Psalm 114

Der 114. Psalm ist ein Psalm aus dem biblischen Buch der Psalmen. In der jßdischen Liturgie ist er Teil des sogenannten ägyptischen Hallels.
TextĂźberlieferung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die handschriftliche Ăberlieferung des babylonischen Judentums, der auch die Biblia Hebraica Stuttgartensia folgt, grenzt die drei Psalmen 113, 114 und 115 voneinander ab, genau so, wie der Text in modernen BibelĂźbersetzungen gegliedert ist. Der Hauptstrom der alten Handschriften behandelt Ps 114 und 115 dagegen als Einheit und nimmt noch das abschlieĂende Halleluja aus Psalm 113 hinzu: so der Codex Leningradensis (Petropolitanus) und der Aleppo-Codex. Unter den alten Ăbersetzungen bieten zum Beispiel die Septuaginta (Codex Sinaiticus), beide Vulgata-Versionen und die syrische Peschitta diese Texteinteilung. âEs scheint, dass die Kompilation von Ps 114 mit Ps 115 die klassische tiberiensische Tradition war.â[1] Obwohl sich die Tradition, Psalm 114 und Psalm 115 als Einheit zusammenzuziehen, auf gewichtige Zeugen stĂźtzen kann, spricht die inhaltliche Geschlossenheit von Psalm 114 doch dafĂźr, dass diese Kombination nicht ursprĂźnglich war.
Inhalt
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die poetische Qualität des 114. Psalms wurde vielfach gerĂźhmt. Johann Gottfried Herder bezeichnete ihn als âEine der schĂśnsten Oden in allen Sprachen.â[2] Bekannt ist das Urteil eines klassischen Psalmenkommentars:
âDer Psalm ragt unter seinesgleichen durch frische Anschaulichkeit, schlagende KĂźrze, strenge Einheitlichkeit und schĂśnes EbenmaĂ hervor.â
Psalm 114 lässt sich folgendermaĂen gliedern:[4]
- Verse 1â2: Israels Ursprungsgeschichte â der Exodus aus Ăgypten, der Einzug ins Gelobte Land.
- Verse 3â4: Reaktionen von Meer und Jordan, Bergen und HĂźgeln.
- Verse 5â6: Frage nach dem Grund dieser Reaktionen.
- Verse 7â8: Antwort: Aufforderung an die Erde, JHWH zu huldigen.
Einzelaspekte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]FĂźr das Verständnis des ganzen Psalms ist die Interpretation von Vers 4 entscheidend. Das Verb r-ḳ-d (רק×) werden oft als ein âBebenâ der Berge verstanden (altorientalisches Theophaniemotiv); das ist aber nicht zwingend. Denn in der Hebräischen Bibel bezeichnet das gleiche Verb auch den Freudentanz von Menschen und das HĂźpfen von Tieren, z. B. Lämmern, als Ausdruck von Lebensfreude.[5]
Daraus ergibt sich das Verständnis des vierten Teils. Zur Auswahl stehen zwei ähnliche Verben, die wahrscheinlich auf die gleiche Wurzel zurĂźckgehen: Ḽ-ášż-l (×××) âsich wenden, im Reigen tanzenâ und Ḽ-y-l (×××) âsich winden, erbeben.â Die BibelĂźbersetzungen entscheiden sich unterschiedlich:
- âVor dem Herrn erbebe, du Erde, vor dem Gott Jakobs!â (Lutherbibel 2018, ähnlich Elberfelder und ZĂźrcher Bibel). Eine kommunikative BibelĂźbersetzung, zum Beispiel die Gute Nachricht Bibel, macht deutlich, was hier gemeint ist: âJa, Erde, erbebe vor dem Herrn, zittere, wenn der Gott Jakobs sich zeigt!â
- âVor dem Angesicht des Herrn tanze, du Erde, vor dem Angesicht des Gottes Jakobs!â (Revidierte EinheitsĂźbersetzung, ähnlich schon der MĂźnsterschwarzacher Psalter).
Die letztere Deutung wurde im deutschsprachigen Raum besonders von Norbert Lohfink vertreten (Das tanzende Land, 1994). Der Schluss von Psalm 114 rufe folgendes Bild auf: So wie siegreiche KÜnige bei ihrer Rßckkehr aus dem Kampf mit Reigentänzen und Trommeln empfangen wurden, solle die ganze Erde JHWH, dem auf dem Zion verehrten Gott, huldigen.[6]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Frank-Lothar Hossfeld, Erich Zenger: Psalmen 101â150 (=Â Herders Theologischer Kommentar zum Alten Testament). Herder, Freiburg / Basel / Wien 2008, ISBN 978-3-451-26827-4.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Psalm 114 in der EinheitsĂźbersetzung, der Lutherbibel und weiteren Ăbersetzungen aus bibleserver.com
- Psalm 114 in der Biblia Hebraica Stuttgartensia (BHS) auf bibelwissenschaft.de
- Gemeinfreie Noten von Vertonungen zu Psalm 114 in der Choral Public Domain Library â ChoralWiki (englisch)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Frank-Lothar Hossfeld, Erich Zenger: Psalmen 101â150, Freiburg et al. 2008, S. 258. Schwach bezeugt ist eine dritte antike Texteinteilung, die Psalm 114 mit Ps 115, 1â3 als einen Psalm zählt und den Rest von Psalm 115 als einen weiteren Psalm.
- â Johann Gottfried Herder: Vom Geist der Ebräischen Poesie, 2. Teil, Leipzig 1787, S. 84.
- â Hermann Gunkel: Die Psalmen. Vandenhoeck&Ruprecht, 6. Aufl. GĂśttingen 1986, S. 495.
- â Frank-Lothar Hossfeld, Erich Zenger: Psalmen 101â150, Freiburg et al. 2008, S. 264.
- â Frank-Lothar Hossfeld, Erich Zenger: Psalmen 101â150, Freiburg et al. 2008, S. 269.
- â Frank-Lothar Hossfeld, Erich Zenger: Psalmen 101â150, Freiburg et al. 2008, S. 270â272.