flughafen LĂźbeck-Blankensee â der Zustand der Flugzeuge verschlechterte sich hingegen zusehends.

Im April 1971 erwarb man zwei Douglas DC-6, um den Flugbetrieb doch noch aufnehmen zu kÜnnen. Die Maschinen wurden jedoch nach der Umlackierung und dem Umbau zusammen mit drei Noratlas von der Schweizer Jet Aviation wegen ausstehender Rechnungen einbehalten. Keine der beiden Douglas DC-6 wurde je vollständig an die Elbeflug ßbergeben; lediglich die Maschine mit dem Luftfahrzeugkennzeichen D-ABAY gelang im Zuge einer Flugschau kurzzeitig nach Lßbeck, wollte die Elbeflug mit ihr und mehreren anderen, frisch ausgelieferten Noratlas neue Kapitalgeber locken und sich von ihrer besten Seite zeigen. Im Zuge der Flugschau gab man ebenfalls bekannt, Optionen fßr zwei Flugzeuge des Typs Transall C-160 gezeichnet zu haben.[4]
Die Lage der Elbeflug spitzte sich zu, als schlieĂlich mehrere Mitgesellschafter Auskunft Ăźber die Verwendung ihrer Gelder verlangten. Der Steuerbevollmächtigte Erich Mayer aus Mosbach wurde infolgedessen auf einer auĂerplanmäĂigen Gesellschafterversammlung mit der PrĂźfung der GeschäftsbĂźcher beauftragt. MĂśller versuchte noch vergeblich eine solche PrĂźfung zu verhindern. HierfĂźr schickte er seine Sekretärin zusammen mit zwei Piloten in einer Cessna 172 von Pinneberg, dem Unternehmenssitz, nach Mosbach und beauftragte sie, unter dem Vorwand, das Finanzamt fĂźhre in Pinneberg eine Lohnsteuer-BetriebsprĂźfung durch, die Gewalt Ăźber die Firmenunterlagen zurĂźckzugewinnen. Mayer jedoch durchschaute das Vorhaben und brachte die Dokumente in einen Tresor der Ăśrtlichen Volksbank, um schlieĂlich mit seiner PrĂźfung fortzufahren. Letztere ergab, dass MĂśller einen Teil des von den Kommanditisten eingebrachten Kapitals zu seinen Gunsten direkt auf die Konten der Elbeflug GmbH â und eben nicht auf die der zuständigen Elbeflug GmbH & Co. KG Luftgeräte-Anlagegesellschaft â transferiert hatte. Ferner hatte MĂśller die Kosten einer FlugzeugumrĂźstung von 151.718 Franken auf 1,2 Mio. Franken manipuliert und der Elbeflug seinen familiären Weihnachtsurlaub, den Kauf eines Schiffes und das Mobiliar eines privaten Zimmers angerechnet. Bedingt durch diese Ergebnisse erlieĂ das Landgericht Itzehoe einen Arrest wegen der gemäà Urteil âwiderrechtliche[n] Vereinnahmung von 21 Schecks im Werte von 803.847,50 Markâ gegen MĂśller und untersagte ihm die weitere GeschäftsfĂźhrung.[5]
Im Jahr 1972 erklärte ein Prokurist schlieĂlich die Zahlungsunfähigkeit der Elbeflug. MĂśller und seine Frau wurden daraufhin verhaftet, hatten sie sich doch trotz der prekären finanziellen Situation weiterhin äuĂerst hohe Gehälter gezahlt; Ermittlungen wegen Verdachtes auf Untreue und Betrugs wurden von der zuständigen Staatsanwaltschaft aufgenommen.[6] Die groĂe Menge von Beträgen, die das Ehepaar noch zuvor zwischen den unzähligen Unterfirmen transferiert hatte, erschwerte Steuerfahndern und WirtschaftsprĂźfern die Sichtung der Konkursmasse erheblich. Am Ende gingen die geprellten Kommanditisten leer aus â sie erhielten nichts von ihren Geldern zurĂźck.[3]
Im Jahr 1977 wurden sowohl Horst Ortwin MÜller als auch Helga MÜller in einem Prozess wegen Anlagebetrugs zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.[4]
Flotte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Flotte der Elbeflug bestand aus 17 Maschinen:
Die auf dem Auslieferungsflug wegen eines Motorschadens abgeschriebene Noratlas D-ACUR wurde später auf Umwegen nach Ruanda geschmuggelt. Eine weitere Maschine vom Typ Noratlas hatte man bei der Elbeflug von vornherein fßr die Beschaffung von Ersatzteilen vorgesehen.
Nach dem Konkurs wurden die letzten zehn im Zuge des Insolvenzverfahren noch nicht veräuĂerten Noratlas an den Schrotthändler Albert Berg versteigert. Einige dieser Maschinen wurden zerlegt, andere gelangten auf teils abenteuerlichen Wegen in Entwicklungsländer und wieder andere sind noch heute im potts park und in Hermeskeil zu besichtigen.[4]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Gegendarstellung von Horst Ortwin MÜller zu den gegen ihn erhobenen Vorwßrfen (gemäà Hamburgischem Pressegesetz). In: Der Spiegel. Nr. 12, 1972 (online).
- Fotos der Elbeflug auf Airliners.net
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Flight International 6 May 1971. (PDF) Flightglobal Archive (englisch), abgerufen am 6. Februar 2016
- â Karl-Dieter Seifert: Der deutsche Luftverkehr 1955â2000. Weltverkehr, Liberalisierung, Globalisierung (= Die deutsche Luftfahrt. Band 29). Bernard & Graefe Verlag, Bonn 2001, ISBN 3-7637-6121-7, S. 361.
- 1 2 3 Joachim WĂślfer: Deutsche Passagier-Luftfahrt von 1955 bis heute. E.S. Mittler & Sohn, Berlin / Bonn / Hamburg 1995, ISBN 3-8132-0477-4, S. 78â79.
- 1 2 3 4 Elbeflug (EFL) â die Story. ( vom 12. Februar 2016 im Internet Archive) LĂźbecker-Luftfahrt.de, 13. Januar 2014; abgerufen am 21. Mai 2023
- 1 2 3 Doppelte Rechnung. In: Der Spiegel. Nr. 53, 1971 (online).
- â Betrugsverdacht bei Elbeflug. In: Der Spiegel. Nr. 53, 1971 (online).